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Prozess gegen Mann aus Rendsburg : Tot nach 20 Hieben mit Stechbeitel

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein 45-Jähriger muss sich vor dem Kieler Landgericht verantworten. Er soll im November 2015 einen Zechkumpan schwer am Kopf verletzt haben.

shz.de von
erstellt am 24.Jun.2016 | 20:00 Uhr

Auftakt im Prozess um eine grauenvolle Tat: Einem 45-jährigen Mann aus Rendsburg wird vorgeworfen, einen ebenfalls 45-Jährigen so schwer verletzt zu haben, dass der am nächsten Tag in der Klinik starb. Mit einem Stechbeitel soll der mutmaßliche Täter 20 Mal auf den Kopf des Opfers eingestochen haben. Die Tat ereignete sich am 6. November vergangenen Jahres in einem Mehrfamilienhaus in der Rendsburger Boelckestraße. Damals hatte ein Großaufgebot aus Polizei und Rettungskräften für Aufsehen gesorgt.

Die Anklage vor der achten großen Strafkammer des Landgerichts Kiel lautet auf Totschlag. Tatort war die Wohnung eines Freundes (52) des Beschuldigten. Beide hatten bereits morgens gemeinsam eine Flasche Wodka geleert, wie der Freund gestern im Zeugenstand aussagte. Gegen Mittag sei das spätere Opfer, ein Wohnungsnachbar, dazu gekommen. Mit ihm zechte der Beschuldigte weiter, sie tranken Korn mit Cola, während der 52-Jährige fernsah. Dann sei es zum Streit gekommen, der Angeklagte habe den Nachbarn angegriffen. Als der zu Boden ging, habe der 45-Jährige plötzlich den Stechbeitel in der Hand gehabt. Es handelt sich um ein scharfkantiges Werkzeug zur Holzbearbeitung ähnlich eines Meißels. Während der Zeuge von zwei bis drei Hieben sprach, ist im Bericht der Rechtsmedizin von 20 Hieben die Rede. Darauf bezieht sich die Anklage, die dem mutmaßlichen Täter vorwirft, das Werkzeug mit „hoher Kraft gegen den Kopf“ des Opfers geführt zu haben, „so dass der Beitel durch den Schädel bis in das Gehirn eingedrungen sein soll und dieses irreparabel geschädigt“ wurde. Der Zeuge will den Täter dann festgehalten haben. Der 52-Jährige identifizierte den Angeklagten gestern eindeutig, die Tat begangen zu haben. Der Beschuldigte schweigt jedoch zu den Vorwürfen. Bei dem Opfer handelt es sich um einen gelernten Einzelhandelskaufmann aus Rendsburg. Seine beiden Schwestern treten als Nebenklägerinnen auf.

Der mutmaßliche Täter ist Polizei und Gerichten aus zahlreichen Vergehen bekannt. Der 45-Jährige befindet sich seit seiner Jugendzeit im Drogenmilieu. Nach seinem Sonderschulabschluss an der Heinrich-de-Haan-Schule begann er eine Lehre zum Maler und Lackierer, die er aber abbrach. Nach einigen Gelegenheitsjobs ist er nie wieder einer regelmäßigen Arbeit nachgegangen. Im Jahr 2000 wurde er Vater einer Tochter, die jedoch bei ihrer Mutter und deren Lebensgefährten lebt. Richter Jörg Brommann listete kaum zählbare Verurteilungen auf. Wegen seiner Heroin-, Kokain- und Tablettensucht fiel der Angeklagte seit 1993 immer wieder wegen Beschaffungskriminalität auf. In den meisten Fällen handelte es sich um Diebstähle und Einbrüche in Apotheken. Der Suchtdruck brachte ihn teilweise dazu, mehrere Einbrüche in derselben Nacht in denselben Apotheken zu begehen, obwohl er dort bereits von der Polizei auf frischer Tat ertappt worden war. Auch die Imland-Klinik war Ziel seiner Touren. Wer sich dem kräftigen Mann bei Diebstählen in den Weg stellte, wurde von ihm bedroht. Das wirft ihm die Anklage zumindest ebenfalls vor. Wegen drei solcher Taten Ende 2014 und Anfang 2015 sollte vor dem Amtsgericht Rendsburg verhandelt werden, doch der Totschlagsvorwurf kam dazwischen. Deshalb wurden die Anklagepunkte übernommen. Demnach war der mutmaßliche Täter auf Diebestour in den Edeka-Läden an der Schleswiger Chaussee sowie an der Konrad-Adenauer-Straße und hat zudem einen Nachbarn angegriffen.

„Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich so viel Hass gesehen habe“, sagte der Zeuge gestern. „So einen Menschen muss man töten“, habe der Angeklagte damals gesagt, als er von dem 52-Jährigen festgehalten wurde. Aus diesem Grund regte der Anwalt der Nebenklage, Gerd-Manfred Achterberg, gestern an, dass das Gericht beim nächsten Verhandlungstermin am 4. Juli prüfe, ob das Tatmerkmal Mordlust aus niederen Beweggründen vorliegt. Richter Brommann dazu: „Ich sehe das Merkmal Mordlust in diesem Fall definitorisch nicht erfüllbar.“

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