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Landeszeitung

19. August 2017 | 22:42 Uhr

tpo radar

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kann sich ein Transall-Flugzeug hinter einem schlanken Windrad verstecken? Was absurd klingt, ist mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien zum Problem geworden. Seitdem die Windkraftanlagen Höhen von über 100 Metern erreichen, können sie auch vom Radar des Nato-Flugplatzes Hohn erfasst werden. Im schlimmsten Fall reflektieren die Rotoren den Radarstrahl – dann ist alles, was sich hinter oder über dem Windrad in der Luft befindet, auf dem Bildschirm der Fluglotsen in Hohn nicht mehr sichtbar. Auch eine große Transall C-160 nicht – ein Problem für die Flugsicherheit. Deshalb konnte die Bundeswehr in der Vergangenheit dem Bau vieler Windkraftanlagen rund um ihre Flugplätze nicht zustimmen. Mit Sachverstand aus Sehestedt ist das Problem nun gelöst.

Auch die Soldaten des Lufttransportgeschwaders (LTG) 63 in Hohn haben ihren Anteil daran. Sie beteiligten sich an einem Pilotprojekt des Unternehmens „Windenergie und Flugsicherheit“, das zur Hälfte dem Windparkentwickler Denker und Wulf aus Sehestedt gehört. Das neue System „Flight Manager“ ermöglicht es, Windkraftanlagen auf Knopfdruck zu stoppen, damit das militärische Radarsignal nicht mehr gestört wird. „Das ist ein großer Erfolg, auch für die Region, denn das System macht zusätzliche Windkraftanlagen möglich“, sagt Torsten Levsen, Vorstandsvorsitzender von Denker und Wulf. Zum Beispiel in Schülp bei Rendsburg konnten zwei von vier geplanten Anlagen in einem Windeignungsgebiet nicht gebaut werden. In einem anderen Fall in Lütjenwestedt war eine von fünf Anlagen betroffen. „Jetzt müssen Investoren nicht mehr auf Anlagen verzichten“, sagt Levsen. Der „Flight Manager“ wurde auf der Basis eines bereits bestehenden Systems von Denker und Wulf entwickelt. Unter anderem mussten dafür Rechnersysteme und eigene Verbindungen zwischen Windrad und der Flugsicherung installiert werden – über das Internet. „Herausfordernd dabei waren die hohen Sicherheitsanforderungen der Bundeswehr und die Einbindung in den Arbeitsprozess des Militärs“, erklärt Clemens Krips, Geschäftsführer von „Windenergie und Flugsicherheit“. Die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr habe sich als sehr fruchtbar herausgestellt.

Obwohl der Einsatz des Systems eine zusätzliche Belastung für die Fluglotsen darstellt, hat sich das LTG 63 an dem Projekt beteiligt. „Der Verband steht der Region sehr positiv gegenüber und unterstützt regenerative Energien“, sagt Flugsicherungseinsatzstabsoffizier Oberstleutnant Rainer Kabon zur Begründung. Zudem wollte der Verband die Möglichkeit nutzen, die Entwicklung mitzugestalten. „Wir sind während der Testphase zu dem Ergebnis gekommen, dass die Anwendung ohne weiteres möglich ist“, so Kabon. Das Gebiet um den Flugplatz ist dafür in drei Sektoren aufgeteilt worden. Sobald ein Flugzeug darin von den Hohner Soldaten durch den Luftraum geführt werden sollte, konnten Kabons Mitarbeiter die betroffenen Windräder in dem jeweiligen Sektor abschalten. Die Testphase dauerte von Mai bis Dezember 2014. Nun ist das System freigegeben worden – nicht zuletzt auch aufgrund der Bewertung aus Hohn. Dort beruhte das Projekt jedoch auf einer Simulation – es ist nie ein Windrad tatsächlich gestoppt worden.

Torsten Levsen rechnet nicht mit hohen Ausfallzeiten von Windkraftanlagen, die mit dem „Flight Manager“ bei Bedarf abgeschaltet werden. Das hänge unter anderem vom Flugbetrieb ab. Für eine Prognose gebe es noch zu wenig Erfahrung, doch geplant sei, dass der Ausfall bei 2,5 bis fünf Prozent liege.

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erstellt am 26.Feb.2015 | 14:36 Uhr

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