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Landeszeitung

18. Oktober 2017 | 08:35 Uhr

Unfalltod auf B77: Fahrer verurteilt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Amtsgericht spricht 75-Jährigen der fahrlässiger Tötung schuldig / Er hatte einen jungen Mann nachts in Hamweddel überfahren

shz.de von
erstellt am 17.Mär.2015 | 12:21 Uhr

Der Besuch in einem Bordell in Hamweddel hat für eine Gruppe junger Männer vor einem Jahr ein jähes Ende genommen: Ein 19-Jähriger war damals auf der Bundesstraße 77 überfahren worden, nachdem er mit zwei Freunden mitten in der Nacht vor die Tür des Etablissements getreten war und auf ein Taxi wartete. Er starb noch an der Unfallstelle. Gestern musste sich der Fahrer (75) des Unfallwagens vor dem Amtsgericht Rendsburg verantworten. Der Vorwurf: Fahrlässige Tötung. Der Richter folgte der Anklage der Staatsanwaltschaft – der Fahrer hätte besser aufpassen müssen.

Es geschah in der Nacht auf den 1. März 2014: Der damals 74-jährige Mann aus Elsdorf-Westermühlen war mit einem Kleintransporter auf der B77 von Rendsburg Richtung Itzehoe unterwegs, als um 3.55 Uhr plötzlich jemand mitten auf der Straße im Scheinwerferlicht auftauchte. Der 19-Jährige war kurz zuvor mit seinen Freunden aus dem Bordell getreten und ihnen über die Straße gefolgt. Weshalb der offenbar alkoholisierte junge Mann mitten auf der Straße zurückblieb, konnte gestern nicht geklärt werden. Er habe sich dem herannahenden Mercedes Vito mit erhobenen Händen und offenem Mund zugewendet, „als wollte er mich erschrecken“, sagte der Angeklagte aus. Der habe gebremst und nach links ausweichen wollen, habe den jungen Mann aber noch mit der rechten Front angefahren.

Für die Staatsanwältin war gestern klar: Der Angeklagte hätte den Unfall vermeiden können, weil er gegen das Sichtfahrgebot verstoßen hat. Das hätte von ihm verlangt, mit Fernlicht zu fahren oder aber mit eingeschaltetem Abblendlicht Tempo 60 nicht zu überschreiten. Auf diesen Weise wäre es möglich gewesen, noch innerhalb der übersehbaren Strecke zum Stehen zu kommen. Der Angeklagte war laut Gutachten jedoch mit 85 bis 95 Kilometern pro Stunde unterwegs, obwohl auf der schnurgeraden Strecke Tempo 70 gilt. Das Gutachten schränkt jedoch ein: Selbst wenn der Fahrer sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten hätte, wäre es zu dem Unfall gekommen. Richter Jörg Napirata sagte: „Das Sichtfahrgebot ist eine sehr theoretische Größe, aber der Gesetzgeber hat es so eingerichtet.“

Der Angeklagte sagte: „Es tut mir furchtbar leid. Ich habe selbst drei Kinder und glaube ermessen zu können, wie viel Leid und Schmerz der Unfall verursacht hat. Damit müssen wir alle leben – die Eltern, die Freunde und auch ich.“ Sein Verteidiger räumte ein: „Es ist richtig, dass mein Mandant zu schnell gefahren ist, und es steht außer Frage, dass das eine Mitursache des Unfalls war.“ Zu bedenken sei jedoch der angetrunkene Zustand des jungen Mannes. Zudem rechne nachts um vier Uhr niemand mit Fußgängern. Wer sich an das Sichtfahrgebot halten möchte, dürfe im Dunkeln nie schneller als 50 Kilometer pro Stunde fahren. Das sei unrealistisch. Seine Reue und die Tatsache, dass sein Mandant vorher nie im Straßenverkehr aufgefallen sei, spreche für ihn.

Das berücksichtigte der Richter in seinem Urteil. Der Angeklagte habe sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht, weil er damit habe rechnen müssen, dass jemand auf die Fahrbahn tritt. „Sie hätten langsamer fahren oder das Fernlicht einschalten müssen.“ Obwohl ein Toter zu beklagen sei, bewege sich die Schuld jedoch „am unteren Rand, weil die beiden anderen jungen Männer es bis auf die andere Seite der Straße geschafft haben“. Weshalb der dritte nicht zügig weitergegangen sei, lasse sich nicht mehr klären. Der Richter setzte eine Geldstrafe von 2125 Euro an, 85 Tagessätze zu 25 Euro, zu zahlen in Raten von 200 Euro monatlich. Er blieb unter den von der Staatsanwältin geforderten 90 Tagessätzen. Damit wäre der Angeklagte vorbestraft gewesen. Eine Nebenklage der Angehörigen des Toten lag nicht vor.

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