Degility in Kropp : Training mit dem „Wackel-Dackel“

Klein und unerschrocken: „Loriot“ macht, was Alina von ihm verlangt.
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Klein und unerschrocken: „Loriot“ macht, was Alina von ihm verlangt.

Degility dient dem Muskelaufbau und der Teamfindung von Mensch und Hund. In Kropp trafen sich beim Schnuppertag Hunde aller Rassen und Altersklassen.

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28. Juli 2015, 19:02 Uhr

Rauf auf die Wippe, in der Mitte kurz stehen bleiben, dann kippt das Brett und das heißt: Muskeln anspannen, ausbalancieren und abwärts gehen. „Evigglad“ ist das nicht geheuer. „Evigglad“ ist Dänisch und bedeutet „Immerfroh“. Davon ist jetzt nichts zu merken. Der schneeweiße Großpudel weigert sich beharrlich. Ganz anders „Loriot“. Der kleine Jack-Russel-Langbein mit Terrier-Mix vertraut seinem jungen Frauchen. Die 9-jährige Alina lockt ihn mit einem Leckerchen – und schon geht’s rauf auf die Wippe und wieder runter. „Gut gemacht“, lobt Trainerin Jeanine Langmacher.

Beim Degility-Schnuppertag hatten sich Hunde der unterschiedlichsten Rassen mit ihren Herrchen und Frauchen eingefunden. Eingeladen hatten die Pudelfreunde Deutschland (VDP), Gruppe Rendsburg-Kropp. Alina und ihre Schwester Luise sind mit Mutter Julia Böhnke aus Bergenhusen das erste Mal dabei. „Weil es Spaß macht“, sagt Alina und „Loriot“ wedelt freudig. „Es dient auch der Teamfindung“, erläutert Werner Schmiegelt, 1. Vorsitzender des Vereins. Der einjährige „Loriot“ und Alina sind bereits ein gutes Team, das zeigt sich bei der Übung mit den Cavaletti – niedrigen Hürden. „Aufmerksamkeit und Gang werden geschult“, sagt Jeanine Langmacher. Zudem werde die Rückenmuskulatur gekräftigt.

Karin Sievers aus Kropp und Border Collie „Anni“ sind dagegen erst seit drei Wochen ein „Paar“. Die neun Monate alte Hündin ist angesichts der vielen anderen Vierbeiner ganz aufgeregt. Aber schon nach einigen Übungen ist „Anni“ ruhiger. Und gegen Ende der der dreistündigen Veranstaltung liegt sie ganz entspannt neben Karin Sievers. „Manche sind so entspannt, dass sie nach dem Training sofort schlafen“, weiß Jeanine Langmacher, die sich seit sechs Jahren ehrenamtlich als Degility-Trainerin engagiert. Ein guter Effekt. Ober er allerdings auch bei „Evigglad“ eintritt? Er springt hin und her. Inga Rühmann aus Tastrup hat ihre liebe Not. Mit niedrigen Zäunen sind im „Labyrinth“ Wege markiert. Hier gilt es, dass der Hund hinter dem Herrchen läuft – nicht vorweg und auch nicht nebenbei. Doch der weiße Pudel nimmt gerne die Abkürzung. „Einmal tief durchatmen“, rät die Trainerin Frauchen Inga Rühmann, die sich hier stark konzentrieren muss. Sie hat noch einen zweiten Hund: die französische Bulldogge „Schicksal“. Das kleine Kraftpaket mit dem zerknautschen Gesicht ist unerschrocken und möchte auf Entdeckungstour gehen. Doch Ulrich Gensch hat die Leine fest in der Hand. Er agiert als „Hundehalter“. Viele Jahre hatte Gensch einen Jack-Russel und unterstützt nun jene, die mit zwei oder mehreren Hunden beim Training dabei sind.

Als es zum „Wackel-Dackel“ geht, sind die Teilnehmer ganz gespannt. Niemand weiß, was sich dahinter verbirgt. „Manchmal wird das Gerät auch als Wackel-Tisch bezeichnet“, weiß Jeanine Langmacher. Es funktioniert wie ein Balance-Kissen in der Gymnastik für Menschen: Bei dem Versuch, das Gleichgewicht auf dem wackelnden Untergrund zu halten, werden etliche Muskeln angespannt. „Die Übung entlastet die Knochen und stärkt die Muskeln im Beinbereich und an der Wirbelsäule“, erklärt die Trainerin – genau jene, die der Hund ständig benötige. Gleichzeitig sei seine Konzentration gefordert. Sieht unspektakulär aus, „ist aber Höchstleistung“. „Joshi“ nimmt das ganz gelassen. Der Kleine ist ein Schoßhund aus Russland, ein Bolonka Zwetna, erklärt Frauchen Bianca Schimmer aus Tetenhusen. Und er macht auch Agility. Beim ruhigeren Degility braucht er dagegen einwenig Anfeuerung, aber nimmt die Wippe mit Bravour und erhält anschließend ein großes Lob. Das ist wichtig.

„Gemeinsam etwas machen“, das ist für viele Hundebesitzer ein Grund, zum Degility zu gehen. Und am Ende sind Hund und Herrchen erschöpft, aber zufrieden.

Stichwort Degility

> Im Unterschied zum Agility, das Höchstleistungen vom Hund verlangt (Leistungssport), ist Degility eine moderate Variante.

> Das Training ist für Hunde aller Rassen und jeden Alters geeignet. > Es ist eine Art Physiotherapie, dient der Muskelbildung und dem Vertrauensaufbau, erklärt Jeanine Langmacher. > Training in Kropp jeden Sonnabend von 12 bis 14 Uhr> Informationen: www.vdp-rendsburg-kropp.de

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