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Landeszeitung

21. Oktober 2017 | 09:06 Uhr

Nortorf : Trotz Demenz eine eigene Wohnung

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kranke leben im „Hippo-Haus“ gemeinschaftlich beieinander und werden in herzlicher Atmosphäre von ehrenamtlichen Helfern betreut.

von
erstellt am 17.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Auf den zahlreichen Sesseln und Sofas im großen gemeinschaftlichen Wohnraum haben es sich die Bewohner gemütlich gemacht. Am Klavier nimmt Anneliese Todt Platz und stimmt die ersten Töne des plattdeutschen Liedes an. Ohne in das vorhandene Gesangbuch zu schauen, stimmen die Bewohner sofort mit ein.

Todt ist nur eine von insgesamt sieben Personen, die sich ehrenamtlich in der Wohngemeinschaft für Demenzkranke im ehemaligen „Hippo-Haus“ in Nortorf engagieren.

„Ich singe so gerne. Das habe ich schon als Kind so gern getan“, schwärmt Bewohnerin Gerda Meurer, und Anneliese Todt gibt ihr Mut: „Du wirst auch immer besser!“ Die ehemalige Lehrerin ist in zwei Chören tätig. „Ich musiziere sehr viel, spiele Akkordeon, Gitarre und eben Klavier.“ Sich ehrenamtlich einzusetzen sei für sie selbstverständlich. „Man bekommt ja auch so viel von den Bewohnern zurück“, betont Todt.

„Das ist ein echtes Traumehepaar. So etwas wünscht sich jeder“, sagt die Ehrenamtlerin Monika Pöhls über Helmut und Gunild Rohwer. „Die geben sich beide so viel Mühe.“ Jeden Tag, manchmal auch nur jeden zweiten, gesteht Helmut Rohwer, fährt der Fockbeker die 60 Kilometer hin und zurück zu seiner an Demenz erkrankten Frau nach Nortorf. „Bei jedem Wind und Wetter“, berichtet der 77-Jährige. Im April seien sie 55 Jahre verheiratet. „Da ist es auch nicht einfach für mich, wenn ich abends wieder nach Hause fahre und meine Frau nicht bei mir ist“, erklärt Helmut Rohwer.

Die Atmosphäre in der Wohngemeinschaft bezeichnet der Rentner als „einmalig.“ „Das kann man gar nicht in Worte fassen.“ Zuvor sei seine Frau in einer größeren Einrichtung untergekommen, „aber das hier ist mit nichts zu vergleichen. Das Personal nimmt die Bewohner zur Begrüßung in den Arm, hier wird gelacht, gesungen und so viel Freundlichkeit versprüht.“ Aber auch die Ehrenamtlichen und die Lage mitten im Stadtzentrum seien für Rohwer Gründe gewesen, seine Frau nach Nortorf zu bringen.

Als Bindeglied zwischen den Verwandten der Bewohner und der Wohngemeinschaft wurde jüngst Hartmut Wieck-Simon gewählt, dessen Mutter ebenfalls im Hippo-Haus lebt. „Was die Ehrenamtlichen hier leisten, ist wirklich grandios“, betont der Nortorfer.

Fast täglich ist Elke Storm in der Wohngemeinschaft zu Besuch. „Wenn ich gebraucht werde, bin ich eben hier“, sagt die bescheidene Nortorferin, „und ich bin liebend gern hier.“ Als ihr Mann 2012 an den Folgekrankheiten seiner Demenzerkrankung starb, habe sie sich das Ziel gesetzt, sich ehrenamtlich um die erkrankten Menschen zu kümmern.

Seit der Eröffnung der Wohngemeinschaft 2013 ist Elke Storm nun schon dabei. „Die Arbeit hier ist mein Ein und Alles. Das hat mir sehr über die schwere Zeit hinweggeholfen.“ Es sei nicht nur ein Geben, „man bekommt hier auch unendlich viel wieder zurück. Es freut mich immer wieder zu sehen, wie man bei den Bewohnern ankommt. Deshalb gehe ich auch immer zufrieden und mit einem Lächeln nach Hause“, beschreibt die Nortorferin ihren Einsatz. „Ich hoffe, dass ich das noch ganz lange machen kann. Ich werde ja schließlich auch schon 80.“ „Ach, du wirst bestimmt 100!“, betont Bewohnerin Rita Becker. „Wir lachen hier doch immer so viel miteinander.“

 


 

 

 

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