Rendsburg : Tunnelsanierung: 50.000 Euro Schaden pro Tag

Stau vor dem Kanaltunnel in Richtung Süden.
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Stau vor dem Kanaltunnel in Richtung Süden.

Umfrage des Unternehmensverbandes Mittelholstein. Die Wirtschaft fordert einen belastbaren Zeitplan.

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30. Juni 2014, 11:58 Uhr

Kosten für die Fahrer und der Mehrverbrauch von Diesel durch die Staus schlagen zu Buche, aber auch abgesagte Seminare oder extra Auslieferungslager: „Die Kanaltunnel-Sanierung kostet die Rendsburger Wirtschaft täglich 50.000 Euro“. Das sind eine Viertel Million Euro pro Woche und aufs Jahr gerechnet 12 Millionen. Die Zahlen sind das Ergebnis einer Umfrage unter rund 300 Betrieben im Wirtschaftsraum Rendsburg, in Auftrag gegeben vom Unternehmensverband Mittelholstein (UVM) und gestern veröffentlicht.

„Die Unternehmen haben genau gerechnet“, erklärt UVM-Geschäftsführer Michael Thomas Fröhlich. Die Wochenenden wurden nicht berücksichtigt. „Dennoch dürfte der tatsächliche Schaden noch höher liegen“, vermutet Fröhlich, weil lediglich die UVM-Mitglieder befragt wurden.

Die erfassten Kosten beziehen sich im Wesentlichen auf Mehrbelastungen der Firmen durch Personalkosten von Fahrern sowie gestiegene Unterhaltskosten für den Lkw-Verkehr, erklärt der Unternehmensverband. Mehrkosten verursachten aber auch extra Abholzentren auf der jeweils anderen Kanalseite, wie sie zum Beispiel Vollbrecht und Pohl schon sehr frühzeitig einrichteten, um Kunden entstehende Stauzeiten zu ersparen. Einbezogen in die Schadensaufstellung wurden auch ausgefallene Veranstaltungen. Im Nordkolleg beispielsweise mussten mehrere Seminare abgesagt werden (die Landeszeitung berichtete). Andere Veranstaltungen litten unter Teilnehmer-Mangel, weil Besucher die Anreise in eine von Staus geplagte Region scheuten.

Doch Umsatzverluste – wie jener in Millionen-Höhe in der Imland-Klinik – oder Kundenrückgang sowie Stauzeiten der Mitarbeiter und deren Benzinmehrverbrauch wurden nicht eingerechnet. Ebenfalls nicht beziffern lässt sich der Image-Schaden, der dazu geführt hat, dass sich Unternehmen nicht in der Region angesiedelt haben, so Fröhlich.

Denn der Zeitplan für die Grundinstandsetzung des Straßentunnels hat sich mehrfach verschoben. Mal war starker Frost der Grund, ein anderes Mal traten unvorhergesehene Schäden auf. So war im Juli 2013 die Rede davon, dass mit einer Fertigstellung nicht vor Ende des Jahres 2015 zu rechnen sei. Die Situation wurde verschärft durch die Teilsperrung der Rader Hochbrücke. Oder kürzlich durch die Sonderaktion der Reparaturarbeiten an einem Brückenpfeiler, die zu einer Ausnahmesituation in Osterrönfeld führte. „So etwas darf nicht mehr passieren“, erklärt UVM-Geschäftsführer Fröhlich.

„Vor diesem Hintergrund fordere ich die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes eindringlich auf, endlich einen belastbaren Zeitplan vorzulegen, der auch ein Enddatum der Maßnahme umfasst“, sagt Jens van der Walle, Vorsitzender des Unternehmensverbandes. Er spreche ausdrücklich keine Behördenschelte aus, so van der Walle. „Ich weiß um Vorschriftenänderungen mit bauzeitlichen Auswirkungen.“ Doch das alles ändere nichts daran, „dass mit Hochdruck an der Beendigung der Maßnahme gearbeitet werden muss, um weiteren Schaden für die Region abzuwenden.“

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