Schäferin Birgit Voigtländer : Tierisch langer Umzug mit 1000 Schafen und Ziegen

Mit 1000 Tieren quer durchs Land: Schäferin Birgit Voigtländer und ihre Herde sind im Sommer als Landschaftspfleger im Naturschutzgebiet Barker Heide (Kreis Segeberg) tätig. Im Winter sind die wolligen Rasenmäher auf mehreren anderen Weiden unterwegs. Deshalb ging's von Neumünster ins 16 Kilometer entfernte  Timmaspe im Kreis Rendsburg-Eckernförde.
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Mit 1000 Tieren quer durchs Land: Schäferin Birgit Voigtländer und ihre Herde sind im Sommer als Landschaftspfleger im Naturschutzgebiet Barker Heide (Kreis Segeberg) tätig. Im Winter sind die wolligen Rasenmäher auf mehreren anderen Weiden unterwegs. Deshalb ging's von Neumünster ins 16 Kilometer entfernte Timmaspe im Kreis Rendsburg-Eckernförde.

16-Kilometer-Wanderung zur nächsten Winterweide klappte gut – obwohl das Leittier ausgefallen war.

shz.de von
01. März 2014, 06:00 Uhr

Etwas mehr als fünf Stunden brauchten die 1000 Schafe von Birgit Voigtländer für die 16 Kilometer von Neumünster nach Timmaspe. Zwei Bahnübergänge und die Bundesstraße 430 hatten die Schafe auf ihrer Wanderung von einer Winterweide zur anderen zu überqueren. Auch die 40 Lämmer der Herde hielten gut mit, und so verlebten die Altdeutschen Hütehunde „Lotta“ und „Joe“ einen ziemlich geruhsamen Arbeitstag.

Startpunkt der großen Schafwanderung war eine Winterweide vor den Toren von Neumünster, wo die Herde von Birgit Voigtländer drei Wochen lang gegrast hatte. „Der März ist für mich die schwerste Zeit, weil mich da kaum noch Bauern auf ihre Koppeln lassen“, erklärte die Aukrugerin, deren Tiere ab April wieder ins Naturschutzgebiet Barker Heide (Kreis Segeberg) gebracht werden, wo sie den Sommer über als Landschaftspfleger eingesetzt werden. Das Angebot des Landwirts Sönke Mester, dessen Grünlandlandflächen in Timmaspe von ihren Schafen abgrasen zu lassen, kam Birgit Voigtländer deshalb wie gerufen, und darum nahm sie mit ihrer Herde auch den weiten Weg dorthin in Kauf. Nach zweieinhalb Stunden gab es bei den Schafen die ersten Ermüdungserscheinungen: „Einige waren ein bisschen kaputt, und darum haben wir erstmal eine halbe Stunde Pause gemacht.“ Für die 40 Lämmer im Alter von ein bis drei Wochen war der Marsch eine recht strapaziöse Angelegenheit. „Die ganze Herde hat zu lange an einem Ort gestanden, die sind alle nicht besonders gut in Form“, stellte Birgit Voigtländer fest und wies auf ein weiteres Problem hin: „Mein eigentliches Leitschaf hat selbst ein Lamm und hält sich deshalb lieber hinten in der Herde auf.“ Die 40 Ziegen der Schäferin übernahmen stattdessen die Vorhut. „Die Tiere sind halt so erzogen“, erläuterte Birgit Voigtländer, die seit 20 Jahren mit ihrer Herde durch die Lande zieht: „Wenn einer voraus läuft, dann laufen die anderen alle brav hinterher.“ Ein Herdentrieb, der auch beim Überqueren der Bundesstraße 430 bestens funktionierte. Birgit Voigtländer gab den Autofahrern Warnzeichen und ging mit „Lotta“ und „Joe“ voraus, und dann folgte das Defilee der 1000 Schafe. Der dadurch verursachte Stau auf der Bundesstraße hielt sich in Grenzen, denn es dauerte nur knapp vier Minuten. „Jetzt ist es nicht mehr so weit“, machte Birgit Voigtländer ihren Ziegen Mut, als die Herde die Friedenskirche von Wasbek passierte und durch die Hauptstraße Richtung Timmasper Weg zog. „Im Dorf sind keine Schafe in die Gärten abgehauen“, lobte Birgit Voigtländer ihre Tiere. Zwei Stunden später, nachdem die Herde durch die Feldmark und ein Waldstück zu ihrer neuen Weide weitergewandert war, machte die Schäferin Abstriche von diesem Lob: „Im Wald hatten einige dann absolut keine Lust mehr, und deshalb hat das dann doch etwas länger gedauert als geplant.“

In Timmaspe freute sich Sönke Mester über die Neuankömmlinge, die drei Wochen lang auf seinen Ländereien im Einsatz sein werden. „Das ist eine Win-win-Situation“, so der Landwirt, „wir hatten den letzten Schnitt Anfang Oktober, und nun müssen meine Flächen dringend abgeweidet werden, bevor wir Gülle fahren können.“

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