Tiere mit freundlichem Gemüt

Die Körkommission   Matthias Heinrich, Janine Bruser und  Christian Lorenzen-Nissen beim Prämieren der Züchter in der jünsten Altersklasse.  Jenny Jansen (4) präsentiert ihr Schaf mit dem Namen 'Lämmchen'.
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Die Körkommission Matthias Heinrich, Janine Bruser und Christian Lorenzen-Nissen beim Prämieren der Züchter in der jünsten Altersklasse. Jenny Jansen (4) präsentiert ihr Schaf mit dem Namen "Lämmchen".

Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schafzüchter und Tierpark Arche Warder hatten zum Schaftag eingeladen

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19. September 2012, 08:05 Uhr

Warder | "Schafe mähen besser". "Schafe - Tiere mit Familienanschluss": Slogans wie diese begleiteten die Besucher des Tierparks Arche Warder am Wochenende bei ihrem Rundgang. Der Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schafzüchter hatte zum Landschaftag eingeladen. Böcke und Schafe unterschiedlichster Rassen wurden gekört und ins Herdbuch aufgenommen. Aber auch das Publikum durfte wählen und unter den wolligen Schönheiten die Titel "Mr. und Mrs. Tierpark" vergeben.

Zahlreiche schleswig-holsteinische Züchter waren mit ihren seltenen und vielfach vom Aussterben bedrohten Tieren nach Warder gekommen. Die Körkomission mit Janine Bruser, Matthias Heinrich und Christian Lorenzen-Nissen bewertete die Tiere nach muskulärer Physis, Wolle und Gesamteindruck. Je höher die Punktzahl, desto wertiger das Schaf und desto gelungener die Zucht.

"Es ist wichtig, dass die alten Landschafrassen möglichst rein erhalten bleiben und die Standards eingehalten werden, sagt Peter Furck aus Haby, der mit seinen "Pommerschen" nach Warder gekommen war. Bei dieser Rasse konnte in den vergangenen 25 Jahren ein großer Zuchterfolg verzeichnet werden. Gab es Ende der 80er- Jahre gerade einmal noch 80 Tiere, hat sich der Bestand mittlerweile auf über 3800 erhöht. Für Furck ein großes Glück. "Alte Landrassen werden immer wieder in den bestehenden Genpool der kommerziellen Schafe eingepflegt, damit wieder reines Blut in die Linie kommt", erklärt er die Wichtigkeit, sich den seltenen Rassen zu widmen. "Außerdem sind sie genügsam und stehen sommers wie winters draußen - und sie schmecken eben auch gut", zeigt er sich schmunzelnd pragmatisch. Dass Landschafzucht dennoch eine Herzensangelegenheit ist, wird in Gesprächen mit Züchtern schnell klar. "Schafe sind tolle Tiere mit einem freundlichen Gemüt und irgendwie auch mit Familienanschluss", meint Annabell Wechselberg. Ihre Eltern züchten Fuchsschafe, ebenfalls eine bedrohte und seltene Art mit charakteristischer rot-brauner Färbung.

Selbst die jüngsten Schafbesitzer konnten bei der "Jungzüchterkörung" ihr Wissen rund um Heidschnucke, Kamerunschaf und Co. beweisen. Sie mussten sich - ähnlich wie zuvor die Großen - der Kommission stellen und neben der Begutachtung des Tieres einige Fragen beantworten. Jedes Kind konnte am Ende stolz eine Medaille mit nach Hause nehmen. Auch Jenny Jansen, mit gerade einmal vier Jahren eine der jüngsten Teilnehmerinnen, machte ihre Sache gemeinsam mit "Lämmchen" richtig gut. "Sie kümmert sich auch zu Hause um das kleine Schaf", berichtet ihre Mutter stolz.

Doch nicht nur die Zucht der Tiere ging es beim Schaftag. Auch die Wolle war ein zentrales Thema. Gruppen von Spinnerinnen aus allen Teilen Schleswig-Holsteins boten ihre selbst gemachten Produkte an. Neben dem Klassiker "handgestrickte Strümpfe" fehlte es an nahezu nichts, was das Schurwoll-Herz begehrt. Wer selbst einmal Dornröschen-Gefühle aufkommen lassen wollte, konnte sich selbst am Spinnrad versuchen und musste schnell feststellen, dass dieses Kunsthandwerk schwieriger ist, als es aussieht. Doch dank fachkundiger Hilfe von erfahrenen Spinnerinnen wie Heike Boll oder Petra Rahlf lief niemand Gefahr, wie im Märchen in einen tiefen Schlaf zu fallen.

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