Rudern : Über Posen nach Rio de Janeiro

doppelvierer4

Mit dem deutschen Doppelvierer greift Lauritz Schoof am Wochenende bei der Ruder-EM in Posen nach einer Medaille. Im kommenden Jahr will der Rendsburger seine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro verteidigen.

shz.de von
28. Mai 2015, 06:00 Uhr

Weniger ist oftmals mehr – das gilt auch für Hochleistungssportler. Nach einer Wettkampfpause im vergangenen Jahr hat Lauritz Schoof wieder Vertrauen in seine Leistungsfähigkeit und will noch einmal angreifen. „Die Zeit direkt vor und nach dem Olympiasieg 2012 war unglaublich intensiv. Irgendwann war der Akku leer und die Spannung raus“, sagt der 24-Jährige vom Rendsburger Ruderverein, der in London die Goldmedaille mit dem deutschen Doppelvierer gewann. Deshalb gönnte er sich 2014 eine Auszeit, kümmerte sich in erster Linie um sein Medizinstudium und nahm nur ganz unregelmäßig die Skulls in die Hand – mit der Folge, dass sich Körper und Kopf von den Strapazen der vorangegangenen Jahre erholen konnten und Schoof neue Lust aufs Rudern verspürte. „Die Pause tat richtig gut. Und körperlich bin ich so frisch wie schon lange nicht mehr. Die Werte sind besser als vor der Pause.“

Auf Anhieb hat sich der Rendsburger seinen Sitz im deutschen Doppelvierer zurück erkämpft. Bei den nationalen Kleinboot-Meisterschaften auf dem Brandenburger Beetzsee Ende April belegte Schoof hinter Stefan Krüger (Rostock), Altmeister Marcel Hacker (Magdeburg) sowie Philipp Wende (Dresden) Platz 4. „Ich hätte gerne eine Medaille gehabt und war schon ein wenig enttäuscht, weil es im Endlauf längst nicht so gut lief wie in den Vor- und Zwischenläufen“, gibt Schoof zwar selbstkritisch zu, dennoch überzeugte er Bundestrainer Marcus Schwarzrock, der den 24-Jährigen ob seiner guten Leistung neben Schlagmann Hans Gruhne (Potsdam), Philipp Wende und Karl Schulze (Berlin) für das größte Boot im Skullbereich nominierte. „Natürlich war ich darüber erleichtert. Das ist schließlich auch nicht ganz unwichtig im Hinblick auf Rio“, sagt Schoof, der davon träumt, im nächsten Jahr olympisches Gold mit dem Doppelvierer bei den Spielen in Rio de Janeiro (Brasilien) zu verteidigen. „Keine Frage, das ist das große Ziel. Und im vorolympischen Jahr werden die Weichen gestellt. Da wird geguckt, wer passt in welches Boot. Man muss jetzt gute Leistungen bringen und auf sich aufmerksam machen. Im olympischen Jahr selbst passiert dann gar nicht mehr so viel.“

Eine erste Duftmarke hat das Quartett um den Rendsburger bereits gesetzt. Vor zwei Wochen gewannen Schoof und Co. den Weltcup-Auftakt im slowenischen Bled, wenngleich „die ganz großen Konkurrenten wie die Briten oder die Ukrainer gefehlt haben“, wie Schoof anmerkt. „Aber für den Saisonstart war das schon ganz ordentlich.“ Bei den morgen beginnenden Europameisterschaften im polnischen Posen soll die nächste Stufe auf dem Weg nach Rio erklommen werden. Schoof: „Am besten wäre eine Medaille. Dann hätten wir gute Argumente für eine WM-Nominierung. Und wer bei der Weltmeisterschaft (vom 30. August bis 6. September im französischen Aiguebelette, d. Red.) dabei ist, der hat auch gute Chancen, in Rio im Boot zu sitzen. Vorausgesetzt natürlich, man bringt weiterhin konstant gute Leistungen. Ich bin da ganz zuversichtlich. Aber soweit will ich eigentlich noch gar nicht denken. Der Fokus liegt jetzt erst einmal auf Posen.“

Die Vorbereitung auf die EM verlief indes nicht ganz störungsfrei. Am vergangenen Wochenende wollte sich das deutsche Quartett in einem Trainingslager in Ratzeburg den letzten Feinschliff für die kontinentalen Titelkämpfe holen. Doch Philipp Wende musste aufgrund einer Sehnenscheidenentzündung seinen Platz an Ersatzmann Patrick Leineweber (Celle) abtreten. Statt der Nummer 3 der Kleinboot-Meisterschaften sitzt nun voraussichtlich die Nummer 9 mit im deutschen Boot. Schoof: „Philipp ist einer der physisch stärksten Ruderer. Damit geht uns schon ein Stück Qualität verloren.“ Zudem müssen die drei verbliebenen Athleten ihren Rhythmus auf Leineweber umstellen. Die ersten Einheiten auf dem Ratzeburger See verliefen laut Schoof „ganz ordentlich. Aber wir haben noch Luft nach oben. Und wir werden uns steigern.“ Trotz der Umbesetzung hält er an seinem Ziel fest: „Wir wollen in Posen auch mit Patrick aufs Siegertreppchen.“ Mit weniger gibt sich Schoof nicht zufrieden.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert