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Ernte in der Region : Trotz Lähmung auf dem Maishäcksler

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Hamdorfer Lohnunternehmer-Paar hat eine Landmaschine für einen schwerbehinderten Mitarbeiter umgebaut.

Vom Rollstuhl in einen mehr als 650 PS starken Maishäcksler – für Ralf Schimmer (44) ist das derzeit Alltag. Der Tetenhusener ist querschnittsgelähmt, von der Hüfte abwärts kann er sich nicht bewegen. Dennoch ist er auf den Maisfeldern in und um Hamdorf im Ernte-Einsatz. Möglich gemacht hat das der Lohnunternehmer Lorenz Frahm, der kurzerhand eine seiner großen Erntemaschinen umbaute. Jetzt probieren beide aus, ob der schwerbehinderte Häcksler-Fahrer dauerhaft und in einem festen Beschäftigungsverhältnis in dem Unternehmen arbeiten kann.

Ralf Schimmer ist gleich anzusehen, was Lorenz Frahm so an ihm schätzt: „Er gibt nicht auf, sondern ist hochmotiviert“, so Frahm. Ralf Schimmer sitzt in der Steuerkanzel hoch über dem breiten Schneidwerk, das gleich zehn Reihen Mais auf einmal erfasst. Konzentriert steuert er den Ernte-Koloss, keine Pflanze bleibt vor ihm auf dem Feld stehen. „Ich hatte keine Zweifel, dass wir es schaffen“, sagt er über das ungewöhnlichen Vorhaben, das in ihm und Lorenz Frahm vor einigen Monaten reifte. „Ich denke eben positiv“, sagt Schimmer.

Dabei zerstörte ein Arbeitsunfall vor zwei Jahren die bisherigen Lebenspläne des zweifachen Familienvaters. 2012 fiel er von einem Baum. Seitdem ist er querschnittsgelähmt, weil die Nerven im Rückenmark bei dem Sturz gequetscht wurden. Bis dahin fuhr der gelernte Kraftfahrzeugmechaniker bereits seit rund zehn Jahren Erntemaschinen bei einem Lohnunternehmen in der Nähe Eckernfördes – eine befreundete Firma Lorenz Frahms. So kam der Kontakt zu Ralf Schimmer zustande.

Einerseits wollte er Schimmer helfen, andererseits habe er auch einen guten Fahrer für die Ernte gebraucht, begründet Frahm sein Engagement. „Er hat eine lange Praxiserfahrung. Ein Fahrer muss seinen Häcksler ‚verstehen‘: Schäden kündigen sich lange vorher durch ungewöhnliche Geräusche und Vibrationen an.“ Dafür sei Schimmer der richtige Mann. Er beherrsche auch den richtigen Anschnitt und die Koordination, mit dem Futterstrahl immer den Anhänger zu treffen, der neben dem Häcksler von einem Trecker gezogen wird.

Bei Ralf Schimmer stieß Frahm auf offene Ohren, es mit ihm zu versuchen. Doch dafür musste eine Landmaschine behindertengerecht umgebaut werden. Gemeinsam gingen sie das Vorhaben im August an. „Die Hauptaufgabe war, dass Ralf sicher in die 2,50 Meter hohe Kabine gelangt“, so Lorenz Frahm. Er und seine Mitarbeiter schweißten und schraubten, und nach einigen Fehlversuchen hatten sie vor Erntebeginn eine kleine Plattform an die Leiter des Häckslers montiert, die über zwei Schienen mittels eines Elektromotors hoch- und heruntergefahren werden kann. Ralf Schimmer kann sich eigenständig aus dem Rollstuhl heraus darauf setzen. Oben kann er sich allein auf den Fahrersitz bewegen. In der Kabine mussten jedoch noch einige Elemente geändert werden, denn Ralf Schimmer kann keine Pedale bedienen. Mit Hilfe des Herstellers lösten die Frahms auch dieses Problem. Die Bremse bedient Ralf Schimmer nun über einen Schalter. Alles andere ging bereits vorher per Steuerhebel. „Die Vorgabe war, dass er das Fahrzeug allein bedienen kann“, so Lorenz Frahm. Alle Umbauten hat der Tüv überprüft und Ralf Schimmer musste sogar eine halbstündige Testfahrt mit dem Prüfer unternehmen. Ergebnis: Bestanden. „Wenn wir etwas wollen, geht es schnell“, sagt Michaela Frahm dazu. Sie betreibt mit ihrem Mann das Lohnunternehmen. Die Firma hat mehrere tausend Euro für den Umbau investiert. Auch nicht behinderte Mitarbeiter können den Häcksler jedoch noch bedienen.

Nach rund zwei Wochen Maisernte sagt Lorenz Frahm: „Der Testbetrieb ist erfolgreich abgeschlossen. Jetzt überlegen wir, wie wir Ralf in den Betrieb einbinden können.“ Genug zu tun gebe es, die Saison beginne bereits im Mai mit dem ersten Grasschnitt. Auch Ralf Schimmer ist aufgeschlossen. So einsatzfähig wie vor seinem Unfall sei er zwar längst nicht. Jedoch: „Mit gefällt die Arbeit gut. Es ist zwar etwas komplizierter, aber alles ist möglich“, sagt er voller Zuversicht.

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erstellt am 08.Okt.2014 | 06:00 Uhr

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