zur Navigation springen

Wohnen im Alter : Umzug zu Hertie? Nicht mit uns!

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Nachbarn der „Neuen Heimat“ wollen den Anschluss an die Seniorenwohnanlage nicht verlieren. Sie nutzen den Notruf und soziale Angebote.

von
erstellt am 04.Jul.2017 | 11:24 Uhr

Für viele Nachbarn stellt die Seniorenwohnanlage „Neue Heimat“ in Rendsburg eine wichtige Anlaufstelle dar. Die Anwohner Karola Heinze, Astrid Strelow Gyllensvår, Harald Meyer, Annelore Brosche und Gerlinde Krompholz sprechen sich daher gegen einen Umzug des städtischen Altenheims von der Schleswiger Chaussee in die Stadtmitte aus. Wie berichtet, wollen Investoren das ehemalige Hertie-Haus am zentralen Altstädter Markt zu einer Seniorenresidenz mit 80 Betten ausbauen. Sie haben die Einrichtung der Stadt zur Miete angeboten. Eine Umquartierung der „Neuen Heimat“ steht damit im Raum.

Karola Heinze ist dagegen. „Wenn die Herrschaften uns alle verlassen, sind wir auch verlassen. Ich bin hergezogen, weil ich krank bin und mich hier sicher fühle. Da kann ich klingeln, und es kommt jemand“, sagte sie bei einem Treffen mit der Landeszeitung. Karola Heinze ist eine von mehr als 120 Senioren, die in der Nachbarschaft der „Neuen Heimat“ in Anlagen des Betreuten Wohnens leben. 56 Appartements liegen am Rotenhöfer Weg 34, weitere 54 an der Straße Neue Heimat, die von der Schleswiger Chaussee abzweigt. Die Bewohner leben zwar weitgehend eigenständig, besuchen aber gerne die Sommerfeste und Weihnachtsfeiern in dem Altenheim. Außerdem bezahlen sie monatlich 87 Euro für einen Notdienst und eine soziale Betreuung. Die Notrufe laufen tagsüber im Heim, nachts bei der Pflege LebensNah auf. Susanne Reitel vom Sozialen Dienst der „Neuen Heimat“ hält den Kontakt zu den Mietern. In einem Pavillon am Ende der Straße „Neue Heimat“ bieten Ehrenamtliche ein Programm für Jedermann an. Reitel richtet darüber hinaus, exklusiv für die Mieter des Betreuten Wohnens, Kochtreffs, Bingo-Spiele, Klönschnack und bunte Nachmittage an. Sie organisiert für sie Einkaufsfahrten und Ausflüge mit einem Bus der „Neuen Heimat“. Ein Umzug des Heims hätte ihrer Ansicht nach erhebliche Folgen: „Dann gibt es keinen Tanztee, kein Schlagerfest, kein Plattdeutsch mehr. Wenn das Heim weggeht, wird uns das alles genommen.“ Rentner Harald Meyer ist sich sicher: „Dieser Pavillon würde leerstehen.“ Susanne Reitel zufolge ist der Bus nur finanzierbar, weil er sowohl für die Menschen im Heim als auch in den beiden Anlagen des Betreuten Wohnens eingesetzt werde. Zudem hätten einige der rüstigen Nachbarn Freundschaften zu Heimbewohnern und Vertrauen zu den Pflegekräften aufgebaut.

Nicht zuletzt hilft Susanne Reitel ihnen bei Problemen mit den Vermietern. Die 54 Appartements in der Neuen Heimat 1  -  8 gehören der BGP-Hausverwaltung. Bis Ende 2017 unterliegen die Mieten noch einer Sozialbindung. Jedoch kündigte die BGP im Mai für 685 andere Wohnungen in Rendsburg eine 15-prozentige Mieterhöhung an (wir berichteten). Meyer rechnet ab dem kommenden Jahr mit einer ähnlichen Steigerung auch in seiner Straße. Reitel: „Viele der Bewohner können sich gegen BGP nicht wehren. Wenn hier keine Betreuung mehr vor Ort ist, sind sie doppelt allein gelassen.“

Unabhängig vom Träger der Seniorenresidenz am Altstädter Markt liebäugelt Astrid Strelow Gyllensvår mit einem Umzug in die Einrichtung. Sie empfindet die zentrale Lage als durchaus attraktiv. Susanne Reitel zweifelt aber daran, dass sich die Mehrheit der „Neuen Heimat“-Bewohner die Innenstadtlage leisten kann. „Da müsste ein anderes Klientel reingehen. Unsere Bewohner sehe ich da nicht“, sagte die Mitarbeiterin des Sozialen Dienstes. Die Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt könnten viele gar nicht nutzen, weil sie ihre Zimmer entweder nicht mehr verlassen können oder von geringen Renten lebten. „Es geht nicht nur um den Erhalt unserer Arbeitsplätze, sondern auch um die Standorterhaltung.“

Weitere Infos: Die Unternehmer Hermann Höft, John Schaffer und Matthias Martensen haben sich zur Altstädter Markt GmbH & Co. KG zusammengeschlossen, um das Hertie-Haus zu sanieren und in den Obergeschossen eine Seniorenresidenz einzurichten. Zurzeit prüfen sie, ob sie das Heim selbst betreiben oder vermieten. Schaffer kündigte an: „Die Investition wird von uns getragen.“ Im Fall einer Vermietung würde die Altstädter Markt GmbH & Co. KG das Heim nicht nur schlüsselfertig, sondern „löffelfertig“, also vollständig eingerichtet, übergeben. Der Mieter könne bei der Auwahl der Ausstattung aber seine Vorstellungen mit einbringen.

Die Beratungen zwischen der Stadt Rendsburg und dem sozialen Träger „Brücke Rendsburg-Eckernförde“ über einen möglichen gemeinsamen Betrieb des Seniorenheims „Neue Heimat“ schreiten voran. Bürgermeister Pierre Gilgenast berichtete während der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses, dass sich die Politik auf den Beschluss des Gremiums hin mit Vertretern der „Brücke“ getroffen habe. Diese hätten ihr Angebot daraufhin überarbeitet. Ein zweiter Termin sei vereinbart, ebenso ein Gespräch mit den Neue-Heimat-Mitarbeitern. „Wir sind bemüht, sehr schnell zu arbeiten“, betonte der Bürgermeister.

Marcus Speck, Betriebsleiter der „Neuen Heimat“, lehnt einen Umzug der Einrichtung ab. Das Hertie-Haus sei mit 80 Betten zu klein. Die „Neue Heimat“ umfasst 100 Betten. Stattdessen führt Speck das Eigenkonzept des Hauses ins Feld, das auf eine Modernisierung des Heims und eine Erhöhung der Platzzahl zielt. „Es ist mit Architekten abgestimmt, zukunftsträchtig und auf den Standort an der Schleswiger Chaussee maßgeschneidert“, sagte er. Es stelle für die Stadt die günstigste Alternative dar. Die Stadt sollte das Heim nicht aus der Hand geben. „Eine kommunale Einrichtung hält im Lohngefüge die Preisklasse aufrecht.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen