Erster Elektrobus in Rendsburg : Umweltfreundlich, leise, aber noch nicht ausgereift

Vorsichtig – und dank des Elektroantriebes völlig lautlos – wird der Bus auf dem Sievers-Betriebshof vom Tieflader heruntergefahren.
Vorsichtig – und dank des Elektroantriebes völlig lautlos – wird der Bus auf dem Sievers-Betriebshof vom Tieflader heruntergefahren.

Erster Elektrobus ab heute bei T. H. Sievers testweise im Liniendienst. Die Reichweite ist allerdings noch zu gering.

shz.de von
07. Juli 2015, 12:30 Uhr

Das Fahrzeug ist topmodern. Doch seine größte technische Schwäche machte gestern eine aufwändige Form der Anlieferung erforderlich. Auf einem Tieflader traf auf dem Betriebshof der Firma „T. H. Sievers Stadtverkehr“ ein Bus des Typs „Sileo“ ein. Die Strecke vom Standort im niedersächsischen Salzgitter nach Rendsburg (300 Kilometer) hätte der Bus aus eigener Kraft nicht geschafft. Irgendwo zwischen Hamburg und Norderstedt wäre ein siebenstündiger „Tankstopp“ erforderlich geworden, um die Akkus aufzuladen. Der „Sileo“ fährt ausschließlich mit Strom – seine Batterien reichen jedoch nur für 200 Kilometer aus.

Für die „T.H. Sievers“-Geschäftsführer Hans Peter Horn und Andreas Horn ist der Bus dennoch ein Symbol für die Zukunft des öffentlichen Personen-Nahverkehrs. „Irgendwann werden wir im Stadtverkehr nur noch Elektrobusse einsetzen“, sagt Hans Peter Horn. Zumindest testweise ist der umweltfreundliche und sehr leise Bus ab heute als erstes Elektrofahrzeug dieser Art im regulären Rendsburger Linienverkehr im Einsatz. Zunächst sind drei Tage vorgesehen: Heute auf der Linie 1, morgen auf der Linie 5, und am Donnerstag wird die Linie 10 rein elektrisch befahren. Für alle Touren gilt: Der Bus kann wegen der begrenzten Kapazität seiner Akkus lediglich in einer der beiden Tagesschichten eingesetzt werden. Die Geschäftsführer entschieden sich für die Vormittagsschicht, die um 5 Uhr beginnt und um 13 Uhr am Zob endet. Anschließend muss der Bus an die Steckdose.

Und genau das ist das Problem: Ein Dieselbus mit einem Verbrauch von 40 Litern auf 100 Kilometern wird morgens betankt und hält den ganzen Tag durch, ohne ein weiteres Mal an die Zapfsäule zu müssen. 20 Busse hat T.H. Sievers im Stadtverkehr im Einsatz. Jeder spult pro Tag zwischen 200 und 350 Kilometer ab. Würde man ab sofort nur noch auf Elektrobusse setzen, bräuchte man 40 Fahrzeuge, da jeder einzelne Bus nur eine Schicht durchhalten würde und dann durch einen anderen ausgetauscht werden muss. Andreas Horn: „Das wäre unwirtschaftlich.“

Hinzu kommt der hohe Fahrzeugpreis. 450  000 Euro werden für den zwölf Meter langen Bus aufgerufen. Das ist das Doppelte dessen, was für das Diesel-Pendant bezahlt werden muss. Und während der Diesel-Motor eine Million Kilometer im harten Stadtbetrieb klaglos bewältigt, müssen beim E-Bus mindestens zweimal die teuren Akkus gewechselt werden, um ebenfalls auf diese Kilometerleistung zu kommen.

Dennoch setzt das Rendsburger Verkehrsunternehmen langfristig auf die E-Mobilität. „Wir warten auf den entscheidenden technischen Durchbruch, der die Akkuleistung massiv erhöht“, sagt Andreas Horn. Sollte das der Fall sein, werde man Busse kaufen, zumal der Gesetzgeber neue Förderprogramme in Aussicht gestellt hat. T.H.Sievers ist jedenfalls auf die Neuzeit bereits vorbereitet. Die Energie für die Elektrobusse stellt man selbst her: Auf dem Dach des Betriebsgebäudes an der Kieler Straße befindet sich bereits seit Jahren eine große Photovoltaikanlage.

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