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Landgericht : Tödliche Schüsse in der Autowerkstatt: Mord oder Notwehr?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

34-Jähriger gesteht Attacke auf seinen Schwager in einer Rendsburger Werkstatt, bestreitet aber Vorsatz.

Er hat gestanden. Armen M. gab gestern vor der achten großen Strafkammer des Landgerichts Kiel zu, am 6. August 2016 in Rendsburg seinen Schwager Arman H. mit Schüssen in den Kopf getötet zu haben. „Mir tut das unendlich leid“, betonte er in einem mehrseitigen schriftlichen Geständnis, das sein Anwalt Dirk Meinicke zum Prozessauftakt vorlas. Der Angeklagte betonte darin aber auch: „Ich hatte zu keinem Zeitpunkt die Absicht, Arman zu töten.“ Die Tat sei nicht geplant gewesen.

Oberstaatsanwalt Achim Hackethal hatte den 34-jährigen Husumer wegen heimtückischen Mordes angeklagt. Demnach soll Armen M. seinen Schwager an dem Sonnabend gegen 16 Uhr in einer Autoreparaturhalle an der Friedrichstädter Straße aufgesucht haben. Unbemerkt soll er zu einem Mercedes gegangen sein, in dem Arman H. bei geöffneter Tür auf dem Fahrersitz saß. Mit einer halbautomatischen Kurzwaffe des Typs Walther PPK 7,65 schoss er ihm dreimal in den Kopf. Zwei Kugeln durchschlugen den Kopf, eine blieb stecken. Das Opfer erstickte an seinem Blut. Die Staatsanwaltschaft warf Armen M. zudem vor, die Waffe ohne Genehmigung geführt zu haben.

Dem Geständnis zufolge brachte allerdings nicht der Angeklagte die Pistole zum Tatort mit. Als Armen M. seinen Schwager in der Halle wegen eines Streits zur Rede stellte, habe der nur gelacht. Armen M. hatte den Eindruck, dass Arman H. unter Drogen stand. Plötzlich richtete der eine Pistole auf ihn und sagte: „Ich werde dich jetzt umbringen.“ Der Angeklagte entriss ihm die Waffe und richtete sie gegen ihn. Daraufhin ließ sich Arman H. von Artur G. auf dem Beifahrersitz eine zweite Pistole geben. Als der Angeklagte sah, wie Arman H. sie durchlud und eine erneute Todesdrohung hörte, schoss er ihm nach eigener Darstellung in panischer Angst in den Kopf.

Der Angeklagte berichtete, dass er in Armenien das Studium des Finanzwesens mit einem Diplom abgeschlossen habe. In Russland lernte er Arman H. kennen und heiratete später dessen Schwester. Ende 2014 besuchte er ihn in Deutschland. Nachdem die armenische Polizei gegen Demonstranten vorging, sei er im Juli 2015 nach Deutschland geflohen und habe Asyl beantragt. Die Freundschaft zu Arman habe sich seither verschlechtert, da der ihn immer stärker dazu drängte, sich an Straftaten wie Autodiebstählen und Einbrüchen zu beteiligen. Als sich Armen M. weigerte, drohte sein Schwager damit, seiner Mutter, seiner Frau und ihm etwas anzutun. Armen M. vertraute sich daraufhin im Juni 2016 einem Polizeibeamten in Brunsbüttel an, berichtete ihm von den Drohungen, geplanten Straftaten und Waffenlagern im Bereich Rendsburg. Der Beamte sagte gestern aus, dass er die Angelegenheit an die zuständige Dienststelle weitergeleitet habe. Der Verteidiger bedauerte aber, dass er nicht ein Verfahren eingeleitet habe, und warf ihm eine Vernachlässigung der Pflichten vor. Das Kommissariat Itzehoe nahm zwar Kontakt zu Armen M. auf, doch der fühlte sich schutzlos.

Ein Streit um ein goldenes Armband, das die Mutter des Angeklagten ihm zur Hochzeit geschenkt hatte, ließ den Streit eskalieren. Arman H. lieh es sich aus, um es in einem Leihhaus zu verpfänden, gab es aber nicht zurück. Daraufhin stellte der Angeklagte ihn in Rendsburg zur Rede, wobei es zu dem Schusswechsel kam. Die Verhandlung soll am Mittwoch, 10. Mai, ab 9 Uhr im Saal 232 fortgesetzt werden.

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