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Behindertebeauftragter der Stadt Rendsburg : Tunnel-Fluchtweg nicht barrierefrei

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Behindertenbeauftragter der Stadt übt Kritik am Wasser- und Schifffahrtsamt. Bordsteinkante vor den Fluchttüren zu hoch für Rollstuhlfahrer

Bei der Sanierung des Rendsburger Kanaltunnels wird neben den beiden Röhren für den Autoverkehr auch der Flucht- und Rettungstunnel dazwischen ausgebaut. Doch Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Menschen können diesen nicht erreichen, kritisiert Axel Hennecke, Behindertenbeauftragter der Stadt. Der Grund: Die Bordsteinkante vor den Fluchttüren sei zu hoch und könne so nicht überwunden werden. Bei einem Fahrzeugbrand im Tunnel könne der nicht erreichbare Fluchtweg für behinderte Menschen tödliche Folgen haben, macht Hennecke deutlich. „Drei Minuten – dann ist Schicht bei Rauchgas“, weiß er aus seiner früheren Tätigkeit im Rettungsdienst. Da helfe es auch nicht, dass der Tunnel rund um die Uhr per Video überwacht wird und so eine schnelle Alarmierung der Rettungskräfte garantiert sein soll. Das Freihalten der Rettungsgasse funktioniere nicht und somit sei ein schnelles Erreichen der Unfallstelle für Feuerwehr und Notarzt kaum möglich, stellt Hennecke fest.

Einen umfangreichen Schriftwechsel hat Hennecke mit den zuständigen Behörden geführt – bisher ohne Erfolg. Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) weist darauf hin, dass neue Fluchtschleusen mit einem Meter breiten Türöffnungen eingebaut werden. Auch die Türen zu den Notrufnischen würden verbreitert. „Dadurch werden die Möglichkeiten zur Selbstrettung bei einer gefährlichen Situation im Tunnel für alle Nutzer verbessert“, schrieb Fank Bullerkist vom WSA an Hennecke. Abgesenkte Zugänge zu den Fluchtschleusen und Notrufkabinen, die insbesondere gehbehinderten Menschen entgegen kämen, könnte aufgrund der bestehenden Bauwerksgeometrie nicht realisiert werden, heißt es in dem Schreiben weiter.

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen schrieb an Hennecke, dass der „geforderten Herstellung von Barrierefreiheit leider Grenzen gesetzt sind“. Bei älteren Bauwerken würden häufig bauliche Gegebenheiten hohe Kosten verursachen, wenn man sie barrierefrei umgestalten wollte. „Wenn der Bund Geld in die Hand nehmen soll, ist es mit der Inklusion zu Ende“, stellt Hennecke fest. „Es ist der Frust, der aus mir spricht.“ Absenkbare Gittersteine statt der hohen Bordsteine fordert der Behindertenbeauftragte, um Menschen mit Mobilitätseinschränkungen den lebensrettenden Fluchtweg zu ermöglichen. „Beim Bau des Tunnels galten andere Standards“, räumt Hennecke ein. „Aber es muss doch machbar sein, jetzt Verbesserungen einzubauen.“

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