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Urteil wegen Kindersex-Reisen : USA: Wird der Rendsburger Lehrer ausgeliefert?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein US-Gericht hat Karsten P. zu 15 Jahren Haft verurteilt. Doch im Fall des Kindersex-Touristen sind noch viele Fragen unbeantwortet.

Rendsburg | Der in den USA wegen des geplanten sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilte Lehrer aus Rendsburg beschäftigt jetzt auch eine Bundesbehörde: Während der Kieler Anwalt von Studienrat Karsten P. Antrag auf Auslieferung gestellt hat, bemüht sich das Bundesamt für Justiz ebenfalls darum, dass der Rendsburger nach Deutschland überstellt wird. Der Rendsburger wurde in den USA insgesamt zu 15 Jahren Haft verurteilt. Ein US-Gericht verhängte darüber hinaus eine Geldstrafe von umgerechnet 16.000 Euro. Er wollte über die Vereinigten Staaten nach Mexiko reisen, um dort Sex mit Kindern zu haben.

Nach Einschätzung von Rechtsexperten ist eine Auslieferung nur denkbar, wenn sich ein deutsches Gericht verpflichtet, die in den USA verhängte Strafe auch in der Bundesrepublik zu vollstrecken. Das jedoch hätte einen juristischen Haken: Nach hiesigem Rechtsverständnis wirft das Vorgehen der verdeckten US-Ermittler zumindest Fragen auf. In Deutschland ist es Beamten verboten, unbescholtene Bürger zu einer Straftat zu verleiten. „Wenn es in diesem Fall so wäre, wären bestimmte Beweismittel vor Gericht nicht verwendbar“, sagte der Kieler Staatsanwalt Axel Bieler auf Anfrage der Landeszeitung.

Darüber hinaus bleiben offene Fragen: Bezieht der Beamte Karsten P., der den geplanten Kindesmissbrauch während der Untersuchungshaft in Arizona gestanden hat, weiter seine Dienstbezüge? Im Kieler Bildungsministerium fällt die Auskunft knapp aus: „Seit der Verhaftung in den USA läuft ein Disziplinarverfahren gegen den Beamten“, sagt Sprecher Thomas Schunck. Da es sich um ein laufendes Verfahren handele, gebe man keine weitere Auskunft.

Karsten P. unterrichtete erst seit zwei Jahren am Helene-Lange-Gymnasium in Rendsburg; Sport in den unteren Jahrgängen, Mathematik in der 9. Klasse. Am 26. Juni 2013 war der damals 51-jährige Rendsburger auf dem Flughafen von Tucson im US-Bundesstaat Arizona von amerikanischen Ermittlern verhaftet worden. Ein FBI-Agent hatte sich als Kontaktmann ausgegeben und den Sex-Touristen am Flughafen erwartet.

Das Urteil sei grundsätzlich auch in Deutschland gültig, so Staatsanwalt Bieler. „Wenn ich im Ausland verurteilt werde, gilt die Verurteilung für alle Staaten.“ Die Verabredung zum Verbrechen, auch ohne Umsetzung des Plans, sei in Deutschland strafbar. Zusammen mit einem besonders schweren Fall des Kindesmissbrauchs könne sich ein Strafmaß von elf Jahren und neun Monaten ergeben, so Bieler. Noch wissen die Kieler Ermittler jedoch wenig über den Fall. „Worauf fußt die Anklage? Gibt es Beweise? Was genau hat der Lockvogel des FBI gemacht? Auf diese Fragen haben wir noch keine Antworten.“ Die Staatsanwaltschaft habe deshalb beim Gericht in Tucson/Arizona das Urteil angefordert. „Wir gehen davon aus, dass wir es bekommen“, sagte Bieler.

Bekannt wurde inzwischen, wie detailliert Karsten P. den Missbrauch plante. Was im Internet als „Special Offers“ (Sonderangebote) angepriesen wurde, sollte Sex mit Kindern werden. Mit Damenunterwäsche im Gepäck flog Karsten P. in die USA. Gleich für die erste Woche der Sommerferien 2013 hatte der Lehrer den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen geplant. „Um mögliche Probleme mit ungewollten E-Mail-Überwachern zu vermeiden, schreibe ich Dir unter einem neuen Namen“, mailte der Gymnasiallehrer laut US-Staatsanwaltschaft Mitte Mai 2013 an seine Kontaktperson. Per Langstreckenflug wollte er nach Mexiko reisen, um dort bis zu acht Kinder tagelang zum Sex zu treffen, heißt es in seinem schriftlichen Geständnis. Umgerechnet 800 Euro wollte Karsten P. sich die illegalen Handlungen kosten lassen.

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erstellt am 06.Okt.2014 | 11:54 Uhr

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