Trotz Vogelschutz: Grünlandbauern unter Druck

Heinrich Mommens (links) und Jürgen Janeczek verweisen beispielhaft auf die zweite Biogasanlage in Drage. Foto: knäpper
Heinrich Mommens (links) und Jürgen Janeczek verweisen beispielhaft auf die zweite Biogasanlage in Drage. Foto: knäpper

Stapelholmer Bürgerinitiative gegen "Vermaisung der Landschaft" überreicht Liste mit über 500 Unterschriften an Landwirtschaftsministerin

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21. Oktober 2011, 08:09 Uhr

Meggerdorf/schwabstedt | Auf dem Bauernmarkt in Schwabstedt hatte auch eine Bürgerinitiative einen Stand, der dicht umlagert war. Besorgte Bürger aus dem Raum Stapelholm informierten dort über eine Entwicklung in der Landwirtschaft, die über 500 Besucher dazu brachte, ihre Unterschrift unter zwei Forderungen zu setzen: Gegen die "Ver-Maisung" der Landschaft und für eine Änderung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) "Der Andrang war so groß, wir sind organisatorisch kaum hinterher gekommen", stellte Heinrich Mommens aus Schwabstedt fest. Die Unterzeichner seien nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern auch aus Hamburg oder Berlin angereist.

Am Montag werden Mommens, die Ehepaare Janeczek und Framke aus Drage und Renate Rahn aus Meggerdorf als Vertreter der Bürgerinitiative ins Landwirtschaftsministerium nach Kiel fahren und Ministerin Juliane Rumpf die Unterschriften-Liste überreichen.

"Die Eider-Treene-Sorge-Niederung ist in weiten Teilen Natur- und Vogelschutzgebiet, und trotzdem schreitet die Vermaisung kontinuierlich fort", klagt Jürgen Janeczek. "Erst in diesem Jahr sind hier nebenan wieder gute acht Hektar Grünland umgebrochen worden." Das sind Entwicklungen, die auch Renate Rahn Sorgen bereiten. Die Bäuerin und Vorsitzende von "Kuno" (Kulturlandschaft nachhaltig organisieren) aus Meggerdorf kümmert sich seit Jahren um ein Miteinander von Landwirten und Naturschützern beim Wiesenvogelschutz. "Es ist ein komplexes Netz von gegenseitigen Abhängigkeiten, das sich im Laufe der letzten Jahre entwickelt hat", erläuterte sie. Die Ackerbauern benötigen große Maisanbauflächen für den Betrieb der Biogasanlagen. Dank der garantierten Einspeisungsvergütung sind sie auch in der Lage, entsprechende Pachten zu zahlen. Die Grünlandbauern sorgten für den Erhalten der für den Vogel- und Naturschutz nötigen Wiesen durch ihre Milchviehhaltung, könnten aber bei den um über 50 Prozent gestiegenen Preisen für Futtermais nicht mehr mithalten. Beide Gruppen sein mittlerweile so weit, den benötigten Mais schon aus Dänemark zu holen. Der Erhalt der Grünlandflächen sei aber von besonderem Interesse, betonte Renate Rahn. Denn damit würden nicht nur die Artenvielfalt und ein typisches Landschaftsbild erhalten wird, sondern für die politische Seite naturschutzrechtliche Verpflichtungen gegenüber der EU erfüllt werden. "Und die Eider-Treene-Sorge-Region ist die einzige Gegend in Europa, wo der Bestand an Wiesenvögeln konstant gehalten werden konnte", sagt die Meggerdorfer Bäuerin und verweist mit Stolz auf das erfolgreiche Miteinander von Landwirtschaft und Naturschutz durch "Kuno".

Die Bürgerinitiative fordert schnelle Änderungen der Rahmenbedingungen für die Energier-Produktion aus nachwachsenen Rohstoffen, um wieder Chancengleichheit für alle Beteiligten zu gewährleisten.

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