Ernteausfall : Trockenheit stresst den Mais

In den Kolben steckt der Ertrag – aber meist werden nur kleine oder gar keine ausgebildet.
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In den Kolben steckt der Ertrag – aber meist werden nur kleine oder gar keine ausgebildet.

Landwirte müssen Viehfutter zukaufen.

shz.de von
09. August 2018, 10:08 Uhr

Emkendorf | Die Blätter sind vertrocknet, die Pflanzen verkümmert. Der Mais leidet unter der Trockenheit. Es hat seit Monaten zu wenig geregnet und im ganzen Kreisgebiet zeigt sich ein ähnliches Bild. Was die Bauern bei der Ernte erwartet, ist noch nicht abzusehen. Aber es wird weniger Ertrag sein als in den Vorjahren.

„Es ist von Standort zu Standort unterschiedlich. Es werden auf den besseren Flächen wohl 30 Prozent weniger Ertrag als normal, auf schlechteren Flächen 50 Prozent weniger“, sagte Landwirt Alfred Naudszus gestern.

Der stellvertretende Bürgermeister von Emkendorf baut auf 150 Hektar Mais an. 50 Hektar davon werden bewässert. Trotzdem haben viele seiner Pflanzen keine oder nur kleine Kolben ausgebildet. „Man sagt, dass die Kolben etwa 60 Prozent des Ertrags ausmachen, aber wir können das nicht genau sagen, denn bisher hatten wir noch nie ein Jahr, in dem es keine Kolben gab.“

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein in Rendsburg bestätigt das Bild, dass sich in Emkendorf bietet. Momentan zeigen die Maisbestände teils noch grüne Blattmasse, allerdings mit grüner stumpfer Blattfarbe und eingerollten Blättern. Der Trockenstress während der Blüte habe weitreichende Folgen, da die Befruchtung gestört werde und mitunter keine Kolben angesetzt werden könne, so die Kammer. Maisbestände, die schon früh an Trockenstress gelitten haben, zeigen deutliche Reduktionen der unteren Blattetagen, die Blätter verbräunen zusehends.

Das hat zur Folge, dass früher geerntet wird, da die Flächen eventuell noch für weitere Futterpflanzen als Zweitfrucht genutzt werden – vorausgesetzt es fällt Regen, erklärt die Kammer. So hat beispielsweise rund um Ellerdorf die Maisernte bereits vergangenes Wochenende begonnen. „Die Ernte ist für die Biogasanlage in Groß Vollstedt bestimmt. Es wurden zwischen 20 und 30 Tonnen Mais pro Hektar geerntet“, sagte Naudszus. Aber nicht nur für die Energiegewinnung ist der Mais wichtig. Die Pflanze wird geerntet und zu Silage verarbeitet, damit sie im Winter als Futter beispielsweise für Rinder dient. In Schleswig-Holstein beträgt die Anbaufläche zwar 178 000 Hektar Silomais, doch voraussichtlich wird es hohe Ertragseinbußen geben.

Mit geringerem Ertrag werden auch die Silos kleiner und nicht so energiereich ausfallen, wie bisher. Die Landwirtschaftskammer erläutert: Silage aus Beständen ohne Kolben hat hohe Zuckergehalte und kaum Stärke – für die Milchvieh- und Rinderhaltung muss entsprechend für die Futterration Körnermais zugekauft werden, um diese Defizite auszugleichen. Körnermais kostet aktuell rund 210 Euro pro Tonne. Dadurch sinkt der Gewinn für die Milchbauern. Das kann dazu führen, dass die Milchleistung geringer wird und dass Rinder vorzeitig verkauft werden. Generell verschlechtert sich dadurch die Situation der Landwirte. Durch die anhaltende Dürre fällt schon die Grasernte deutlich geringer aus (wir berichten). Ein dritter Schnitt fällt nach Aussagen der Landwirte wohl aus.

Auf Regen hofft auch Alfred Naudszus. „Egal, ob Starkregen oder Hagel, alles hilft momentan.“ In etwa zwei Wochen will auch er mit der Maisernte beginnen. Zwar habe er einige seiner Flächen beregnet, aber auch nicht ausreichend. „Wir haben die Pflanzen grün gehalten und auf Regen gehofft. Eigentlich hätten wir früher damit anfangen müssen.“ Aber nicht jeder Landwirt hat Beregnungsanlagen. Auf dem Hof der Familie Naudszus sind jedoch noch Leitungen vom ehemaligen Anbau der Sonderkulturen wie Kartoffeln und Tabak vorhanden.

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