Rendsburg-Eckernförde : Tourismus gerät ins Hintertreffen

Fremdenverkehrs-Organisationen kritisieren den Rückzug des Kreises aus der öffentlichen Finanzierung über 35 000 Euro.

shz.de von
25. Januar 2015, 13:39 Uhr

Der Tourismus im Kreis Rendsburg-Eckernförde gerät ins Hintertreffen – das befürchten zumindest die Geschäftsführer der drei Lokalen Tourismusorganisationen (LTO), nachdem der Regionalentwicklungsausschuss jetzt beschlossen hat, die Mittel für die Organisationen abzuziehen. Damit werde es noch schwieriger, angemessenes Marketing für den Tourismusstandort zu treiben, kritisieren sie.

Die LTOs „Tourismus Mittelholstein“, „Eckernförder Bucht“ und „Ostseefjord Schlei“ müssen zukünftig mit 35  000 Euro jährlich weniger auskommen. Das Geld wird stattdessen in die Entwicklung einer Zukunftsstrategie des Kreises gesteckt. Die soll einer „gesamtwirtschaftlichen, positiven Entwicklung des Kreises“ dienen, wie es in der Beschlussvorlage heißt (wir berichteten). Ziel ist es, dem Kreis ein Profil zu geben, damit er sich im Wettbewerb um Unternehmen und Fachkräfte gegen andere Regionen behaupten kann und auch in 20 Jahren als Wohn- und Lebensraum konkurrenzfähig ist. Dabei stehe der Wirtschaftsstandort im Vordergrund, es sei jedoch ebenso wichtig, die Lebensqualität zu steigern, so Pascal Ledune, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises (WFG). Neben Schwerpunkten wie „Bildung und Wissenschaft“, Mobilität und Infrastruktur werde auch eine „attraktive Tourismusregion“ berücksichtigt. Die WFG hat die Federführung der Zukunftsstrategie übernommen. Finanziert wird die Entwicklung des Konzepts mit dem WFG-Tourismusbudget in Höhe von 35  000 Euro. Das Geld hatten bislang die LTOs für übergreifende Projekte erhalten. Dass es nun anders verwendet werde, sei zu verkraften, so Ledune im Ausschuss. „Es war immer schwierig, Rendsburg-Eckernförde insgesamt als Marke zu verkaufen.“ Deshalb haben sich auch kaum gemeinsame Projekte der drei unterschiedlichen Tourismusregionen innerhalb des Kreises finden lassen.

Das sehen die LTO-Geschäftsführer anders. In einer Stellungnahme hatten sie sich bereits im Vorfeld an die Mitglieder des Ausschusses gewandt. Darin unterstrichen sie die Relevanz des Fremdenverkehrs für den Wirtschaftsstandort. „Wir appellieren eindringlich an Sie, auch weiterhin die Zukunftsbranche Tourismus mit finanziellen Mitteln zu unterstützen“, heißt es in dem Schreiben. Vergeblich – der Ausschuss stimmte mit acht Ja- zu fünf Nein-Stimmen für den Antrag. Vorher hatte sich Martin Tretbar-Endres von der SPD zwar für das Zukunftskonzept ausgesprochen, „die Finanzmittel dafür sollten aber nicht den Lokalen Tourismusorganisationen genommen werden“.

„Mir erschließt sich nicht, weshalb für das Zukunftskonzept die Tourismusmittel gestrichen werden“, sagte auch Monika Heise, Geschäftsführerin der „Tourismus Mittelholstein“ auf Nachfrage der Landeszeitung. Es sei zwar richtig, dass die drei LTOs zum Teil unterschiedliche Zielgruppen bedienen, doch es gebe auch Gemeinsamkeiten, etwa den Radtourismus. Der Geschäftsführer der LTO „Eckernförder Bucht“, Stefan Borgmann, erklärte, dass das Geld in der Vergangenheit vor allem in gemeinsame Marketingmaßnahmen geflossen sei. Dazu gehörten etwa Präsentationen auf Reise-Messen oder die Herstellung von kurzen Werbe-Filmen und Fotos.

Das müssen die Organisationen nun aus ihren eigenen Budgets bezahlen. Die wurden ihm zufolge jedoch auch in den vergangenen Jahren immer geringer. Etwa durch den Ausstieg des Kreises aus dem Tourismus-Anlaufpunkt Redderhus und den Regionalverbänden Ostsee-Holstein-Tourismus und Schleswig-Holstein-Binnenland-Tourismus im Jahr 2012. „Der Kreis zieht sich aus dem letzten großen Wirtschaftsbereich zurück – das ist bedauerlich“, sagte Borgmann. Auch Monika Heise sieht das so: „Bei der Kürzung von Marketing-Mitteln sind die Folgen nicht unmittelbar erkennbar – es ist eben schwer darzustellen, dass die Region profitiert, wenn in Tourismus investiert wird.“

Mit ihren Geschäftsführer-Kollegen weist Heise darauf hin, dass die Tourismusbranche im Kreis mit 8500 Vollzeitbeschäftigten „einen großen Anteil am Volkseinkommen“ habe. Der Wirtschaftszweig habe im Gegensatz zu anderen Branchen konkrete Wachstumsaussichten. Er sei zwar von öffentlicher Unterstützung abhängig, die aber „über das Steueraufkommen um ein Vielfaches wieder eingenommen“, werde.

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