zur Navigation springen
Landeszeitung

20. November 2017 | 13:02 Uhr

Camus im Theater : Treue, Verrat und Revolte

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Erstmals wird ein Camus-Stück am Landestheater gezeigt. Reinhard Göber verspricht eine moderne Inszenierung.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 11:06 Uhr

„Wer zu engagiert ist, verliert oft sein Privatleben.“ Das kann auch Revolutionären passieren. Vier Männer und eine Frau planen in einer Moskauer Wohnung ein Attentat auf den Großfürsten – als einen Akt der Gerechtigkeit. Doch nicht alles verläuft wie geplant. Im Wagen sind auch Kinder, die wollen sie nicht töten. Ein zweiter Anschlag misslingt und einer der Revolutionäre stirbt. Daraufhin will seine Freundin die nächste Bombe werfen.

Albert Camus veröffentlichte „Die Gerechten“ im Jahre 1946. Zum ersten Mal bringt das Landestheater ein Stück des französischen Existentialisten auf die Bühne. Regie führt Reinhard Göber aus Berlin, der im Norden auch schon Goethes „Stella“, „Endstation Sehnsucht“ und seine erste Oper „Aufstieg und Fall der Stdt Mahagonny“ inszenierte. „Drama ist für mich nicht nur Drama. Ich suche stets den- tragi-komischen Zugang“, erklärt er. So steht – wie in der Orignalversion – auch nicht das reine Wort im Mittelpunkt. „Mich bewegt weniger das Was – das Attentat, als vielmehr das Wie – die Gruppendynamik, die zum Attentat führt“, erläutert Göber seinen Ansatz. Beim Attentat geht es um die Frage, ob Gerechtigkeit durch den Tod von Kindern erreicht werden kann. Obwohl das Stück auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahre 1905 basiert, ist dieser Ansatz noch heute aktuell.

Doch: „Wir haben uns im 21. Jahrhundert um einen eigenen Zugang bemüht“, sagt Göber und verspricht modernes Theater, ohne modernistisch zu sein. Das heißt: Keine Videosequenzen, aber Musik und ein ausdrucksstarkes Bühnenbild. Das stammt von Xenia Hufschmidt, der Frau des Schauspielers Stefan Hufschmidt, den Göber seit 1991 kennt. „Es ist unsere 13. gemeinsame Produktion am 8. Theater“, schmunzelt der freiberufliche Regisseur, der am Theater Lübeck als Oberspielleiter gearbeitet, auf zahlreichen Bühnen inszeniert und unter anderem an der Uni Flensburg einen Lehrauftrag hat.

Eine Camus-Inszenierung ist für Göber eine Premiere. Das Stück „vom Blatt“ zu spielen, sei schrecklich. Er will „den Gerechten eine andere Sinnlichkeit und Emotionalität geben“, setzt dabei auf die Schauspielkunst sowie die Themen Treue, Verrat und Revolte. Eine Klasse der Herderschule, die bei Proben zusah, war begeistert.

Als Philosophie des Absurden wird Camus’ Sicht bezeichnet. In einer sinnleeren Welt sei das Streben nach Sinn vergeblich, aber nicht ohne Hoffnung. „Der Mensch hat die Verpflichtung, sich nicht mit dem Status Quo zufriedenzugeben“, interpretiert Göber. „Gerade in der momentanen Situation des Landestheaters ist ein solches Denken überlebensnotwendig.“


Premiere: Sa., 5. April, 19.20 Uhr, Kammerspiele Rendsburg. Weitere Termine: 17.4. / 26. 4. / 18.5. / 6.6. Karten und Infos: www.sh-landestheater.de

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen