Abschied : Tschüss, Herr Kreispräsident

Der Kreispräsident räumt auf: Lutz Clefsen trennt sich von Briefen, Broschüren und Vorlagen. „Da ist in 15 Jahren einiges zusammengekommen“, sagt er. Seiner – voraussichtlichen – Nachfolgerin Juliane Rumpf will er ein besenreines Amtszimmer hinterlassen.
Der Kreispräsident räumt auf: Lutz Clefsen trennt sich von Briefen, Broschüren und Vorlagen. „Da ist in 15 Jahren einiges zusammengekommen“, sagt er. Seiner – voraussichtlichen – Nachfolgerin Juliane Rumpf will er ein besenreines Amtszimmer hinterlassen.

Nach 15 Jahren scheidet Lutz Clefsen am kommenden Montag auf der konstituierenden Sitzung des Kreistages aus dem Amt.

shz.de von
17. Juni 2018, 10:43 Uhr

Rendsburg | Er hat’s gern gemacht. Sehr gern sogar. „Aber mit 73 muss man ein solches Amt nicht mehr ausüben, es ist Zeit für Jüngere“, sagt Kreispräsident Lutz Clefsen. In seinem Büro im Kreishaus steht seit Tagen ein Blechcontainer auf Rädern – für Papiere und Vorlagen, die seine Schränke füllten. „Einige der Unterlagen habe ich seit zehn Jahren nicht mehr in die Hand genommen.“ Gebraucht werden sie nicht mehr. Jetzt sind sie vor allem eines: Vorboten des nahenden Abschieds. Alles soll raus. Clefsen will ein besenreines Amtszimmer hinterlassen.

Am kommenden Montag – kurz nach 16 Uhr – endet seine Amtszeit als höchster Repräsentant des Kreises Rendsburg-Eckernförde. Es ist der Schlusspunkt einer 15-jährigen Tätigkeit. Letzte Amtshandlung wird die Eröffnung der konstituierenden Sitzung des neuen Kreistages sein. Clefsen begrüßt die 62 Abgeordneten. Dann will er ein paar Worte in eigener Sache sagen, bevor er die Sitzungsleitung an Alterspräsident Manfred Christiansen (CDU) abgibt. Dieser hat die Hauptaufgabe, die Clefsen-Nachfolge zu regeln. Das Vorschlagsrecht liegt bei der CDU, der stärksten Fraktion. Sie hat Juliane Rumpf nominiert. Ihre Wahl gilt als gesetzt.

Clefsen wird die Wahl von den Zuschauerreihen aus verfolgen – eine Premiere für den Politiker, der vor 32 Jahren Mitglied des Kreistages wurde. Ungewohnt, doch nicht unangenehm. Im Gegenteil. „Ich bin immer gern mit Bürgern ins Gespräch gekommen.“ Und diesen Kontakt zu suchen, hat er als eine seiner Hauptaufgaben angesehen. Die erste Hälfte seiner Zeit als Kreispräsident war der Volljurist im Innenministerium beschäftigt. Seit der Pensionierung vor acht Jahren widmet er sich voll und ganz der ehrenamtlichen Tätigkeit. 50 bis 60 Stunden seien da pro Woche zusammengekommen, sagt Clefsen. Seine Frau Barbara habe ihn immer unterstützt. Nur wenige Male hat sie gefragt: „Muss dieser Termin denn jetzt auch noch sein?“

Wie voll der Terminkalender eines Kreispräsidenten ist, bestimmt der Amtsinhaber selbst. Clefsen war fast täglich auf Achse. „Ich kenne jeden Winkel unseres Kreises“, sagt er. Vereine und Verbände luden ihn als Ehrengast ein. Und er ist gern hingefahren. „Wissen Sie“, sagt Clefsen, „das sind ja zum größten Teil ehrenamtlich tätige Menschen, die man da trifft. Was wäre der ländliche Raum ohne diese Ehrenamtlichen?“ Dieses Engagement habe er gern gewürdigt. Dafür ist er 35 000 Kilometer im Jahr unterwegs gewesen. Doch während seine Amtskollegen in einer Luxuskarosse mit Fahrer durch die Lande kutschiert werden, war Clefsen fast immer im eigenen Mittelklasse-Auto unterwegs. Aus Sparsamkeit. „Den Dienstwagen mit Fahrer haben wir im Zuge der Haushaltskonsolidierung abgeschafft.“

Politik – sie hat für den Kreispräsidenten trotz aller repräsentativen Pflichten immer eine große Rolle spielt. Dass er sein Amt politisch neutral auszuüben hatte, war für ihn eine Selbstverständlichkeit. Clefsen hat sich als Moderator verstanden. „Am Ende geht es für uns alle doch darum, das Beste für die Bürger zu erreichen.“ Auch in der Kreispolitik werde gestritten, aber am Ende finde man eine Lösung, die meist von einer sehr großen Mehrheit getragen werde, „denn die Arbeit im Kreistag ist von gegenseitigem Vertrauen geprägt“. Clefsen ist stolz darauf, dass der Kreis Rendsburg-Eckernförde heute finanziell hervorragend dasteht und betont: „Das ist das Werk aller.“

Was plant er für die Zeit danach? Die Familie wird mehr von ihm haben. Clefsen, Vater von zwei Töchtern und einem Sohn, hat fünf Enkel. Reisen mit seiner Frau möchte er auch, am liebsten in Regionen Deutschlands, die beide noch nicht so gut kennen, zum Beispiel die Mecklenburger Ostseeküste. Auch das Havelland, mit dem der Kreis seit 2010 eine Partnerschaft unterhält, wird er noch häufig besuchen. „Da sind viele schöne Kontakte entstanden.“ Und seinem politischen Weggefährten Hans Kaack hat er zugesichert, ihn als Bürgermeister von Brammer offiziell zu verabschieden. „Da bin ich zwar nicht mehr Kreispräsident, aber versprochen ist versprochen.“ So ganz leicht fällt Lutz Clefsen der Abschied eben doch nicht.

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