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Rendsburg : Trendumkehr nach 20 Jahren: Zahl der Einwohner steigt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Asyl-Welle hat in Rendsburg ein Plus von 500 Menschen zur Folge.

Mehr als zwei Jahrzehnte entwickelte sich Rendsburgs Einwohnerzahl nur in eine Richtung: bergab. Zwischen 1993 und 2014 verlor die Stadt, in der zu Beginn der neunziger Jahre mehr als 31  000 Menschen lebten, zehn Prozent ihrer Bevölkerung. Doch im vergangenen Jahr wurde die Entwicklung umgekehrt. Rechnet man die Zahl der Neubürger gegen die Weggezogenen und Verstorbenen auf, ergibt sich ein Einwohnerplus von 513 Menschen. Dass Rendsburg wieder wächst, ist auf die Flüchtlinge zurückzuführen.

28  564 Menschen sind derzeit in der Stadt gemeldet, darunter 3020 Bürger mit ausländischem Pass. Die Gruppe der Ausländer ist im vergangenen Jahr um 490 angewachsen – auf den ersten Blick ein überraschend hoher Wert, denn der Kreis Rendsburg-Eckernförde als Ausländerbehörde hat der Stadt Rendsburg nur 274 Asylbewerber zur dauerhaften Unterbringung zugewiesen.

Dass weitaus mehr Flüchtlinge nach Rendsburg kamen, hat folgenden Hintergrund: Während des Asylverfahrens müssen die Betroffenen in der Gemeinde wohnen, die der Kreis vorgibt – doch sobald sie als Asylberechtigte anerkannt sind, können sie selbst entscheiden, wo sie wohnen möchten. „Dann zieht es viele zurück in die Stadt“, sagt Herbert Schauer, Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste im Rathaus. Hauptgrund ist das Infrastrukturnetz, das in der Stadt enger geknüpft ist als auf dem Land. Geschäfte, Treffpunkte und Behörden sind meist zu Fuß erreichbar, während die Flüchtlinge außerhalb der Stadt auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Unter den Neubürgern stellen die Syrer mit 302 Menschen die größte Gruppe, gefolgt von 111 Irakern und 47 Afghanen. Damit haben die Afghanen den Flüchtlingen aus Armenien (35) den dritten Platz aus den beiden Vorjahren abgenommen.

Die neuen Mitbürger aus den Krisenländern tragen erheblich dazu bei, die Altersstruktur der Bevölkerung zu verjüngen. Bei 23 Prozent der Flüchtlinge handelt es sich um Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, der Vergleichswert der Einwohner mit deutschem Pass liegt bei 15,4 Prozent. Im Gegenzug gibt es wesentlich mehr ältere Deutsche. 19,2 Prozent sind über 65 Jahre alt. Bei den Ausländern liegt dieser Anteil bei sieben Prozent.

Ohne die Flüchtlinge wäre Rendsburgs Einwohnerzahl erneut gesunken. Das lässt sich aus dem Werten der vergangenen neun Jahre ableiten: Durchschnittlich 256 Babys werden jährlich in der Stadt geboren. Die Zahl der Sterbefälle liegt um ein Drittel höher: 339. Anders ist die Entwicklung in den Gemeinden außerhalb der Stadt. Das Standesamt stellt im Jahresdurchschnitt 642 Geburtsurkunden für Babys aus, deren Eltern außerhalb der Stadt Rendsburg wohnen – die Zahl der Sterbeurkunden liegt mit 577 um elf Prozent darunter.

Mit dem künftigen und etwa 20 Hektar großen Wohngebiet Neuwerk-West hoffen Verwaltung und Politik, die positive Einwohnerentwicklung weiter verstärken zu können. 380 Wohnungen für 500 Menschen sollen auf dem früheren Gelände der Eiderkaserne entstehen – als Konkurrenz zu den Wohngebieten in den Dörfern der Region.

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erstellt am 28.Feb.2016 | 06:00 Uhr

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