Ungewöhnliche Freundschaft

Aus Lehrer und Schüler wurden Freunde: Hans-Wilhelm Fadenholz (links) und Gerd Bartelsen.
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Aus Lehrer und Schüler wurden Freunde: Hans-Wilhelm Fadenholz (links) und Gerd Bartelsen.

Hans-Wilhelm Fadenholz wird heute 90 Jahre alt

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27. Juni 2014, 10:22 Uhr

Dass ein Lehrer zu seinen Schülern ein gutes Verhältnis hat, kommt häufiger vor. Dass die Verbundenheit mehr als ein halbes Jahrhundert überdauert, hat Seltenheitswert. Zwischen Hans-Wilhelm Fadenholz und seinen „Knaben“ aus dem Abschlussjahrgang 1959 der Rendsburger Christian-Timm-Schule ist der Kontakt lebendig geblieben. Am morgigen Sonntag wird der pensionierte Lehrer 90 Jahre alt.

„Wenn ihr aus der Schule seid und mich zu meinem nächsten Geburtstag besucht, bekommt ihr Freibier.“ Mit diesem Versprechen begann vor 55 Jahren ein jährliches Treffen, das zu einer Tradition geworden ist. „Anfangs kamen wir zum Geburtstag, später haben wir den Termin auf die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr gelegt“, erklärt Gerd Bartelsen. Der Rendsburger lädt seine ehemaligen Mitschüler rechtzeitig ein.

Bartelsen erinnert sich gerne an die Schulzeit mit Hans-Wilhelm Fadenholz. „Er bot uns weit mehr als den normalen Schulalltag.“ Eine Fahrradtour nach Cuxhaven, eine Wanderung nach Winnemark an der Ostsee, eine Klassenfahrt in die Alpen mit einem Meter Neuschnee im Sommer, der Bau eines Bootshauses an der Eider – Fadenholz forderte seine „Knaben“ und schweißte sie damit zu einer Klassengemeinschaft zusammen, die immer noch Bestand hat. „Eigentlich sind wir Freunde, aber ich habe nie gekumpelt und wir siezen uns immer noch“, betont der ehemalige Lehrer.

Fadenholz stammt aus Stettin, kam 1942 zur Marine und wurde in der Marineschule Mürwik zum Elektriker ausgebildet. Er arbeitete als Grubenelektriker in einem Bergwerk im Ruhrgebiet, bevor er an der Pädagogischen Hochschule in Kiel studierte. In der Dorfschule Winnemark begann er seine Lehrerlaufbahn, die ihn über die Schule Schacht-Audorf an die Christian-Timm-Schule nach Rendsburg führte.

Später wechselte Hans-Wilhelm Fadenholz an die Rendsburger Herderschule, wo er 1986 als Studiendirektor in den Ruhestand ging. Sein Blick zurück ist positiv: „Der Lehrerberuf war ein guter Beruf.“

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