Gefahr durch Mähdrescher : Verein will Rehkitzen das Leben retten

Dieses Rehkitz hatte Glück und konnte noch rechtzeitig entdeckt werden.
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Dieses Rehkitz hatte Glück und konnte noch rechtzeitig entdeckt werden.

Jungtiere verstecken sich auf Feldern - und flüchten nicht vor nahenden Mähdreschern. Verein stöbert Kitze rechtzeitig auf.

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27. Februar 2018, 09:31 Uhr

In der Mähsaison kommen immer wieder Rehkitze oder andere junge Wildtiere während des ersten Schnittes zu Tode. Große Traktoren mit Mähwerken, die bis zu neun Meter breit sind, fahren mit einer rasanten Geschwindigkeit über das Grünland. Die kleinen Tiere haben kaum eine Chance entdeckt zu werden und sterben den schrecklichen Mähtod. In Erfde hat sich nun der Verein „Kitzrettung Erfde“ gegründet, der die Tiere in Zukunft vor diesem Schicksal bewahren möchte.

„Die Mahd verläuft ab Monat Mai ziemlich parallel mit der Setzzeit der Ricken und die neu geborenen Kitze können ihrer Mutter noch nicht folgen“, erklärte Vorstandssprecherin Daniela Wangerin. Schon seit drei Jahren engagiert sich die 36-jährige Erzieherin bei Kitzrettungsaktionen. Zusammen mit Jugendlichen aus einer Betreuungseinrichtung in Hollingstedt und Nachbarn ging sie über potentielle Grünlandmähflächen in Erfde. „In einer Art Menschenkette gehen wir dabei über die Mähflächen und suchen dabei nach Rehkitzen“, erklärte sie. Nach den Empfehlungen des Landesjagdverbandes Brandenburg nimmt man die Neugeborenen mit einem großen Grasbüschel auf und trägt sie an geschützte Knickstellen. „Wir tragen dabei auch Handschuhe“, so die engagierte Erzieherin. Bereits im Jahre 2015 wurden auf diese Weise dreizehn Rehkitze gerettet. Wangerin hat schon als Kind miterlebt, wie man sich für die Rettung von Rehkitzen einsetzt und was beachtet werden muss. „Mein Vater ist seit vierzig Jahren Jäger und hat mich immer mitgenommen, um nach hilflosen Rehkitzen zu suchen.“

Einige Landwirte und Jäger arbeiteten konstruktiv mit den Freiwilligen zusammen. „Allein im letzten Jahr konnten wir fünfundzwanzig Kitze und einen Junghasen sichern“, sagte Wangerin. Alle Jungtiere können die Kitzretter aber nicht beschützen. „Wir haben zu viele Felder und einfach zu wenig Leute“, ergänzte Schriftführerin Cathrin Ochsenknecht. Mit der Vereinsgründung erhoffen sich die Mitglieder einen Zustrom an Helfern und eine gesicherte finanzielle Basis. Bisher wurden alle Aufwendungen aus der privaten Tasche getragen. Als eingetragener Verein besteht die Möglichkeit, Spenden zu generieren und Spendenbescheinigungen auszustellen. Dabei ist besonders die Beschaffung einer Flugdrohne mit Wärmebildkamera anvisiert. „So können wir effektiver Tiere auffinden und die nächste Mähsaison ist nicht mehr weit entfernt.“ lat

>Nähere Informationen über den Verein gibt es unter www.kitzrettung-erfde.de.
 

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