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Fall in Mastbrook : Trickdiebe legen Senioren rein

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Polizei sucht Hinweise zu einem aktuellen Fall aus Mastbrook. Experte erklärt, warum viele ältere Opfer nur ungern über ihre Erlebnisse reden.

Die Rendsburgerin hatte Glück im Unglück, sie kam unverletzt und ohne materiellen Schaden davon. Zwei Trickdiebe machten bei der 87-Jährigen keine Beute. Die in einem Einfamilienhaus in der Königsberger Straße (Mastbrook) lebende Rentnerin bekam am Montag unerwarteten Besuch. Gegen 10 Uhr standen zwei Männer vor der Tür. Sie seien Dachdecker und gekommen, um einen Schaden zu begutachten, gaben die Fremden an. Während der Ältere mit der Rentnerin die angeblich undichte Stelle am Dach besichtigte, schlich sich sein jüngerer Begleiter in das Gebäude – hinter dem Rücken der Bewohnerin. Der Täter durchsuchte das Schlafzimmer nach Wertvollem. Gestohlen wurde nichts. Trotzdem meldete die 87-Jährige den Vorfall der Polizei.

Im Nachhinein war ihr im Schlafzimmer „eine gewisse Unordnung“ aufgefallen. „Sie hat richtig reagiert und den Fall gleich angezeigt“, sagt Polizeisprecher Rainer Wetzel. „Uns ist die Vorgehensweise solcher angeblichen Handwerker hinlänglich bekannt. Angesprochen werden vorzugsweise ältere Menschen.“ Nach seinen Angaben waren die Unbekannten etwa 50 und 30 Jahre alt, sahen südländisch aus und hatten einen dunklen Teint. Bei Personen, die ohne vorherige Absprache an der Haustür angeblich erforderliche Leistungen anböten, sei höchste Vorsicht geboten, warnt Wetzel. Spätestens dann, wenn man sich bedrängt oder belästigt fühle, solle man über 110 die Polizei informieren.

Ist es zu spät und erleiden die Betroffenen einen Schaden, konkret oder seelisch, kommt oft der Weiße Ring ins Spiel. Die Organisation kümmert sich um die Opfer von Straftaten. Vor allem Senioren fallen immer wieder auf Trickdiebe an der Haustür herein. Warum eigentlich? Diplompsychologe Dr. Rainer Lindberg (71) arbeitet seit zwölf Jahren für den Weißen Ring und sagt: „Viele Senioren trauen sich nicht, ,Nein‘ zu sagen, vor allem dann nicht, wenn die Täter sehr bestimmt auftreten.“ Die Dunkelziffer sei hoch. Zahlreiche Fälle blieben unentdeckt oder würden gar nicht bei der Polizei landen, so der erfahrene Psychologe. „Scham gegenüber den eigenen Kindern und Enkelkindern spielt dabei auch eine Rolle.“ Es gibt Senioren, die reden mit den direkten Verwandten nicht darüber, weil es ihnen peinlich ist. „Und sie tun alles, damit der Eindruck erhalten bleibt, dass sie alleine in den eigenen vier Wänden leben können.“

Lindberg kennt aber auch Fälle, in denen selbst Erfahrung nicht gegen die Frechheit und Fingerfertigkeit der Ganoven hilft. Ein pensionierter Polizeibeamter, Mitte 60, sei auf Wechselgeld-Trickdiebe reingefallen, erzählt Lindberg. „Er konnte später darüber lachen, aber es hat ihn auch furchtbar geärgert.“

Im Fall der Rentnerin aus Mastbrook hofft die Polizei jetzt auf Hinweise aus der Bevölkerung. Die Trickdiebe waren in einem hellen Kleintransporter ohne Fenster im hinteren Bereich unterwegs. Auf dem Fahrzeug war in Großbuchstaben der Name eines Dachdecker-Betriebs aus Neumünster zu erkennen.

>Die Kripo bittet um Hinweise unter Tel. 04331/208-0. Der Weiße Ring ist unter Tel. 04331/868  949 zu erreichen.

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