Streit in Rendsburg : Tödliche Attacke auf offener Straße

Polizeispürhund „Tara“ schnüffelt am Tatort nach der Tatwaffe.  Fotos: JH Frank (4)
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Polizeispürhund „Tara“ schnüffelt am Tatort nach der Tatwaffe. Fotos: JH Frank (4)

25-Jähriger stirbt nach Messerangriff in der Boelckestraße. Richter erlässt gegen 45-jährigen Tatverdächtigen Haftbefehl.

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15. Juni 2018, 10:16 Uhr

Rendsburg | Ein roter Fleck prangt auf einem Fußweg, der von der Boelckestraße im Rendsburger Stadtteil Kronwerk-Nord zu einem zurückliegenden Mehrfamilienhaus mit den Nummern 2 bis 10 führt. Gehwegplatten, der Kantstein und Grasbüschel sind dunkel verfärbt. Ein Kripo-Beamter beugt sich hinunter und nimmt den Fleck in Augenschein, bei dem es sich vermutlich um eine Blutlache handelt. Nummerierte Kreidezeichnungen daneben zeugen von der Arbeit der Spurensicherung.

„Die waren von 5 bis 9 Uhr da“, berichtet Nachbar Wolfgang Klockgether. Der 71-Jährige hat von seiner Wohnung in einem gegenüberliegenden Mehrfamilienhaus nicht nur die Flensburger Straße, sondern auch den Tatort gut im Blick. Die Martinshörner schreckten ihn am Mittwochabend hoch. Die Tat sah er nicht, aber einen schwer verletzten Mann. „Der lag auf dem Rasen.“

Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei kam es vermutlich gegen 21 Uhr auf offener Straße zu einer Auseinandersetzung zwischen einem 45 Jahre alten Kasachen und einem 25-Jährigen, der wahrscheinlich aus Albanien stammt. Die Gründe sind unklar. Der Streit gipfelte nach ersten Ermittlungen darin, dass der Ältere mit einem Messer auf den Jüngeren einstach. Der 25-Jährige starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Der mutmaßliche Täter flüchtete, wurde aber kurze Zeit später in der Nähe festgenommen. Hinweise von Zeugen hatten die Beamten auf seine Spur geführt. Der 45-Jährige wurde am Nachmittag einem Richter vorgeführt. Dieser erließ einen Untersuchungshaftbefehl wegen Totschlags.

Am Vormittag waren etwa zwölf Einsatzkräfte in Zivil vor Ort. Angehende Polizisten von der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung in Eutin unterstützten die Kripo. Sie gingen von Haus zu Haus und befragten die Nachbarn. „Ist Ihnen zwischen 18 und 22 Uhr etwas Verdächtiges aufgefallen?“ Jeweils ein Beamter aus Flensburg, Brunsbüttel und von der Autobahnpolizei Bad Oldesloe rückte mit einem Personenspürhund an. Die ausgebildeten Vierbeiner sollten bei der Suche nach der Tatwaffe helfen. Die Hundeführer setzten sie im direkten Umfeld des Tatorts und in benachbarten Straßen wie der Hirthstraße und der Richthofenstraße ein. Oberstaatsanwalt Axel Bieler aus Kiel sagte: „Es könnte auch ein anderes Tatwerkzeug gewesen sein. Aber unsere Arbeitshypothese ist, dass es ein Messer war.“

Die Polizei bittet Zeugen, sich unter der Rufnummer 0431/160 33 33 zu melden.

Tatort BoelckeStrasse in Kronwerk-nord

Die Boelckestraße in Kronwerk-Nord ist nicht zum ersten Mal Schauplatz von gewalttätigen Auseinandersetzungen:

> Am 29. September 2009 wird ein 48-Jähriger von zwei jüngeren Männern unvermittelt mit einem Baseballschläger attackiert. Das alkoholisierte Opfer kommt leicht verletzt davon.

> Am 1. Februar 2012 verletzt ein 22-jähriger Rendsburger einen 31-jährigen Hausbewohner mit einem Messerstich schwer. Der Tatort liegt in einem Mehrfamilienhaus.

> Am 6. November 2015 geraten Nachbarn in einer Mietwohnung in Streit. Ein 45-Jähriger sticht mit einem spitzen Werkzeug 28 Mal auf seinen gleichaltrigen Widersacher ein. Das Opfer stirbt, der Täter muss elf Jahre ins Gefängnis.

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