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Rendsburger Eisenbahnhochbrücke : Titel für die Hochbrücke – und Pläne für ihren Ersatz

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Brücke ist zum „Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“ ernannt worden. Ministerpräsident Torsten Albig lobt die Leistung von Friedrich Voß – und kündigt an, einen Ersatz in den Verkehrswegeplan 2015 einzubringen.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2013 | 19:04 Uhr

Dass die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke mit ihrer Schwebefähre ein ganz einzigartiges Bauwerk ist, war schon vor 100 Jahren klar. Zum Jubiläum wird dies nun auch offiziell dokumentiert: Durch die Jubiläumsfeier, die künstlerische Beleuchtung und nun auch durch eine Auszeichnung. Gestern verlieh die Bundesingenieurkammer der „Eisernen Lady“ den Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“.

Auf der Veranstaltung im Kreishafen wollten die Lobeshymnen nicht enden. Von einer idealen Symbiose zwischen Form und Funktion war die Rede, von Respekt, Bewunderung und sogar von Liebe. Hans-Ullrich Kammeyer, der Präsident der Bundesingenieurkammer, gab allerdings zu, dass es nicht nur darum gehe, das außergewöhnliche Bauwerk und seinen Erbauer zu würdigen. „Wir müssen auch über uns und unseren Berufsstand reden“, sagte der Präsident, „wir brauchen viele junge und gute Ingenieure.“ Und die faszinierende Eisenbahnhochbrücke könne durchaus dazu beitragen, junge Ingenieure zu motivieren.

Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, ließ seiner Begeisterung freien Lauf: Die Brücke sei filigran und faszinierend, geprägt vom Geist, den ihr Friedrich Voß eingeflößt habe. Er wies auch darauf hin, dass das Bauwerk im Auftrag der Bahn aufwändig ertüchtigt wird. Spätestens 2016 sollen 835 Meter lange Güterzüge über den Kanal fahren können – und das mit Tempo 80. Als Vertreter der Deutschen Bahn erinnerte Michael Körber daran, dass die Brücke nicht nur ein technisches Wunderwerk, sondern auch ein immens wichtiger Teil der Infrastruktur zwischen Skandinavien und Mitteleuropa ist.

Worauf Ministerpräsident Torsten Albig zusteuerte, als er die Brücke als gute deutsche Wertarbeit und verlässlich bezeichnete, wurde schnell klar. „Wir ehren hier eher den genialen Baumeister Friedrich Voß als sein Werk“, sagte er, „davon sollten wir lernen.“ Nur wenige Kilometer entfernt gebe es mit der Rader Brücke ein Bauwerk, bei dem die Ingenieurleistungen nicht so gut gewesen seien. „Die Rader Brücke wurde schlicht gesagt mangelhaft erstellt. Nicht so, wie man es erwarten dürfte“. Albig aber nahm auch die eigene Zunft ins Visier, als er die Bauunterhaltung ansprach: „Es ist natürlich politisch nicht so reizvoll, Geld für etwas auszugeben, was man nicht unmittelbar sieht.“

Und Albig traute sich, auf der Feier für die Eisenbahnhochbrücke über ein Ersatzbauwerk zu sprechen. „Angesichts der erwarteten Verkehrsentwicklung ist es sinnvoll, über einen Ersatz für die beiden Brücken nachzudenken. Das werden wir in den Verkehrswegeplan 2015 einbringen.“ Ob es sich um einen kombinierten Tunnel oder eine andere Lösung handeln soll, ließ der Ministerpräsident offen.

Er dämpfte gleichzeitig auch die Erwartung, danach könne alles ganz schnell gehen. „Das Gebiet ist dicht besiedelt – heute ist es schwieriger, ein solches Projekt zu bewältigen als zu Kaisers Zeiten.“ Das liege auch an dem Anspruch, die Anwohner ernst zu nehmen und einzubinden. Im chinesischen Rechtssystem gehe so etwas natürlich schneller, sagte Albig, aber das sei nun einmal kein Maßstab in Schleswig-Holstein.

Zum Ende der Veranstaltung rückte wieder das Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in den Fokus – mit der Enthüllung einer kleinen Plakette mit dem neuen Titel – einem Vorgeschmack auf zwei 80x100 Zentimeter große Exemplare, die an den Pfeilern angebracht werden, sobald diese nicht mehr mit Planen verhüllt sind.

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