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Hohn : Transall könnte bis zu 88 Flüchtlinge ausfliegen

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Dem Lufttransportgeschwader 63 (LTG) in Hohn könnte eine zentrale Rolle bei der Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern zukommen.

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2015 | 12:54 Uhr

Dem Lufttransportgeschwader 63 (LTG) in Hohn könnte eine zentrale Rolle bei der Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern zukommen. Sollte der Verband einen Auftrag vom Bundesverteidigungsministerium erhalten, werde geprüft, ob Hohner Transall-Maschinen dafür geeignet sind, ehemalige Asylbewerber auszufliegen, heißt es aus dem Verband. Bislang ist laut Oberstabsfeldwebel Matthias Müller aber noch kein offizieller Auftrag eingegangen.

Hintergrund sind die Beratungen der Bundesregierung über ein Maßnahmenpaket für mehr Abschiebungen. Unter anderem wird in Berlin in Erwägung gezogen, Transall-Flugzeuge für diesen Zweck einzusetzen. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen steht dem nicht ablehnend gegenüber. „Selbstverständlich ist eine Nutzung der Transall nicht ausgeschlossen“, sagte sie gestern in Berlin.

Rein technisch sind die Transportflugzeuge vom Typ Transall C-160 dazu geeignet, Menschen zu befördern. Die Maschinen können bis zu 18 Tonnen Gewicht tragen. Meistens handelt es sich um Material auf der großen Ladefläche. Da auch der Treibstoff zum Gewicht gezählt wird, wird mit dem Flieger eine Last von bis zu zehn Tonnen transportiert. Der rund 13,50 Meter lange und gut drei Meter breite Laderaum kann aber auch mit einfachen Sitzen aus Segeltuch ausgestattet werden. Dann finden darin bis zu 88 Menschen Platz. „Wenn zusätzlich noch Gepäck transportiert werden muss, sind es eher 50 Passagiere“, erklärte Stabsfeldwebel Frank Nobiling, Transall-Ladungsmeister, der Landeszeitung. Vier lange Sitzreihen sind – anders als in Passagierflugzeugen – quer zur Flugrichtung ausgerichtet. An Bord fehlt jedoch jeglicher Komfort – es ist vor allem lauter als in herkömmlichen Maschinen. „Während des Fluges werden bis zu 90 Dezibel erreicht. Gehörschutz ist nötig“, sagte Nobiling. Zudem ist zwar auch eine einfache Toilette vorhanden, die jedoch lediglich durch einen Vorhang vom Laderaum abgetrennt ist.

Das Lufttransportgeschwader 63 würde – sobald ihm ein offizieller Auftrag dazu erreiche – prüfen, ob genug Flugzeuge und Personal zur Verfügung stehen, erklärte Matthias Müller das mögliche Vorgehen. Zudem müsse geklärt werden, ob der Verband nicht durch andere Aufgaben genug zu tun habe. Derzeit finden Versorgungsflüge zu den Pilotenausbildungsgebieten in den USA und auf Sardinien statt. Zudem versorgen die Hohner Flieger die Einheiten, die zur Luftraumüberwachung an der Grenze zu Russland in Estland stationiert sind, Bundeswehrsoldaten in humanitären Einsätzen in Tansania, im Senegal und im Kongo sowie Militärsanitäter in Mali.

Das LTG 63 verfügt aktuell über 27 Transall-Maschinen. Vier davon werden gerade gewartet. Im Verfügungsbestand befinden sich 23 Flugzeuge. Im Falle eines Auftrages liegt es nahe, dass sich die Regierung an die Hohner Transportflieger wendet. Denn es ist der Verband, der am längsten offen gehalten wird. Der offizielle Schließungstermin ist nach wie vor Ende des Jahres 2018. Beim Schwesterverband LTG 62 in Wunstorf sind inzwischen alle Transalls abgezogen worden. Dort ist nur ein Exemplar des neuen Militärflugzeuges A400M stationiert. Das dritte Lufttransportgeschwader, das LTG 61 im bayerischen Penzing, verfügt über etwa die gleiche Anzahl von Transalls wie Hohn. Der Standort soll offiziell aber nur bis Ende des Jahres 2017 offen bleiben.

Ministerin Ursula von der Leyen erklärte bereits, dass die Transall nicht die erste Wahl sei. „Aber für den Fall, dass alle zivilen Transportkapazitäten ausgeschöpft sind und die prioritären Einsätze der Bundeswehr nicht leiden, käme für diesen Zweck eher ein Truppentransporter infrage.“ Dabei handelt es sich um Flugzeuge des Modells A310, die wie ein Passagierflugzeug ausgestattet sind und jeweils 200 Personen befördern können.

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