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Interview : „Unsere Arbeit stärkt die Wirtschaft“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Chef der IHK-Zweigstelle Rendsburg äußert sich zu den Aufgaben der künftigen Vollversammlung / Brückenersatz und weitere Kanalquerung werden als Ziele genannt. Ein Plädoyer für die Facharbeiterausbildung.

von
erstellt am 09.Dez.2013 | 12:00 Uhr

126 Kandidaten bewerben sich um die 60 Sitze der künftigen Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer. Auf die Mitglieder des höchsten IHK-Gremiums warten schwierige Aufgaben. In der Region Rendsburg hat die Kammer vor allem zwei Themen auf der Agenda: die Verkehrsinfrastruktur und die Bewältigung des Fachkräftemangels. Unser Redaktionsmitglied Dirk Jennert sprach mit Rainer Bock, dem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer und Chef der Zweigstelle Rendsburg.

Herr Bock, welchen Nutzen bringt die Arbeit der IHK-Vollversammlung den Beschäftigten in den Unternehmen?

Bock: Die Vollversammlung ist unser höchstes Gremium und legt die Schwerpunkte unserer Arbeit fest. Auf der Grundlage dieser Beschlüsse setzen wir uns dafür ein, die Infrastruktur und die Bedingungen für die Wirtschaft zu verbessern. Themen sind Gewerbeflächenausweisung, Technologietransfer, Verkehrsinfrastruktur und Hafen-Hinterlandanbindung, Energieversorgung, Stadt- und Tourismusmarketing, aber auch Breitband oder die qualifizierte Ausbildung von Mitarbeitern und Nachwuchskräften. So arbeiten wir maßgeblich an der Durchführung von Prüfungen. Insgesamt kann man sagen, dass wir mit unserer Arbeit die Wirtschaft stärken, das unterstützt die Unternehmen und damit auch die Arbeitsplätze der Beschäftigten.

Was werden die größten Herausforderungen für die nächste IHK-Vollversammlung sein?
Da möchte ich zwei Themenfelder nennen. Das erste wird die Verkehrsinfrastruktur sein. Wir müssen zügig die richtigen Weichen stellen, um unseren Projekten im Bundesverkehrswegeplan gute Resonanz zu verschaffen. Schleswig-Holstein ist da im Vergleich zu Bayern immer sehr bescheiden. Und das zweite Themenfeld ist der bereits spürbare Fachkräftemangel.

Beleuchten wir zunächst die regionale Verkehrsinfrastruktur, deren Schwächen in diesem Jahr zutage traten. Was konkret haben Sie vor?
Wir brauchen zunächst fundierte planerische Grundlagen. Dazu gehört ein Verkehrskonzept für die nächsten 20 Jahre im Raum Rendsburg. Da gibt es spürbaren Rückenwind. Landrat Dr. Schwemer hat sich dazu neulich ja schon positiv geäußert. Auch die Grünen haben sich dafür ausgesprochen, konzeptionelle Perspektiven zu schaffen.

Was sollte in diesem Verkehrskonzept enthalten sein?
Natürlich ein Ersatzbauwerk für die Rader Hochbrücke. Zudem ist eine weitere Kanalquerung von Bedeutung, wenn sich der Raum Rendsburg einschließlich der ländlichen Regionen weiter entwickeln soll. Und wir dürfen den Bau einer funktionierenden Ost-West-Trasse nicht vergessen. Damit meine ich die Verbindung von Ostholstein nach Kiel und von dort über Rendsburg nach Heide. Da sind wir ganz einer Meinung mit dem Unternehmensverband. Diese Trasse ist auch wichtig vor dem Hintergrund der geplanten Fehmarn-Belt-Querung. Die Verkehrsströme werden sich teilweise weiter nach Osten verlagern. Wir müssen sehr aufpassen, dass wir dabei nicht ins Hintertreffen geraten.

Über diese Ost-West-Trasse redet man in der Region seit 20 Jahren, aber nichts ist passiert.
Wir waren schon mal ganz nah dran, aber dann gab es Querschläger, und das Projekt wurde zurückgeworfen. Wir dürfen es trotzdem nicht aus den Augen verlieren. Es gibt konkrete Beispiele dafür, wie negativ sich das Fehlen dieser Trasse bemerkbar macht. Denken Sie an die Feldwebel-Schmid-Kaserne. Mangels guter Verkehrsanbindung war die Vermarktung des eigentlich doch attraktiven Areals schwierig.

Ist die mängelbehaftete Verkehrsinfrastruktur auch ein Grund für den größer werdenden Fachkräftemangel?
Es gibt hier in der Tat einen Zusammenhang. Es ist für viele Unternehmen schon heute ein Problem, qualifiziertes Personal zu finden. Je ländlicher die Standorte sind, desto schwieriger wird dies. Um Arbeitnehmer zu gewinnen und zu binden, ist eine gute Infrastruktur daher von großer Bedeutung. Dabei geht es aber nicht nur um Straßen. Wenn eine Region touristisch attraktiv ist, bietet sie damit automatisch auch ein attraktives Umfeld für Leben und Arbeiten.

Mal abgesehen von der Stärkung der Infrastruktur: Welche Möglichkeiten haben Sie noch, dem Fachkräftemangel zu begegnen?
Es gibt mehrere Ansätze: Wir müssen in jedem Fall alle Möglichkeiten ausschöpfen, mehr Frauen in Beschäftigung zu bringen beziehungsweise sie nach der Elternzeit in den Beruf zurückzuholen. Und wir müssen das Ansehen des technisch-gewerblichen Ausbildungsbereichs verbessern. Leider befördert die Politik die falschen Tendenzen.

Was erwarten Sie von der Politik?
Dass sie die hervorragenden Möglichkeiten der dualen Ausbildung erkennt und fördert. Die Bildungspolitik suggeriert den jungen Menschen, dass man möglichst lange in der Schule bleiben sollte und möglichst alle studieren müssen. Doch die damit verbundene Unterstellung, dass Akademiker immer so viel Geld mehr verdienen, würde ich in Frage stellen. Ein Schüler mit einem Hauptschulabschluss kann eine hervorragende Facharbeiterausbildung absolvieren und hat beste Aufstiegschancen. Allerdings muss der künftige Auszubildende auch eine gute schulische Ausbildung bekommen haben.

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