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Hohn : Transall-Piloten rechnen mit Gegenwehr

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Beim Nato-Manöver „Jawtex“ simulieren Soldaten des Lufttransportgeschwaders 63 Landungen in feindlichem Gebiet. Auch eine niederländische Herkules ist in Hohn zu Gast.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Die Soldaten des Lufttransportgeschwaders (LTG) 63 werden schneller mit der Ukraine-Krise konfrontiert als erwartet. Wenn die Transall-Maschinen diese und kommende Woche vom Flugplatz Hohn aus Richtung Osten starten, rechnen ihre Besatzungen mit Gegenwehr. Sie müssen feindliches Radar meiden und sich sogar gegen Raketen zur Wehr setzen.

Die Mission der Flieger vom LTG 63 heißt Jawtex (Joint Air Warfare Tactical Exercise) – und ist eine der größten Nato-Übungen auf deutschem Boden. Mit der Möglichkeit, von paramilitärischen Kräften beschossen zu werden, ähnelt das Szenario der Situation in der Ukraine. So weit fliegen die Verbände aber nicht, das Übungsgebiet liegt in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Seit gestern läuft die Übung mit 4200 Soldaten, 800 davon kommen aus elf Nato-Staaten. Der Gefechtsstand befindet sich im brandenburgischen Holzdorf, die Verbände sind auf Standorte in mehreren Bundesländern verteilt. Die Übung dauert bis zum 23. Mai.

Die Hohner sind mit zwei Maschinen vom Typ Transall C-160 beteiligt. Zudem haben sie ein Transportflugzeug Herkules C-130 mit 48 Soldaten aus den Niederlanden zu Gast. Die Gesellschaft für Flugzieldarstellung mit ihren sechs Hohner Learjets beteiligt sich auch – „sie symbolisieren die Feinde am Himmel“, so Stabsfeldwebel Thomas Bagemühl.

Die Übung ist ein Höhepunkt für die Hohner Transportflieger: „Die Soldaten fliegen nun ‚live‘, wofür sie ausgebildet wurden“, sagte der Kommandeur der Fliegenden Gruppe im LTG 63, Oberstleutnant Roman Lau. Den Maschinen stehen ihm zufolge mehrere Luftkorridore für ihre taktischen Flüge von bis zu vier Stunden zur Verfügung. Vor Ort müssen die Besatzungen „mit Gegenwehr rechnen“, so Lau. Um nicht erkannt zu werden, müssen sie tief fliegen und Deckung im Gelände suchen. Deshalb nehmen nur die Maschinen mit Selbstschutzanlagen teil: Um feindliches Radar in die Irre zu führen, können sie Täuschkörper aus Aluminium-Fäden abwerfen. Gleiches gilt für Raketen: Hitzegesteuerte Flugkörper werden mit Infrarot-Täuschkörpern, ähnlich wie Leuchtkugeln, abgelenkt. Zudem steht für die Transall-Maschinen eine Evakuierungsoperation und eine ungeplante Außenlandung in gegnerischem Gebiet auf dem Programm. Höhepunkt ist für die Hohner Soldaten die Luftlandeübung am 19. Mai. 450 Fallschirmspringer der Luftlandebrigade Oldenburg starten mit neun Flugzeugen von Hohn aus, um nahe Potsdam abzuspringen. Auch die holländische Herkules setzt einige Soldaten ab. Darauf freut sich auch der Lademeister, Sergeant Major Wim de Jong. Er ist für alles im Bauch der C-140 verantwortlich, auch für die Springer. Auf dem Hohner Flugplatz fühlt er sich wohl – es ist seine erste Übung in Deutschland, nachdem er schon in der ganzen Welt herumgekommen ist.

Roman Lau weist auf erhöhte Flugbewegungen während der Übung hin. Denn der Routine- und Schulungsflugbetrieb laufe weiter. Dass die Hohner an einer so großen Übung beteiligt sind, will Roman Lau nicht in einem Zusammenhang mit der Standortdiskussion stellen. Die Bedeutung des LTG 63 werde in der Führung allein durch den Betrieb wahrgenommen: „Wir sind täglich im weltweiten Einsatz.“

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