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Landeszeitung

18. August 2017 | 19:12 Uhr

Enten-Drama : Todesfalle Angelschnur

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Eckernförder entdeckt zwei übel verknotete Eiderenten. Nur eines der schwer verletzten Tiere überlebt.

Ein kleines Enten-Drama hat sich bereits am vergangenen Freitag am Hundestrand vor der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD 71) abgespielt. Marcel Winter war gerade gegen 15.30 Uhr mit seinem Sohn Emil Richter und seinen beiden Hunden am Hundestrand unterwegs und befand sich schon auf dem Rückweg fast auf der Promenade, als sein Labrador-Mischling anschlug und sich gar nicht mehr beruhigte. Er hatte Witterung aufgenommen. Marcel Winter kehrte um, ging zum Strand und entdeckte dort ein gefiedertes Knäuel, „das im Wasser herumflatterte“: zwei Eiderenten-Weibchen hatten sich mit einer extrem gespannten und in sich verknoteten Angelschnur verheddert, ein Wobbler ohne Haken hing mit in diesem „Paket“, aus dem Schnabel einer Ente schaute ein Stückchen Angelschnur heraus, tief im Schlund steckte ein Blinker. Ein erschütternder Anblick für den 30-jährigen Helfer. Marcel Winter machte sich sofort ans Werk. Er zog die zusammengeschnürten, noch lebenden und sehr aufgeregten Enten ans Ufer. Eine Ente befand sich über, die andere unter Wasser und hätte nicht mehr lange überlebt. Etwa 15 Meter Angelschnur trieben lose im Wasser. Winter versuchte die straff um die Leiber gezurrte Angelsehne mit einer scharfkantigen Muschel zu durchtrennen – vergebens. Ein Strandbesucher reichte Winter ein Taschenmesser, damit gelang es ihm, Rumpf, Flügel und Beine jedenfalls ein wenig zu befreien. Mehr war vor Ort nicht möglich, und die Hälse der Wildenten waren noch straff umschlungen, so der hilfreiche Eckernförder.

Die um Hilfe gebetene Polizei versuchte einen Jäger zu erreichen und hat sich anschließend um jemand Fachkundigen vom Naturschutzbund (Nabu) bemüht. Um den Tieren eine Wartezeit zu ersparen, hat Marcel Winter die beiden Enten kurzentschlossen in ein Handtuch gehüllt, in die Tasche des Buggys gesteckt und ist zu Fuß vom Hundestrand mit seinem zweijährigen Sohn und seinen beiden Hunden zur etwa zwei Kilometer entfernten Tierarztpraxis Heldt in die Rendsburger Straße marschiert – dort lässt er auch seine beiden Hunde behandeln. Marie-Luise und Carsten Heldt nahmen sich sofort der beiden Tiere an. Eine der beiden Enten hatte sehr tiefe und schwere Schnittverletzungen, so dass sie von seinen Schmerzen erlöst werden musste. Tief im Kropf des Tieres steckte zudem ein Blinker mit Haken, sagte Marie-Luise Heldt. Die andere Wildente konnten die beiden Tiermediziner retten und die Wunden versorgen. Nachdem sich die Ente wieder ein wenig erholt hatte, brachte Tierärztin Heldt sie wieder an den Fundort zurück, wo sie in die Freiheit entflattern konnte. Die Behandlungskosten seien, wie üblich bei größeren Fundtieren, zu einem Sonderpreis für den Tierschutzverein durchgeführt worden.

Die Polizei erklärte auf Anfrage, dass sie sich auch um Tiere kümmere. Es komme immer auf den Einzelfall an, ob die Beamten selbst die Tiere anfassen dürfen oder, wie in diesem Fall, entsprechende Hilfeleistungen veranlassen. Taucher Sönke Staack, der den Vorfall miterlebt hat, findet bei seinen Tauchgängen des Öfteren abgerissene oder von Anglern abgeschnittene Angelschnüre mit Blinkern, Haken und Blei „oder andere no go’s“.

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erstellt am 07.Jun.2017 | 12:23 Uhr

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