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Wegen Sex-Urlaub : US-Ermittler verhaften Rendsburger Lehrer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Studienrat buchte Urlaub, bei dem Sex mit Kindern zum Reise-Programm gehörte

Amerikanische Beamte haben einen Lehrer aus Schleswig-Holstein bei der Einreise in die USA festgenommen. Er soll einen Urlaub gebucht haben, bei dem der sexuelle Missbrauch von Kindern ein fester Bestandteil der Reise war.

Der Studienrat (51) des Helene-Lange-Gymnasiums in Rendsburg war mit Beginn der Sommerferien Ende Juni im US-Bundesstaat Arizona gelandet. Dort klickten noch auf dem Flughafengelände die Handschellen. Mittlerweile sind auch die deutschen Behörden in den Fall eingebunden. Die Wohnung des Lehrers in einem Vorort von Rendsburg wurde durchsucht, sein Rechner beschlagnahmt. Die Kieler Oberstaatsanwältin Birgit Heß bestätigt: „Wir ermitteln wegen der Verabredung zum sexuellen Missbrauch von Kindern. Außerdem wegen Besitzes von kinderpornografischen Schriften.“

In Rendsburg ist die Sorge groß, dass der Studienrat auch Kinder des Helene-Lange-Gymnasiums missbraucht haben könnte. Schulleiter Berthold Kayma erklärte gestern: „Dafür haben wir zum Glück keinerlei Anhaltspunkte.“

Kayma hat entschieden, Schüler und deren Eltern mit einem Brief umfassend zu informieren. Darin heißt es: „Studienrat P. wird vorgeworfen, über eine Internetseite eine Reise in die Vereinigten Staaten gebucht zu haben – inklusive des in der Rubrik ‚special offers‘ enthaltenen Angebots zum sexuellen Missbrauch von Kindern.“ Laut US-Behörden soll sich der Pädagoge für seine Ferien ein kleines Mädchen im Alter von sechs bis acht Jahren gewünscht haben.

Der Elternbeirat des Gymnasiums begrüßt die Offenheit von Berthold Kayma. Vorsitzende Christine Thomsen sagte: „Der Schulleiter hat uns rechtzeitig eingebunden. Der Brief wurde mit unserem Einverständnis verschickt.“ Wichtig ist dem Schulleiter, dass es im Bereich des Gymnasiums keinerlei Vorwürfe gegen P. gibt, obwohl er auch Sport unterrichte, was ja „ein sensibles Fach“ sei. „Sollte Kollegen, Eltern oder Schülern aber irgendeine Begebenheit mit dem heutigen Wissen in einem anderem Licht erscheinen, können sie sich bei mir melden.“

Wie haben die Schüler auf die Nachricht reagiert? Kayma: „In einer 11. Klasse haben wir heute in großer Ruhe über die Verhaftung gesprochen. Weitere Gespräche machen wir vom Bedarf der Schüler abhängig.“

Wer ist der mutmaßliche Täter? Der Studienrat unterrichtete erst seit zwei Jahren am Helene-Lange-Gymnasium. Sport in den unteren Jahrgängen, Mathematik in der 9. Klasse. Eine Schülerin sagt: „Er wirkte auf uns immer ein wenig ungepflegt.“ Der Lehrer soll allein gelebt haben und regelmäßig auf Reisen gegangen sein. Seit seiner Festnahme sitzt er in Tucson, Arizona, in Untersuchungshaft. Sein Anwalt soll auf eine Auslieferung nach Deutschland drängen, da seinen Mandanten in den USA eine extrem hohe Haftstrafe erwartet.

Zum Schuljahresbeginn hat der Pädagoge sich wegen seiner U-Haft ordnungsgemäß vom Schuldienst abgemeldet. Thomas Schunck, Sprecher des Bildungsministeriums: „Über die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen den Beamten ist noch nicht entschieden. Wir stehen im engen Austausch mit der Staatsanwaltschaft.“

Wie die amerikanischen Behörden dem Lehrer auf die Spur gekommen sind, ist unklar. Gebucht haben dürfte der Pädagoge seine perverse Reise im Darknet, dem „dunklen Teil“ des Internets, in dem Anwender ihre Spuren gerne mit dem Verschlüsselungsnetzwerk „Tor“ verwischen. Erst vor Kurzem soll es dem FBI auf der Jagd nach Pädophilen erstmals gelungen sein, mit Schadsoftware die Anonymität von „Tor“-Nutzern aufzuheben.

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erstellt am 27.Aug.2013 | 14:22 Uhr

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