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Handball-Oberliga : Trainer sind sich einig: „Andere Mannschaften haben klare Vorteile“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Rendsburger Oberliga-Handball steht vor dem Aus. Welche Gründe gibt es für diese Krise?

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Dem Rendsburger Handball droht der Erdrutsch. Der TSV Alt Duvenstedt und die HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg stehen bereits als Absteiger aus der Oberliga der Männer fest, der HSG Hohn/Elsdorf droht nach dem 31:32 in Preetz ebenfalls der Gang in die Schleswig-Holstein-Liga. Die Landeszeitung hat bei den Trainern der drei Vereine, Thomas Carstensen (Alt Duvenstedt), Detlef Horst (Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg) und Thies Schmalfeld (Hohn/Elsdorf), nach den Gründen für die Misere der Rendsburger Teams gefragt.

Herr Carstensen, Herr Horst, Herr Schmalfeld. In Anlehnung an Matthias Sammer – wird woanders härter und besser trainiert als in Alt Duvenstedt, bei der HSG Hohn/Elsdorf und der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg?

Carstensen: Ich kann es nicht so richtig beurteilen, weil ich bei den anderen Vereinen bei den Trainingseinheiten nicht dabei bin. Aber richtig ist: Wir haben diese Saison nicht immer optimal trainiert, weil wir extrem viele Verletzte hatten. Vor allem in der Rückrunde hatten wir die Seuche. Andere Vereine wie der HSV II oder Bad Schwartau II haben zudem ganz andere Möglichkeiten. Die trainieren bis zu sieben Mal die Woche und können ihre Talente aus der Bundesliga einbinden. Und Ellerbek oder DHK Flensborg können finanziellen Druck auf die Spieler ausüben, weil da gutes Geld bezahlt wird. Die Rendsburger Vereine sind da sicherlich im Nachteil.

Schmalfeld: Wir sind wahrscheinlich die Mannschaft, die am wenigsten trainiert. Aber mehr als zwei Mal die Woche ist nicht möglich. Erstens, weil die Spieler alle berufstätig sind und der Beruf nun einmal vorgeht. Zweitens, weil wir gar nicht die Hallenkapazitäten haben, um öfter zu trainieren. Selbst wenn wir wollten, wir können nicht mehr trainieren, weil uns in Hohn nur eine Halle zur Verfügung steht.

Horst: Es ist sicherlich kein Zufall, dass die drei Rendsburger Teams so weit unten stehen. Es liegt aber nicht allein am Training oder den Trainingsinhalten. Andere Mannschaften wie der HSV II oder DHK Flensborg haben einen ganz anderen finanziellen Background und somit viel bessere Rahmenbedingungen.

Aber ist die derzeitige Misere einzig durch finanzielle und Standortnachteile zu erklären?

Carstensen: Nein. Es sind auch hausgemachte Probleme. Die Rendsburger Mannschaften haben in den vergangenen Jahren einen Qualitätsverlust erlitten. Ob bei uns, in Hohn oder in Westerrönfeld – es sind jedes Jahr die gleichen Leistungsträger in den Mannschaften und die werden auch nicht jünger. Wir haben leider keinen Nachwuchs, aus dem wir Spieler rekrutieren können. Da wurde in der Vergangenheit einiges versäumt.

Schmalfeld: Da stimme ich zu. Man hat sich nicht genug um den Nachwuchs gekümmert. Das macht sich jetzt bemerkbar. Wir haben zwar bei der HSG Hohn/Elsdorf ein Jugendkonzept entwickelt, doch es wird dauern, bis es richtig Früchte trägt.

Horst: Wir haben zwar eine gute Jugendarbeit, aber gegen einige Dinge sind wir machtlos. Ein Problem sind sicherlich die Jugendleistungszentren der großen Clubs. Der THW Kiel oder die SG Flensburg-Handewitt werben schon im Jugendbereich talentierte Spieler ab. Die gehen den Rendsburger Vereinen dann verloren.

Spielt auch die räumliche Nähe eine Rolle? Immerhin konkurrieren hier drei Teams auf engstem Raum.

Carstensen: Mit Sicherheit. Wenn man die besten Spieler aus den drei Vereinen zusammenziehen würde, hätte man sogar eine drittligareife Mannschaft.

Horst: Sicherlich spielt das eine Rolle. Auch da haben andere Vereine einen Vorteil, die an ihrem Standort der Platzhirsch sind.

Schmalfeld: Entscheidend sind aber auch hier wieder die finanziellen Voraussetzungen. Bei der SG Wift zum Beispiel spielen ja nicht nur Akteure aus Neumünster, sondern mit Simon Plähn auch ein Spieler aus dem Rendsburger Raum. Und mit Sjören Tölle oder Kay Blasczyk haben sich zwei Spieler dem TSV Hürup angeschlossen, die vor Kurzem noch bei Tarp in der dritten Liga gespielt haben.

Wäre eine Bündelung der Kräfte im Rendsburger Handball sinnvoll?

Horst: Dazu möchte ich mich nicht äußern.

Schmalfeld: Die Pläne dafür gab es ja schon mal. Aber es ist sicherlich schwierig zu realisieren.

Carstensen: Einen Versuch wäre es wert. Aber es ist fraglich, ob man alle Interessen unter einen Hut bekommt.

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