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Verdi-Requiem: Auftritt wie aus einem Guss

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Gleich mehrere Anlässe gab es für Volker Linhardt und den Kantatenchor St. Marien, das Verdi-Requiem aufzuführen: Für Rendsburg war es der Höhepunkt und Abschluss der Feierlichkeiten zum 90-jährigen Bestehen des Chors, für Deutschland waren es der Fall der Mauer vor 25 Jahren und die Erinnerung an die Progromnacht vor 76 Jahren.

Eine nötige Zeit für Gefühle: Gelassen wartete Linhardt ab, bis das Publikum in der nahezu voll besetzten Christkirche selbst zur Ruhe gekommen war. Man hätte das Fallen einer Stecknadel hören können. Damit waren die passenden Anfangsbedingungen für eine denkwürdige Aufführung am historischen Datum geschaffen: Der erste Orchestereinsatz in Verdis Requiem beginnt aus dem Nichts. Das galt es vorab herzustellen. Gelungen.

Wichtig ist ebenfalls, dass der Einstieg des Orchesters gelingt. Um leise und zusammen anzufangen, braucht man Profis. Die Mitglieder der Kieler Philharmoniker sind es, haben es unter Linhardts Leitung geschafft. Danach die Sänger: Hier traten mit dem Kantatenchor St. Marien und dem Schleswiger St.-Michaelis-Chor zwei groß besetzte, bestens geschulte Kirchenchöre auf. Es zeugt von sorgfältiger und gekonnter Vorbereitung, so viele Stimmen kultiviert zusammenzubringen. Linhardt und sein Schleswiger Kollege Guido Helmentag haben das geschafft.

Orientiert man sich am Text, war die Zurückhaltung geboten: „Ewige Ruhe gib ihnen, Herr, und ewiges Licht leuchte ihnen. (...) Herr, erbarme dich, Christus erbarme dich!“ Diese Bitte wurde mit dem behutsamen Einstieg vorbildlich ausgedrückt. Eineinhalb Stunden dauerte die Aufführung. Großartig gelungen, alles aus einem Guss. Wer dabei war, für den blieben die Steigerung zum Schluss mit Klanggewalt und das abschließende poetisch-sanfte Gebet des Solo-Soprans „Ewige Ruhe gib ihnen, Herr, und ewiges Licht leuchte ihnen!“ Unvergesslich, ebenso wie die ausgelebte Abklingpause und der stehende Beifall danach.


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