Zusammenstoß am Thormannplatz : Unfall mit Polizeiauto: Wer hat Schuld?

Unfallort – der Thormannplatz. Die Polizei kam von rechts aus der Denkerstraße, der Golf war von Büdelsdorf kommend Richtung Hollesenstraße unterwegs.
Unfallort – der Thormannplatz. Die Polizei kam von rechts aus der Denkerstraße, der Golf war von Büdelsdorf kommend Richtung Hollesenstraße unterwegs.

Ein Polizeipassat war auf dem Weg zum Einsatz. Am Rendsburger Thormannplatz kam es zum Zusammenstoß mit einem Golf. Dessen Fahrerin hörte kein Martinshorn. Nun wird der genaue Hergang ermittelt.

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05. Januar 2015, 19:55 Uhr

War die Polizei mit Martinshorn unterwegs oder nur mit Blaulicht? Das ist die entscheidende Frage bei einem Unfall, der sich gegen 0.20 Uhr in der Nacht vom 30. auf den 31. Dezember ereignete. Eine 49-Jährige fuhr in ihrem Golf mit einer Beifahrerin (42) Richtung Büdelsdorf, als es am Thormannplatz zur Kollision mit einem Polizei-Passat auf dem Weg zu einem Einsatz kam. „Ich hatte Grün“, erinnert sie sich. „Und plötzlich knallte es.“

Viel Verkehr herrschte zu diesem Zeitpunkt nicht, ein Martinshorn hätte man hören sollen. Die Polizeibeamten (38 und 29) waren auf dem Weg in die Reventloustraße – angeblich zu einer Messerstecherei. Um die Beteiligten nicht zu warnen, sollen sie auf das Martinshorn verzichtet haben.

Das kann Sönke Hinrichs, Pressesprecher der Polizei, nicht bestätigen. Im Bericht sei von „Sonderrechten“ die Rede – und das bedeute Blaulicht und Martinshorn. Er verweist darauf, dass es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handle, zu dem er nicht weiter Stellung nehmen kann. Er betont: „Sind die Beamten mit Sonderrechten unterwegs, bedeutet dies doppelte Sorgfaltspflicht.“ Das heißt, sie müssen in diesen Fällen besonders aufmerksam sein.

Was sich genau zugetragen hat, das wird jetzt von der Polizei geprüft, aber nicht von jener Dienststelle, bei der die Unfallbeteiligten beschäftigt sind. Der Verkehrsunfalldienst in Neumünster wird sowohl die Polizisten als auch die Golffahrerin um Stellungnahmen bitten. Dann kann die 49-Jährige zu Protokoll geben, was sie auf Facebook gepostet hat: Dass sie Grün hatte. Dass der Polizeiwagen in ihr Auto knallte – mit solcher Wucht, „dass er mindestens 70 gefahren sein muss“. In dem sozialen Netzwerk hatte die Fahrerin einen Aufruf gestartet, weil sie Zeugen dafür suchte, dass die Polizei nicht mit Martinshorn unterwegs war. Etliche haben sich gemeldet. Es können wohl mehr als fünf Zeugen bestätigen, dass das Einsatzfahrzeug ohne akustisches Signal auf die Kreuzung zufuhr. Zu der Frage, ob Unfälle zwischen Einsatzfahrzeugen – von Polizei, Feuerwehr oder Krankentransport – und Zivilfahrzeugen häufig seien, winkt das Landespolizeiamt Kiel ab. Das sei eher der Ausnahmefall.

„Ich hatte 100 000 Schutzengel mit im Auto“, schreibt die Golffahrerin. „Es hätte ja auch anders enden können. Schlimmstenfalls in einer braunen Kiste.“ Ihr alter Wagen hatte keinen Airbag, sie prallte mit dem Kopf gegen Windschutz- und Seitenscheibe. Wer ihren demolierten Wagen gesehen hat, habe erklärt, dass es ein Wunder sei, dass sie da lebend rausgekommen ist. Von leichten Verletzungen spricht der Polizeibericht. Das sind in diesem Fall Schnitte durch Splitter, eine Rippenprellung und eine Gehirnerschütterung. Ganz zu schweigen von dem psychischen Schock.

Stichwort: Sonderrechte

Paragraph 38 der Straßenverkehrsordnung besagt: Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist,

um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden,

eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten. Es ordnet an: Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen.

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