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Fussball-Verbandsliga : Titelkandidat? Nein danke!

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

21von 30 möglichen Punkten holte der Osterrönfelder TSV und ist nach einem desolaten Saisonstart auf Rang drei der Fußball-Verbandsliga Nord-Ost geklettert. Als Spitzenteam sieht Trainer Olaf Lehmann seine Mannschaft dennoch nicht.

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erstellt am 08.Okt.2014 | 22:00 Uhr

Gerade einmal acht Wochen ist es her, dass man sich um den Osterrönfelder TSV größte Sorgen machen musste. Die beiden Auftaktpartien der neuen Saison der Fußball-Verbandsliga Nord-Ost gingen verloren, die Mannschaft präsentierte sich in einem desolaten Zustand. Als „nicht ligatauglich“ bezeichnete Trainer Olaf Lehmann damals sein Team. Nachdem ein Drittel der Saison gespielt ist, hat sich dieses Bild ins Gegenteil verkehrt. Der OTSV hat einen Erfolgsweg eingeschlagen, der ihn bis auf Rang drei in der Tabelle geführt hat. LZ-Redakteur Tobias Stegemann sprach mit Olaf Lehmann über die Gründe des Höhenflugs und wie es am Bahndamm mittelfristig weitergehen kann.

Herr Lehmann, Ihre Mannschaft hat den besten Saisonstart seit vier Jahren hingelegt. Werden Ihnen die Erfolge der letzten Wochen langsam unheimlich?

Lehmann: Nein, unheimlich wird mir das nicht. Wir sind froh über die Punkte, die wir nun schon haben. Aber deswegen werden wir sicherlich nicht unsere Saisonziele korrigieren. Je früher wir die nötigen Punkte für den Klassenerhalt haben, desto besser. Uns ist bewusst, dass es auch wieder Niederlagen geben wird.

Klingt nach etwas zu viel Zurückhaltung angesichts der Bilanz.

Es ist ja so, dass wir zwei Spiele auch erst in der letzten Minute gewonnen haben. Das war schon ein wenig glücklich, und dieses Glück wird sich innerhalb einer Saison auch relativieren.

Wie viel Glück war in den Spielen denn grundsätzlich dabei?

Das ist schwer zu sagen. Es spricht für uns, dass wir diese Spiele (gegen Kilia Kiel und TSV Klausdorf, d. Red.) noch gedreht haben. Gerade gegen Klausdorf habe ich eine Mannschaft gesehen, die sich gegen die Niederlage gestemmt hat. In der zweiten Halbzeit hatte Klausdorf spielerisch nichts mehr entgegenzusetzen, und wir haben aus dem 0:2 dann verdient ein 3:2 gemacht. Grundsätzlich ist es für mich wichtig, dass man auf dem Platz Spieler sieht, die eine Reaktion zeigen und beißen. Ich will Leute sehen, die ein Spiel immer mit aller Macht gewinnen wollen.

Kann man diesen Willen und diesen Biss erlernen oder trainieren? Oder ist das vom Charakter der einzelnen Spieler abhängig?

Ich glaube schon, dass man darauf Einfluss nehmen kann. Sicherlich braucht man Leute, die ein gewisses Maß an Eigenmotivation haben und ihre Mitspieler motivieren können. Man muss das als Trainer aber auch vorleben. Wenn man während eines Spiels merkt, dass die Truppe Hilfe braucht, muss man an der Linie auch mal Rabatz machen.

War das Spiel gegen den damaligen Tabellenführer Kilia Kiel (3:2-Sieg nach 0:2, d. Red.) ein Wendepunkt in der Saison?

Ich mache diesen Aufwärtstrend nicht an einem Spiel fest. Wir sind einfach superschlecht gestartet und hatten aus verschiedenen Gründen wahrlich keine gute Vorbereitung. Es konnte einfach nicht schlechter werden. Nach der Fertigstellung unseres Kunstrasenplatzes sind die Bedingungen nun wesentlich besser. Wir können drei Mal in der Woche trainieren und das zumeist mit dem gesamten Kader. Diese intensive Arbeit zahlt sich nun aus.

Ab welcher Punktzahl korrigieren Sie denn das Saisonziel?

Wenn wir genug Punkt haben, um nicht mehr absteigen zu können, gebe ich einen Platz im gesicherten Mittelfeld als Ziel aus (lacht). Wir genießen das im Moment, ohne Frage. Das Klima innerhalb der Mannschaft ist natürlich ein ganz anderes, als wenn man unten stehen würde.

Die Transfermöglichkeiten in Osterrönfeld sind begrenzt. Dennoch haben Sie den Kader im Sommer nicht nur ergänzt, sondern auch verstärkt.

Das stimmt auf jeden Fall. Marcel Eiper macht seine Sache im Tor sehr ordentlich. Bei Max (Lehmann, d. Red.) ist es so, dass er seine Aufgabe immer erledigt. Wer etwas Ahnung vom Fußball hat, sieht das. Wer sie nicht hat, sieht das nicht, weil diese Leute immer drauf achten, ob jemand drei Übersteiger macht. Er macht nicht die großen Zirkusnummern nach vorne, aber spielt eben sehr positionstreu. Das ist wichtig für die Stabilität. Kevin Rathjen und Johannes Persecke bringen uns spielerisch voran. Schade, dass sie noch nicht bei hundert Prozent sind. Johannes schlägt sich immer noch mit den Nachwehen seines Kreuzbandrisses herum, und Kevin war auf einem sehr guten Weg zurück zu seiner alten Stärke. Der Bänderriss jetzt ist daher doppelt bitter.

Gerade erst wurde ein Kunstrasenplatz geschaffen. Die Jugendmannschaften von der D- bis zur A-Jugend spielen in der Verbandsliga. Die zweite Mannschaft ist Tabellenführer der Kreisklasse und ihr Team tummelt sich in der Verbandsliga in der Spitzengruppe. Ist das ein glücklicher Zufall oder entsteht in Osterrönfeld gerade etwas?

Als ich vor knapp zwei Jahren hier anfing, haben ich gesagt, dass in Osterrönfeld Potenzial vorhanden ist. In unserem Nachwuchsbereich wird hervorragende Arbeit geleistet. Unser finanzieller Spielraum ist begrenzt. Da ist die Jugendarbeit sehr wichtig für den Verein. Und darum ist es so wichtig, dass wir in der Verbandsliga bleiben, um den jungen, nachrückenden Spielern eine Perspektive bieten zu können – da sind gute Jungs dabei.

Inwieweit stellt Sie persönlich der Ist-Zustand zufrieden?

Natürlich ist das für mich schön, auch wenn ich nach außen nicht der Strahlemann bin. Die Jungs aber wissen, dass ich mich freue. Selbst wenn man als Trainer immer Punkte zur Verbesserung sieht.

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