Waldorfschule Rendsburg : Umstrittener Schulmitarbeiter will Job zurück

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Der Vorstand des Trägervereins hatte 61-Jährigen nach Nazi-Verdacht entlassen. Jetzt fordert er seinen Job zurück.

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22. Januar 2015, 05:02 Uhr

Für den Trägerverein der Freien Waldorfschule Rendsburg steht fest: Der Verwaltungsangestellte, der im September 2014 wegen mutmaßlicher Kontakte zur rechten Szene fristlos entlassen wurde (wir berichteten), kann nicht mehr an die Schule zurückkehren. Der Druck der Eltern sei zu groß. Viele würden ihre Kinder von der Schule nehmen, sollte der Mann wieder eingestellt werden, hieß es gestern von Seiten der Vorstandsmitglieder. Der Fall wurde am Mittwochmorgen vor dem Arbeitsgericht in Kiel verhandelt. Der 61-jährige Mitarbeiter hatte gegen seine Entlassung geklagt. Er sieht seine Existenz bedroht und bestand vor Gericht darauf, weiter beschäftigt zu werden.

Ungewöhnlich viele Menschen versammelten sich vor Saal 15 im Arbeitsgericht. Ungeduldig warteten knapp 20 Eltern und Lehrer auf den Beginn der Verhandlung. Sie wollten wissen, ob das Gericht der Forderung des Verwaltungsmitarbeiters nachkommt.

Im September vergangenen Jahres war herausgekommen, dass der Mann in Verbindung mit den als verfassungswidrig eingestuften Gruppen „NeuDeutschland“, „Reichsbürger“ und „Deutsches Polizeihilfswerk“ gestanden haben soll. An drei Lehrerkollegen habe er Flugblätter verteilt, in denen es unter anderem hieß, die Bundesrepublik sei kein legitimer Staat und man solle die Grenzen nicht anerkennen. Weiter wird dem Mann vorgeworfen, dem „Deutschen Polizeihilfswerk“ im März 2013 einen Klassenraum für eine Veranstaltung zur Verfügung gestellt zu haben. Der Mitarbeiter soll außerdem an einer skurrilen Krönungszeromonie teilgenommen habe. In einem Internetvideo sei er im Publikum zu erkennen. Das Video zeigt einen Mann, der sich samt Zepter und Umhang zum absolutistischen Herrscher des „Königreich Deutschlands“ krönen lässt.

Der Kläger betonte vor Gericht mehrfach, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Er könne sich nicht genau erinnern, ob es tatsächlich dieses Flugblatt mit den Thesen der Reichsbürger gewesen sein soll. „Mir ist es entfallen. Ich habe dem keine große Bedeutung beigemessen“, sagte er.

Doch es soll nicht bei der Verteilung von Flugblättern geblieben sein. Auf einer Vorstandssitzung habe er Ideen der Reichsbürger angesprochen. „Wir waren sprachlos. Es war sehr befremdlich“, sagte Yvonne Fahrig vom Vorstand.

Der Verwaltungsmitarbeiter beteuerte vor Gericht: „Ich wollte nie diese Ideen verbreiten oder jemanden überzeugen.“ Jetzt gehe es um seine Existenz. „Ich werde woanders nie wieder eine Stelle bekommen. Ich bestehe darauf, meine Stelle wieder anzutreten. Ich bin aber bereit, sie zu modifizieren“, sagte er und blickte zögernd in Richtung Vorstand. Er wolle sich um das Rechnungs- und Finanzwesen kümmern. Das könne er von zu Hause aus erledigen, bot er an. Doch darauf wollte sich der Vorstand nicht einlassen. Die Mitglieder fordern eine Auflösung des Arbeitsvertrags. Dem 61-Jährigen würden sie dann eine Abfindung zahlen. Yvonne Fahrig machte deutlich, dass eine Rückkehr keine Option sei. Von vielen Eltern wisse sie, dass sie ihr Kind von der Schule nehmen würden. Und das könnte das Ende der Waldorfschule in Rendsburg bedeuten. Da keine Einigung erzielt wurde, wird der Vorsitzende Richter Udo von Alvensleben die Verhandlung an einem anderen Tag fortsetzen.

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