zur Navigation springen

Aukrug : Unterwegs mit 1000 Schafen und Ziegen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Zwei Auszubildende lernen bei Birgit Voigtländer den Beruf des Wanderschäfers. Schon vor Saisonbeginn gibt es viel zu tun.

Der Beruf des Wanderschäfers hat im Land zwischen den Meeren den Status einer „bedrohten Art“. Birgit Voigtländer weiß nur von drei weiteren Berufskollegen in Schleswig-Holstein. „Die Schäfer, die noch hüten können, sind am Aussterben“, stellt die Aukrugerin fest. Ein Ende der Wanderschäferei würde auch Nachteile für den Naturschutz mit sich bringen. „Das wäre schade, denn Schafe können Heide- oder Trockenrasenflächen im Sinne des Naturschutzes besonders gut beweiden“, vermerkt Birgit Voigtländer, deren Schafe jeden Sommer in der Barker Heide bei Bad Segeberg als vierbeinige Landschaftspfleger im Einsatz sind.

Um das Know-how des Schafehütens vor dem Aussterben zu bewahren, gibt Birgit Voigtländer ihr Wissen an Auszubildende weiter. „Es ist insgesamt sehr schwierig, Lehrlinge zu finden“, sagt die Homfelderin, die derzeit zwei Azubis unter ihren Fittichen hat: Lina Offergeld (31 Jahre) aus Oberhausen und Florian Troska (25) aus Jena. Die beiden haben sich als angehende „Tierwirte, Fachrichtung Schafe“ für einen ganz seltenen Ausbildungsberuf entschieden: In der Berufsschule in Halle (Sachsen-Anhalt), wo der Schäfernachwuchs für ganz Deutschland unterrichtet wird, hat Lina Offergeld (1. Lehrjahr) zwölf Mitschüler, bei Florian Troska (3. Lehrjahr) sind es elf. „Pro Jahr sind es im Schnitt 25 Lehrlinge bundesweit“, berichtet Birgit Voigtländer, „das sind insgesamt sehr wenige.“

„Ich hab‘ vorher in der Altenpflege gearbeitet, aber das fand ich nicht befriedigend“, erzählt Lina Offergeld, „ich wollte gern mit Tieren arbeiten und am liebsten als Hüteschäferin mit Tieren in der Natur unterwegs sein.“ Die Suche nach einer Lehrstelle sei nicht einfach gewesen: „Es gibt in ganz Deutschland nicht viele Wanderschäfer, die ausbilden.“ In Schleswig-Holstein wurde die Oberhausenerin fündig. Lina Offergeld freut sich, dass sie in Aukrug genau den richtigen Ausbildungsplatz gefunden hat: „Die Chemie passt einfach, ich fühle mich bei Birgit sauwohl.“

Nachdem Florian Troska den Ausbildungsbetrieb gewechselt hat, ist er seit September in Aukrug. „Mein Ziel ist es, mich als Schäfer selbständig zu machen“, erklärt der Thüringer, „wo ist egal – ich könnte mir auch eine Arbeit im Ausland vorstellen.“

Welche Grundvoraussetzungen sollte man als Schäfer-Azubi mitbringen? „Liebe zu den Schafen und ein gewisses Durchhaltevermögen“, meint Birgit Voigtländer, „das ist ein Job, bei dem man nebenher nicht viel andere Sachen machen kann – das ist ein Vollzeitjob mit wenig Freizeit, der einem Spaß bringen muss.“ „Die Arbeit ist sauanstrengend, aber auch super-super-schön“, sagt Lina Offergeld, die als weiblicher Azubi durchaus im Trend liegt. „Wanderschäferei ist ein Beruf, zu dem mehr Frauen als Männer hinstreben“, berichtet Birgit Voigtländer und hat auch eine Erklärung dafür parat: „Frauen haben mehr Biss und mehr Idealismus und bei der Berufswahl mehr als Männer die Tendenz, was machen zu wollen, wozu sie auch wirklich Lust haben.“

Wofür Birgit Voigtländer selbst ein Paradebeispiel abgibt. Nachdem sie bei der Schäferei Seebürger in der Elbtalaue zwei Jahre gearbeitet und als Lohn 110 Schafe erhalten hatte, machte sie sich 1992 als Wanderschäferin selbständig. Heute besitzt Birgit Voigtländer rund 1000 Schafe und Ziegen. 800 davon stehen derzeit auf einer Winterweide in der Nähe von Neumünster, von wo sie Anfang April wieder Richtung Barker Heide aufbrechen werden; die übrigen Schafe weiden momentan in kleineren Gruppen in Aukrug, Wapelfeld und Gnutz. Für das nächste Ausbildungsjahr sucht die Homfelderin noch einen Lehrling. Interessenten können sich per E-Mail bei der Wanderschäferin melden (birgit_voigtlaender@web.de).

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen