zur Navigation springen
Landeszeitung

17. August 2017 | 17:59 Uhr

Vergebliche Suche nach Ebbe und Flut

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Kultursalon im zweiten Jahr: Eröffnungsveranstaltung mit „Marea“ / Virtuos – aber erst am Ende lebendig

Fackeln auf dem Weg zum Pavillon des Nordkollegs, lila Licht im Eingang, ein historischer Lüster über der Bühne, der mit Pailletten bekränzte Ohrensessel – das sind Markenzeichen des Kultursalons im Nordkolleg. Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe in diesem Jahr hatte die Band „Marea“ den Auftrag, Ebbe und Flut musikalisch darzustellen. Elemente aus Flamenco, Pop und Lateinamerika wurden versprochen - und auch erkennbar gespielt. Wer unter Ebbe und Flut allerdings eine direkt wiedererkennbare musikalische Darstellung dieser Naturereignisse erwartet hatte, wurde enttäuscht.


Zwei Stunden Stau verhinderten den Soundcheck


„Marea“ sind Wolfgang Stute (Gitarre, Percussion), Hajo Hoffmann (Mandoline, Geige), Peter Pichl (E-Bass) und Johannes Doll (Percussion). Stute war lange Jahre Begleiter von Heinz Rudolf Kunze. Fünf Gitarren hatte er nach Rendsburg mitgebracht – alle in unterschiedlichen Tonarten vorgestimmt. Das nötige Feintuning bewerkstelligte der Meister der schnellen Finger im Blitztempo vor jedem Stück.

Doch ob bei „Etappen“ (von Stute bei einer Bergwanderung entwickelt), bei „Hide and Seek“ (Erinnerung an eine Gesangskollegin, die ihre Wohnung verpfändet hatte, um eine CD-Produktion zu bezahlen) oder bei Stutes Erinnerung an den kanadischen Rock-Gitarren-Gott Neil Young – nur mit viel Fantasie waren die Titel mit Ebbe und Flut zu verbinden. Überhaupt wirkte das Quartett im ersten Teil des Abends merkwürdig kopfig, eher auf sauberes Zusammenspiel und Virtuosität geeicht, denn auf lebendiges Musizieren. Das hatte auch seinen Grund – zwei Stunden im Stau verhinderten einen ausführlichen Soundcheck und erstes Einspielen ohne Publikum.

Erst zum Schluss wurde erkennbar, dass „Marea“ auch lebendige Musik machen kann. Nach der Pause ging es lebendig zu, Virtuosität wurde mit Empfindung gepaart. Wolfgang Stutes Percussion-Künste auf dem Cajun und der Schlitztrommel („Die habe ich zufällig entdeckt“) machten klar, dass dieses Quartett auch andere Arten des Spielens und der Musik beherrscht. Mit „Gezeiten“ auf Sardinien entstanden wurden Erinnerungen an ein stilles Meer geweckt und der Bogen zum Bandnamen geschlossen.

Zum Schluss „Palmström“ nach einem Gedicht von Christian Morgenstern: Instrumental, ohne Worte – wie bei so vielen Stücken. Auch ein deutlicher Hinweis auf Wolfgang Stutes Vergangenheit als Begleiter von Heinz Rudolf Kunze. Der war für die Worte zuständig, Stute für die Begleitung. Das merkte man auch vielen seiner Eigenkompositionen an.

Nach langem Anlauf wurde klar: Die können auch lebendige, nicht nur virtuose Musik machen. Und sie wissen, wie man das Publikum begeistern kann - was leider erst wirklich in den beiden Zugaben geschah.


Weitere Veranstaltungen des Kultursalons: www.nordkolleg.de

zur Startseite

von
erstellt am 30.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen