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Nord-Ostsee-Kanal : Tunnelplaner entschuldigt sich

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Diskussion im Rondo: Ein Baustellen-Koordinator der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung erklärt, warum unter dem Kanal häufig nicht im Zwei-Schicht-Betrieb gearbeitet werden kann.

Lange Staus vor dem Kanaltunnel, Einschränkungen bei der Fahrt über die Rader Brücke, Sperrungen – Autofahrer sind genervt, die Wirtschaft leidet. Warum ziehen sich die Arbeiten am Rendsburger Tunnel so lange hin, wann herrscht wieder freie Fahrt? Diesen Fragen stellte sich Sönke Meesenburg, verantwortlicher Projektleiter für den Kanaltunnel bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV), bei einer Podiumsdiskussion am Sonnabend im Einkaufszentrum Rondo. Eingeladen hatten die Wirtschaftsjunioren im Rahmen einer Wirtschaftsschau, LZ-Redaktionsleiter Dirk Jennert moderierte.

Eine Jahreszahl könne er nicht nennen, betonte Meesenburg, aber er entschuldigte sich für die Verzögerungen. „Ich bedauere die missliche Situation.“ Im ursprünglichen Bauvertrag sei ein Zwei-Schicht-Betrieb an sechs Tagen in der Woche festgelegt worden. Dieser könne aber häufig nicht umgesetzt werden, weil aufgrund der festgestellten Schäden immer neue Planungen in den Vertrag eingearbeitet werden müssten. Nur drei Ingenieure und Planer stünden ihm für das Tunnelprojekt zur Verfügung. Weil die nachträgliche Planung sehr aufwändig und teils noch nicht fertig gestellt sei, könne die Baufirma nicht im Zwei-Schicht-Betrieb arbeiten.

Das Nahziel sei jetzt die Fertigstellung der Oströhre, machte Meesenburg deutlich. „Bei der Weströhre geht es dann schneller.“

Die Verkehrssituation im Raum Rendsburg sei teils bedrohlich für die Wirtschaft, sagte der IHK-Vizepräsident Georg Schäfer. „Die Planbarkeit von Terminen ist das Problem.“ Die Unternehmen müssten „große Klimmzüge“ machen. Schäfer forderte einen „klaren Zeithorizont“, damit sich die Firmen darauf einstellen könnten.

Pascal Ledune, Chef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, betonte, dass der Wirtschaftsraum Rendsburg grundsätzlich eine verkehrsgünstige Lage habe. „Die Verkehrsanbindung ist top, der Zustand schlecht.“ Mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel sieht er die Gefahr, dass Mitarbeiter sich andere Arbeitsregionen suchen. „Wer jede Woche zwei Stunden im Stau verbringt, geht vielleicht weg.“ Den Unternehmen riet er, bei der Festlegung des Arbeitsbeginns flexibel zu sein, um die Hauptverkehrs- und Stauzeiten zu umgehen.

„Wir sind von den Staus und Sperrungen stark betroffen“, sagte Martin Wilde, Geschäftsführer der Imland-Klinik mit 2000 Beschäftigten und 80 000 Patienten im Jahr. Wegen der Verkehrsprobleme sei die Auslastung der Klinik gesunken. Man lebe in diesem Jahr von der Substanz. Entlassungen seien aber nicht geplant. „Wir wollen nicht an den Mitarbeitern sparen, sondern andere Erlöse generieren“, betonte Wilde.

Für Carsten Ehlers, Wirtschaftsvorstand der Getreide AG mit mehr als 50 Standorten in Nord- und Ostdeutschland, ist die Verkehrslage nirgendwo so problematisch wie im Raum Rendsburg. „Da werden falsche Prioritäten in der Politik gesetzt.“ In Berlin und Bayern werde Schleswig-Holstein zu wenig beachtet. Die Verkehrsprobleme hätten seinem Unternehmen in der Erntezeit des vergangenen Jahres sechsstellige Kosten verursacht, machte Ehlers deutlich.

Weniger problematisch ist die Situation für die Firma Max Bögl, die am Schwerlasthafen in Osterrönfeld Betonsegmente für Windkrafttürme produziert. „Fünf Türme in der Woche. Vier gehen per Schiff weg, einer per Lkw“, erklärte der Projektmanager Karsten Penner. Auch Pascal Ledune sprach sich dafür aus, mehr Güter über das Wasser zu transportieren, um die Straßen zu entlasten. „Im Kreishafen brummt es. Ein Rekordjahr, da ist noch mehr möglich.“

Wie der Ersatz für die Rader Hochbrücke aussehen könnte, die laut Gutachten nur noch zwölf Jahre hält, darüber herrschte bei Ledune und Schäfer Einigkeit. Nur eine neue Querung für den Fahrzeugverkehr sei in dieser Zeitspanne umsetzbar. Für einen Kombitunnel oder eine Brücke für Schiene und Straße sei die Planungszeit viel zu kurz. „Das Land muss mehr Personal und Ingenieurleistungen für eine neue Brücke stellen“, forderte Ledune. „Wir wollen da eine klare Botschaft.“

Die gab es von Sönke Meesenburg zum Thema Kanaltunnel auch nach der Podiumsdiskussion nicht. Allerdings zeigte er sich gegenüber der Landeszeitung überzeugt, dass die Arbeiten an der Weströhre zügiger als an der Oströhre vonstatten gehen. Und dann kam doch noch eine Zeitangabe für die Fertigstellung: „Zwischen einem und drei Jahren.“

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