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Zeugen gesucht : Unfallflucht bei Kanal-Kilometer 67

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein unbekanntes Schiff rammt im Audorfer See die Fanganlage von Fischer Hans Brauer. Der Schaden beträgt mehr als 20 000 Euro. Die Wasserschutzpolizei ermittelt.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Es krachte an der Zufahrt zur Borgstedter Enge, bei Kanal-Kilometer 67. Wann genau, steht nicht fest. Der Unfallzeitraum lässt sich nur auf sechs Tage eingrenzen. „Am 14. Januar waren wir zum letzten Mal bei der Anlage, da war sie noch intakt, am 20. Januar haben wir den Schaden entdeckt“, sagt Fischermeister Hans Brauer aus Rade bei Rendsburg. Der 60-jährige Berufsfischer und Gastronom steht neben einem zerstörten Holzpfahl, der einmal im Grund des Nord-Ostsee-Kanals steckte und zu einer seiner Fanganlagen für Aale und Heringe gehörte. Dann rammte ihn ein Schiff. Der gewaltige Pfosten, 18 Meter lang, einen halben Meter dick, mehrere Tonnen schwer, knickte um wie ein Streichholz. Und der Verursacher fuhr weiter. Nicht nur Autofahrer, auch Kanal-Kapitäne begehen Unfallflucht.

„Die Mannschaft muss den Zusammenstoß zu hundert Prozent bemerkt haben“, sagt der erfahrene Fischer. Die Länge des Schiffs schätzt er auf 70 bis 100 Meter. Darauf deuten Farb- und Schleifspuren am Holz hin. Sie geben Aufschluss über die mögliche Höhe des Rumpfs. Brauer schätzt, dass das Schiff höchstens 4,50 Meter Tiefgang gehabt haben kann. Es muss oberhalb des Wassers blau gewesen sein. Am oberen Ende des Pfahls blieb ein entsprechender Abrieb zurück, er wirkt noch frisch.

Der Chef von „Brauer’s Aalkate“ hat Anzeige erstattet, die Rendsburger Wasserschutzpolizei ermittelt. Der Pfahl, der zu einer sogenannten Buntgarnanlage gehörte, war nicht versichert. Den Schaden von 20 000 bis 25 000 Euro wird der Unternehmer wohl selbst zahlen müssen.

Es sei denn, es gibt Zeugen, die den entscheidenden Tipp zum Unfallschiff geben. Die Karambolage ereignete sich in Sichtweite des Treidelwegs – Spaziergänger könnten ihn von Land aus gesehen haben. Erschwert werden die Ermittlungen durch den langen Zeitraum, in dem die Havarie passiert ist. Zwar werden die Positionsdaten aller größeren Schiffe im Kanal grundsätzlich aufgezeichnet und ein Jahr beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Brunsbüttel aufbewahrt. Die Wasserschutzpolizei könnte also am Computer nach einem Schiff suchen, das im nördlichen Bereich des Audorfer Sees auffällig vom Kurs abgekommen ist. Die Fanganlage befand sich rund 80 Meter neben der Fahrrinne. Bei einem Zeitraum von einer knappen Woche müssten jedoch 600 bis 800 Schiffsbewegungen überprüft werden. „Das ist personell nur schwer zu leisten – es sei denn, wir reden über Mord- und Totschlag“, sagt Kai Solterbeck von der Wasserschutzpolizei. Der Beamte betonte, dass weiter ermittelt werde. „Wir hoffen auf sachdienliche Hinweise von Zeugen“, so Solterbeck.

Sollte der Havarist aufgespürt und dem Kapitän eine Schuld nachgewiesen werden, müsste er sich wohl nur wegen Sachbeschädigung verantworten müssen. Fahrerflucht im strafrechtlichen Sinn gibt es zwar auf der Straße – auf dem Wasser jedoch nicht.


>Hinweise an die Wasserschutzpolizei Rendsburg unter der Rufnummer 04331/5 56 03.

 

 

 

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