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Job-Abbau : Unruhe im Senvion-Kontrollzentrum

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Acht Wochen nach dem angekündigten Stellenabbau: 49 Mitarbeiter haben noch immer keine Gewissheit, was aus ihren Arbeitsplätzen wird

Das Turbine Control Center (TCC) der Firma Senvion in Osterrönfeld operiert global: Von den am Nord-Ostsee-Kanal gelegenen Büros aus werden rund um die Uhr Windkraftanlagen in aller Welt überwacht und Störfälle behoben. Lassen sich bestimmte Probleme nicht aus der Ferne lösen, werden Serviceteams von den Osterrönfeldern geordert und instruiert. Doch wie lange noch? Der Windkraftanlagen-Hersteller gab im März bekannt, zahlreiche Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein streichen zu wollen (wir berichteten). Betroffen seien auch die Angestellten im Turbine Control Center. Konkrete Informationen, wie es mit der TCC-Mannschaft weiter geht, gibt es allerdings auch knapp acht Wochen nach der angekündigten Stellenreduzierung noch nicht.

„Die Stimmung ist sehr gedrückt. Viele hier haben noch Hoffnung, dass ihr Job gerettet wird, aber es überwiegt das Gefühl der Ohnmacht, nichts tun zu können“, beschreibt ein Mitarbeiter die Gefühlslage der 49-köpfigen Belegschaft. „Am 12. März erhielten wir eine Einladung für eine Betriebsversammlung am 13. März. Dort hat der Technikvorstand Servet Sert dann ganz nebenbei und in gebrochenem Englisch erwähnt, dass unser Standort geschlossen und durch einen neuen in Portugal ersetzt werden soll“, erinnert sich der Mitarbeiter, der anonym bleiben will.

Dem Team sei bei der Versammlung versprochen worden, über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten und regelmäßig informiert zu werden. „Aber bislang kam nichts. Dadurch steigt die Verunsicherung und Verzweiflung von Tag zu Tag“, zeigt sich der Mitarbeiter enttäuscht.

Unternehmenssprecher Immo von Fallois verteidigt die Unternehmenskommunikation. „Die Auslagerung des TCC nach Portugal ist aktuell lediglich ein Plan“, es gebe nichts zu verkünden. „Zur Zeit laufen die Informationsaustauschgespräche zwischen der Personalabteilung und den Betriebsräten – noch ist nichts entschieden.“ Zur Zukunft der Mitarbeiter im Falle einer Schließung des TCC in Osterrönfeld will er sich nicht äußern. „Wir wollen immer so sozialverträglich wie möglich handeln und bemühen uns, betroffene Mitarbeiter woanders unterzubringen“, sagt er und umgeht damit die Frage, ob den Osterrönfelder Mitarbeitern im Falle einer Schließung des Standorts angeboten werden würde, mit nach Portugal zu wechseln. Der Verweis darauf, dass im Falle einer Umsiedlung des Kontrollcenters nach Portugal „eine gewisse Einarbeitungsphase“ einkalkuliert werden müsse, lässt darauf schließen, dass der Standort- auch einen Personalwechsel bedeuten würde.

Den Plan, das TCC auf die Iberische Halbinsel auszulagern, kann der Senvion-Mitarbeiter nicht nachvollziehen: „Der Geschäftsleitung scheint nicht bekannt zu sein, welchen Umfang unsere Arbeit hat. Wir sorgen dafür, dass etwa 5700 Anlagen reibungslos laufen – das geht nur mit unserem großen Erfahrungsschatz. Wir sind nicht zu ersetzen.“ Die meisten verfügten über langjähriges Wissen im Umgang mit den Anlagen, viele von ihnen hätten einst selbst im operativen Geschäft auf den Windrädern gearbeitet. „Dadurch kennen wir die Anlagen in- und auswendig.“

Dieser Erfahrungsschatz sei notwendig, um adäquat auf Störfälle zu reagieren und schnelle Lösungen zu finden. Zudem übernehme das Kontrollzentrum in Osterrönfeld weitere wichtige Aufgaben: „Über uns läuft auch die komplette Kundenkommunikation und -betreuung. Wir haben viele große deutsche Kunden, und die erwarten auch einen deutschen Support. Auch die Sprache ist da ein wichtiger Faktor.“

Nach den Worten von Unternehmenssprecher Immo von Fallois gibt es „keinen direkten Kundenaustausch“ und keinen unmittelbaren Kundenservice, der über das Turbine Control Center in Osterrönfeld abgewickelt werde.

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