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Landeszeitung

23. September 2017 | 16:53 Uhr

Fluglärm : Transall nervt Anwohner in Hohn

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

„Manchmal vibriert das ganze Haus, dass die Scheiben klirren“, sagt Thomas Berner. Er lebt mit seiner Frau an der Hauptstraße in Hohn. Der Fluglärm sei unerträglich geworden, sagen sie.

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2014 | 14:38 Uhr

Die Pilotenausbildung für die Transall wird beim Lufttransportgeschwader (LTG) 63 in Hohn zentralisiert – für Regina (56) und Thomas Berner (53) kam das einer Hiobsbotschaft gleich. Als das Ehepaar aus Hohn aus der Landeszeitung erfuhr, dass der Flugbetrieb von der Hugo-Junkers-Kaserne aus deshalb zunimmt, fiel es aus allen Wolken. „Jetzt reicht es mir“, sagte Regina Berner entschieden.

In den vergangenen Wochen habe der Fluglärm seinen Höhepunkt erreicht, berichtet das Ehepaar, das an der Hauptstraße in Hohn wohnt. „Manchmal vibriert das ganze Haus, dass die Scheiben klirren“, sagt Thomas Berner. So schlimm sei es selten gewesen. Am Dienstag seien die Propeller-Maschinen vom Typ C-160 Transall sogar bis kurz vor Mitternacht geflogen. Das bestätigt Andrea Schultz (53). Die Hohnerin wohnt mit ihrem Mann, wie die Berners, etwa einen Kilometer südlich des westlichen Endes der Start- und Landebahn. Morgens um 6.45 Uhr sei die erste Maschine, ein Learjet, gestartet. „Ab 10 Uhr sind die Transall-Flugzeuge bis 16.30 Uhr und von 19.30 Uhr bis kurz vor Mitternacht ununterbrochen gestartet und gelandet“, sagte Andrea Schultz. In den vergangenen zwei bis drei Wochen sei es unerträglich gewesen, weil die Maschinen Andrea Schultz und dem Ehepaar Berner zufolge häufig nach dem Start in Richtung Westen sofort nach Süden abdrehen und tief über die Häuser Hohns hinwegdröhnen. „Dann haben wir das Gefühl, dass die Maschinen direkt auf dem Dach landen“, sagte Thomas Berner. Andrea Schultz: „Das Vibrieren erfasst den gesamten Körper. In dieser Intensität ist das nicht zu ertragen“

Die Berners stört der Lärm vom Flugplatz der Luftwaffe in ihrer Nähe eigentlich nicht. „Die Piloten müssen ja trainieren. Das wussten wir auch, als wir das Haus vor 15 Jahren gebaut haben“, sagte Thomas Berner. „Wenn die Flugzeuge ihre Route einhalten, hören wir sie zwar, doch es stört nicht so sehr“, sagte Regina Berner. Sie müssten eben nur nach dem Start weiter Richtung Westen über die Felder und den Hohner See fliegen, wo sie niemanden stören. Die Strecke sei schließlich auch durch Markierungsfeuer gekennzeichnet. Doch stattdessen drehten die Maschinen immer öfter direkt ab. „Vor allem, wenn es dunkel ist, nehmen sie die Route über Hohn“, sagte Thomas Berner. Um das zu dokumentieren, hat er nun eine Kamera im Garten aufgestellt. Hinzu komme ihm zufolge die Abgasbelastung, denn die Flugzeuge hinterließen Rückstände. Auf dem Gartenteich habe sich schon einmal ein Ölfilm gebildet. Davon berichtet auch Andrea Schultz. Sie vermutet, dass es sich um Kerosin handelt. „Dadurch ist mir schon ein Apfelbaum im Garten eingegangen.“

Von solchen Rückständen ist Oberstleutnant Thies Voigt nichts bekannt. Die Flugbewegungen vom Dienstag bestätigt der stellvertretende LTG-Kommodore aber. Wegen der Wetterbedingungen haben die Piloten ihm zufolge „vermehrt die Kurzplatzrunde“ fliegen müssen, sagte er zur Landeszeitung. Das schließe die Route über Hohn ein. Ihm liegen jedoch keine Zahlen vor, dass diese Runde in den vergangenen Wochen gezielt geflogen wurde. Voigt bestreitet jedoch nicht, dass derartige Manöver bei bestimmten Wetterbedingungen oder zu Übungszwecken vorkommen – „dann aber eher am Tag“. Der Flugbetrieb in Hohn hänge von vielen Faktoren ab. Grundsätzlich seien Ausbildungsflüge zwischen 6 und 24 Uhr möglich. Dem Geschwader sei es aber wichtig, gut mit seinen Nachbarn auszukommen. „Wo wir können, wollen wir Rücksicht nehmen. Deshalb vermeiden wir bereits die Konzentration auf einzelne Flugstrecken“, so der Oberstleutnant. Beim Tiefflug sei eine Höhe von mindestens 150 Metern vorgeschrieben, die auch nicht unterschritten werde.

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