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Fockbecker vor Gericht : Tod im Rendsburger Finanzamt: Schütze will Geständnis ablegen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter Olaf Lauenroth beginnt am Mittwoch. Laut Verteidiger wird der Fockbeker ein Geständnis ablegen.

Alle Augen auf den Mann im Rollstuhl – ab Mittwoch bekommt Olaf Lauenroth noch einmal die volle Aufmerksamkeit. Sie hat der Fockbeker stets gesucht und genossen. Als Laienschauspieler auf der Niederdeutschen Bühne, als Vielschreiber von Leserbriefen, als Bewerber um das Bürgermeisteramt, als stadtbekannter Querulant. Sechs Monate und zehn Tage nach den tödlichen Schüssen auf einen Finanzbeamten in Rendsburg muss sich der 55-jährige Steuerberater und Fockbeker Gemeindevertreter vor dem Kieler Landgericht verantworten.

Fünf Verhandlungstage sind angesetzt. Gleich zum Auftakt am 11. März wird Lauenroth ein Geständnis ablegen. Das kündigte der Lübecker Verteidiger des Angeklagten gegenüber der Landeszeitung an. Sein Mandant werde die Verantwortung übernehmen, die tödlichen Schüsse auf den Finanzbeamten abgegeben zu haben, sagte Frank-Eckhard Brand. Lauenroth wolle sich zur Tat und zum Ablauf der Ereignisse am 1. September 2014 äußern – jedoch nur soweit, „wie er sie noch auf dem Schirm hat. Mit dem Streit endet seine aktive Erinnerung. Er kann sich nicht erklären, was ihn dazu hingerissen hat, so etwas zu tun“, sagte Brand. „Er weiß auch nicht mehr, wie die Schüsse gefallen sind.“ Gegenüber der Polizei habe Olaf Lauenroth bereits ein Geständnis abgelegt, so der Verteidiger.

Für die Beweisaufnahme sind 16 Zeugen geladen. Am ersten Prozesstag ist die Vernehmung von zwei Zeugen vorgesehen. Die Witwe des getöteten Beamten ist in dem Verfahren Nebenklägerin. Ein psychiatrischer Gutachter wird zur Persönlichkeit des Angeklagten und zur Frage der Schuldfähigkeit Stellung nehmen. Dieser Aussage dürfte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann hohe Bedeutung beimessen. Die mentale Verfassung des Angeklagten zur Tatzeit könnte den Ausschlag geben, ob die Tat als Mord oder als Totschlag gewertet werden wird. Ein Mörder muss laut Gesetz lebenslänglich hinter Gittern. Die Entlassung auf Bewährung wäre frühestens nach 15 Jahren möglich. Das Strafmaß für Totschlag bewegt sich zwischen fünf und 15 Jahren. In besonders schweren Fällen kann aber auch hier, wie bei einem Mord, eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt werden.

Ist Lauenroth mit dem festen Vorsatz in das Finanzamt gegangen, den Beamten zu töten? Diese Frage wird im Zentrum des Prozesses stehen. Die Ankläger werfen Lauenroth Mord aus Heimtücke vor. Spätestens am Morgen des 1. September habe er den Entschluss gefasst, den 57-jährigen Wolfgang B. in dessen Büro zu erschießen, heißt es aus der Staatsanwaltschaft. Nach LZ-Informationen wurde der Sachgebietsleiter von drei Schüssen aus einer Pistole getroffen. Eine Kugel traf den Steueroberamtsrat von vorne an der Leiste, zwei weitere von der Seite und von hinten, beide am Oberkörper. Ein von der Anklagebehörde in Auftrag gegebenes Schussentfernungsgutachten soll helfen zu rekonstruieren, was sich im Erdgeschoss der Behörde an der Kieler Straße abspielte. Olaf Lauenroth wurde kurz nach der Tat im Büro festgenommen. Die Waffe hielt er dem Vernehmen nach noch in der Hand. Auf den Beamten soll er nach einem kurzen und lautstarken Streit unvermittelt gefeuert haben. Das wehrlose Opfer erlag seinen schweren Schussverletzungen wenig später in der Imland-Klinik.

Brand ist bereits der zweite Pflichtverteidiger, der Lauenroth vertritt. Ein Anwalt aus Neumünster legte das Mandat nieder, nach Angaben seines Nachfolgers einvernehmlich. Die Entfernung zwischen Neumünster und Lübeck, wo Lauenroth im Gefängnis sitzt, sei zu groß gewesen, so Brand. Er selbst komme mit seinem Mandanten auf sachlicher Ebene gut klar, erklärte der Jurist, der vor Jahren die Opferseite nach der tödlichen Schnapsvergiftung von Lübecker Schülern in der Türkei verteidigte. „Ich bin nicht da, um Olaf Lauenroths verschrobene Weltansicht zu unterstützen“, sagte Brand. Er habe darauf zu achten, dass das Verfahren aus rechtsstaatlicher Sicht einwandfrei ablaufe. „Ich muss diese Tat nicht rechtfertigen, ich muss sie nicht gutheißen, das will ich auch nicht.“

 

Bundesweites Interesse am Prozess in Kiel

Das Interesse am Lauenroth-Prozess ist groß. Journalisten und Fernsehanstalten aus ganz Deutschland wollen ab Mittwoch über die Hauptverhandlung vor der 8. großen Strafkammer des Landgerichts (Harmsstraße 99-101) berichten. Der Nachrichtensender N24 hat sich mit einem Übertragungswagen angekündigt. Im Schwurgerichtssaal (Raum 232) wird nach Angaben von Gerichtssprecherin Rebekka Kleine die Hälfte von 40 bis 50 Sitzplätzen für Medienvertreter vorgehalten. „Ein so großes Interesse an einem Prozess kommt in Kiel vielleicht ein- oder zweimal im Jahr vor“, sagt sie.

Zu denen, die sich am Mittwoch aus Fockbek auf den Weg nach Kiel machen, zählt Bürgermeister Holger Diehr. Sein Büroleiter Bernd Brommann begleitet ihn. Am 16. März wolle er den Fockbeker Hauptausschuss über den Prozess informieren, sagt der Verwaltungschef. „Mich interessiert auch, wie Lauenroth sich vor Gericht verhält“, so Diehr. Er werde die Verhandlung in getrübter Stimmung verfolgen.  Olaf Lauenroth ist noch immer Mandatsträger in Fockbek. Die Beschlüsse und Protokolle der Gemeindevertretung werden ihm deshalb in die JVA nach Lübeck geschickt.

Folgende Prozesstermine sind anberaumt: 11. März, 9.15 Uhr; 12. März, 9.15 Uhr; 19. März, 9.15 Uhr; 26. März, 9 Uhr; 30. März, 9 Uhr.
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erstellt am 05.Mär.2015 | 18:31 Uhr

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