Insolvenz : „Tourismus Mittelholstein“ in Finanznot

Eine Stadtführung mit Rendsburgs „Stutentrine“ – auch das zählt zum Angebot der Tourist-Info, die von „Tourismus Mittelholstein“ betrieben wird. Nach dem Rundgang gibt’s „Lütt un Lütt“.
Eine Stadtführung mit Rendsburgs „Stutentrine“ – auch das zählt zum Angebot der Tourist-Info, die von „Tourismus Mittelholstein“ betrieben wird. Nach dem Rundgang gibt’s „Lütt un Lütt“.

Eine Steuernachforderung bringt den Verein in Schwierigkeiten. Die Geschäftsführung stellt einen Insolvenzantrag.

shz.de von
12. Juli 2018, 12:15 Uhr

Rückschlag für den Tourismus im mittleren Schleswig-Holstein: Der für die Übernachtungsbetriebe im Städtedreieck Kiel – Neumünster – Rendsburg und die Vermarktung der Region zuständige Verein „Tourismus Mittelholstein“ hat gestern Insolvenzantrag vor dem Amtsgericht Neumünster gestellt. Das bestätigte der Interims-Geschäftsführer Dr. Dieter Kuhn auf Anfrage. Grund ist eine unerwartete Nachforderung des Finanzamtes, durch die der Verein in die Bredouille kommt.

Zuschüsse der Stadt Rendsburg wurden offenbar über Jahre falsch versteuert. Im Raum steht eine Summe von 75 000 Euro. Sie fordert der Fiskus zurück, davon 14 000 Euro als erste Rate. Der Senat der Stadt Rendsburg hat abgelehnt, finanziell in die Bresche zu springen, um den Bankrott abzuwenden. Die fällige Nachzahlung betrifft den Zeitraum 2014 bis 2016. In dieser Zeit flossen jährlich 91 000 Euro aus dem Rendsburger Haushalt an die für Tourismus, Feste und Außenwirkung verantwortlichen Partner. Neben „Tourismus Mittelholstein“ handelt es sich um den Verein RD-Marketing. Er beschränkt seine Aktivitäten auf das Rendsburger Stadtgebiet und soll seine Gelder richtig versteuert haben.

Kuhn, der die erkrankte Geschäftsführerin Monika Heise vertritt, unterrichtete gestern den Vorstand und die Mitglieder des Vereins über die drohende Insolvenz. Der eingereichte Antrag auf Eröffnung des Verfahrens wird zunächst geprüft.

Der Verein betreibt die Tourist-Info in der Rendsburger Altstadt und beschäftigt sechs Mitarbeiter. Deren Gehälter seien gesichert, so Kuhn. Auch die Anlaufstelle für Auswärtige im Alten Rathaus soll zunächst fortgeführt werden. Knackpunkt des Steuerproblems ist die Unterscheidung zwischen zwei Arten von Zuschüssen. Unterstützt die öffentliche Hand einen Verein oder eine Organisation ohne klar definierten Auftrag, liegt ein „echter“ Zuschuss vor. Er ist steuerfrei. Bei „unechten“ Zuschüssen hingegen wird Umsatzsteuer fällig. Zwischen Geldgeber und Empfänger muss eine Gegenleistung vereinbart worden sein. Sie lag nach Ansicht der Finanzbehörde zwischen „Tourismus Mittelholstein“ und der Stadt Rendsburg vor.

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