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Rodenbek bei Kiel : Über 20 tote Schafe: Spuren weisen auf Wolf hin

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Die Schafe wurden durch einen Kehlbiss getötet. Landwirtschaftsminister spricht von einer bislang nicht gekannten Dimension.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2015 | 13:48 Uhr

Rodenbek | Auf einer Weide in Rodenbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde), wenige Kilometer südwestlich von Kiel, hat möglicherweise ein Wolf am Dienstag mehrere Schafe gerissen. Zuerst war von acht toten Schafen die Rede, mittlerweile sollen es 20 sein. Sechs Schafe und vier Lämmer waren sofort tot. 14 weitere Schafe und vier Lämmer wurden so schwer durch Bisse verletzt, dass sie eingeschläfert werden mussten. Zudem wurde heute Morgen ein weiteres Lamm entdeckt, so dass von einem erneut nächtlichen Angriff auszugehen ist.

Vielen Tieren war die Kehle durchgebissen und der Bauchraum aufgerissen. Für den Schäfer sind dies eindeutige Indizien für einen Wolfsangriff.

Der CDU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Agrarausschusses, Hauke Göttsch (CDU) sowie ein Wolfsberater waren von dem Schäfer zu Hilfe gerufen worden. Ob tatsächlich ein Wolf die Tiere am helllichten Tag gerissen hat, ist noch unklar. „Es kann auch ein wildernder Hund gewesen sein“, sagte Göttsch.

Auch Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) meldete sich zu Wort: „Wir wissen noch nicht, ob es ein Hund oder ein Wolf war. Aber die Schäden haben eine in Schleswig-Holstein bislang nicht gekannte Dimension. Tierhalter sollten ihre Schafe und Lämmer in jedem Fall gut schützen, und als Land tun wir unser Möglichstes, sie dabei zu unterstützen.“ In mehr als zwei Drittel der Fälle von Schafsrissen seien bislang Hunde als Verursacher nachgewiesen worden.

Es wurden Abstriche von den getöteten Tieren genommen, um mit Hilfe von genetischen Untersuchungen zu klären, ob ein Wolf oder ein Hund angegriffen hat. Die Gen-Proben wurden zum Senckenberg-Institut nach Gelnhausen geschickt. Mit Ergebnissen ist frühestens in zwei Wochen zu rechnen.

Diese Lämmer überlebten den Angriff.
Diese Lämmer überlebten den Angriff. Foto: Daniel Friederichs
 

Die toten Tiere hätten auf der großen hügeligen Koppel verstreut in Senken gelegen. „Das sieht schon merkwürdig aus“, sagte Göttsch, der selbst Jäger ist. Der Wolfsberater habe ein totes Tier mitgenommen, das nun genau untersucht werden soll. Etliche Lämmer müssten wegen des Schocks und des Verlustes ihrer Mutterschafe noch eingeschläfert werden, vermutete Göttsch.

Der betroffene Tierhalter bekommt noch heute leihweise mit Unterstützung des Ministeriums und des Wolfsinfozentrum im Wildpark Eekholt ein Herdenschutzpaket mit Elektrozäunen kostenfrei zur Verfügung gestellt, damit seine Tiere geschützt sind. Zudem wird er für den Verlust der Schafe und Lämmer eine Entschädigung erhalten, wenn nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden kann, dass ein Wolf die Schäden verursacht hat. Andere Schafhalter in der Region können ebenfalls über das Wolfsinfozentrum ein entsprechendes Notfallpaket vorübergehend ausleihen.

Das Land Schleswig-Holstein zahlt Entschädigungen an Tierhalter, wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass ein Wolf die Nutztiere, insbesondere Schafe, gerissen hat. Dabei wird der tatsächlich entgangene Gewinn ausgeglichen. So können in einem angemessenen Rahmen auch Verluste ausgeglichen werden, wenn durch das Eindringen eines Wolfes Schafe verlammen – also ihre ungeborenen Lämmer verlieren.

Wölfe werden immer häufiger in Schleswig-Holstein nachgewiesen. Auf einer Karte zeigt shz.de, wo sich die Experten bereits sicher sind:

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