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Wirtschaftsraum Rendsburg : Unternehmer trüben die Partylaune

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

UV-Vorsitzender van der Walle: „Rendsburger Verkehrschaos erfordert Nordumfahrung“. Betriebe melden Umsatz-Rückgänge im ersten Halbjahr.

Ganz Rendsburg ist in „Herbst“-Partylaune – nur dem Unternehmensverband (UV) Mittelholstein ist nach Feiern nicht zumute. Auf der Sommerpressekonferenz teilten die beiden Spitzen des Vereins kräftig aus – und nahmen die politisch Verantwortlichen in der Stadt ins Visier. „Wo sind die Planungen für die Sparmaßnahmen im Haushalt? Wo sind die drei Damen vom Stadtmarketing? Man hört nichts, man spürt nichts“, sagte der UV-Vorsitzende Jens van der Walle. Zu vernehmen sei „nur Stille“, auch was das Bemühen um eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit angehe. Geschäftsführer Michael Thomas Fröhlich legte nach: In der Stadt vermisse er nach wie vor eine Willkommenskultur neuen Investoren gegenüber. Bürgermeister Pierre Gilgenast habe zu Beginn seiner Amtszeit zwar „einen guten Job“ gemacht, insbesondere beim Krisenmanagement nach dem Rader-Hochbrücken-Desaster. Jetzt müsse er aber auch weitere Vorhaben anpacken und konkret umsetzen. Vom Kauf des ehemaligen Hertie-Hauses rieten Fröhlich und van der Walle ab. Mit Nachdruck: „Der Bürgermeister muss aufpassen, dass er das süße Gift aus Kiel nicht schluckt. Die Stadt darf sich mit dem Kauf der Hertie-Immobilie nicht übernehmen.“ Zuschüsse seien verlockend, aber man müsse auch an die Folgekosten denken. Solange kein langfristiges Nutzungskonzept vorliege und solange am Obereiderhafen nichts passiere, so der Vorsitzende, sei der Kauf des Gebäudes angesichts 40 Millionen Euro Schulden ein zu großes Wagnis.

Verkehrspolitisch wiederholten die Unternehmer ihre seit Jahren geäußerte Forderung nach einer Nordumfahrung. Die Teilsperrung der Rader Hochbrücke und das daraus folgende Verkehrschaos sind ihrer Meinung nach das beste Argument, die Planungen sofort anzugehen. Ansonsten drohten Investoren abzuspringen und Rendsburger Unternehmen mit der Abwanderung. Auch eine Ersatzlösung für die Eisenbahnhochbrücke müsse her. Van der Walle: „Wir müssen alles daran setzen, dass wir attraktiv für ansässige Unternehmen bleiben und für Investoren es wieder werden.“

Als Sofortmaßnahme forderte van der Walle die Umsetzung der Grünen Welle auf der Hollerstraße von Rendsburg bis Büdelsdorf. Sie zählt zur Umleitungsstrecke für Lkw, die auf der teilgesperrten Rader Hochbrücke nicht mehr fahren dürfen. „Eine intakte Infrastruktur ist die Lebensader Rendsburgs. Ohne sie sind sämtliche Bemühungen zur Belebung der Innenstadt, der Vermarktung von Konversionsflächen und Werbung um neue Investoren überflüssig.“

Die Rendsburger Wirtschaft ist unterdessen mit schwachen Ergebnissen in das erste Halbjahr 2013 gestartet. Mehr als ein Drittel von 40 befragten Unternehmen (insgesamt knapp 8000 Beschäftigte) musste gefallene Umsätze verkraften. Als Ursachen für das Minus nannte van der Walle schlechte gefüllte Auftragsbücher, den ungewöhnlich langen Winter sowie die Euro-Krise, die sich negativ auf Export-orientierte Unternehmen auswirkte. Trotz dieser Zahlen schaut der Unternehmensverband optimistisch auf den Rest des Jahres. 80 Prozent der befragten Betriebe rechnen mit gleichbleibend guten oder steigenden Auftragszahlen, so van der Walle. Ein gesundes Wachstum von bis zu einem Prozent sei durchaus möglich.

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erstellt am 23.Aug.2013 | 16:40 Uhr

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