Tierhospiz in Osterrönfeld : Tiere auf ihrem letzten Weg begleiten

Ihre elfjährige Hündin Jessie war für Manuela Jacobs der Anlass für eine Umschulung: von der Juristin zur Tierheilpraktikerin.
Ihre elfjährige Hündin Jessie war für Manuela Jacobs der Anlass für eine Umschulung: von der Juristin zur Tierheilpraktikerin.

Manuela Jacobs aus Osterrönfeld bietet einen besonderen Pflegedienst an: Sie leitet einen mobilen Hospizdienst für Tiere.

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24. Mai 2015, 06:00 Uhr

In Würde zu altern und den Lebensabend so angenehm wie möglich zu gestalten, ist ein Wunsch, den viele hegen. Pflegedienste und Hospize helfen jenen, die sich diesen Wunsch nicht mehr selbstständig erfüllen können – zumindest ist das bei Menschen so. Bei der Pflege von altersschwachen Senioren auf vier Pfoten gibt es wenig Hilfe. Dass diese aber gebraucht wird, hat Tierheilpraktikerin Manuela Jacobs festgestellt und bietet deshalb – vermutlich bundesweit als erste – einen Hospizdienst für Tiere an.

„Ich behandle zum großen Teil alte Patienten. Etwa 60 Prozent sind acht Jahre und älter“, berichtet Jacobs, die sich auf Hunde und Katzen spezialisiert hat. Aber nicht allein die Tiere stehen im Mittelpunkt ihrer Arbeit, die Osterrönfelderin ist auch eine Hilfe für deren Besitzer. Denn die stehen häufig, wenn das Leben ihrer Vierbeiner sich dem Ende neigt, vor einer schwierigen Entscheidung – wenn nämlich der Tierarzt zum Einschläfern rät. Darüber zu entscheiden, sei mit einer großen Verantwortung verbunden, meint Jacobs. Ihrer Erfahrung nach sind viele Halter mit dieser Situation überfordert, bereuen im Nachhinein, zu schnell in einer Praxissituation eine Entscheidung getroffen zu haben. In bestimmten Situationen sei das Einschläfern natürlich die beste Lösung: „Wenn man echtes Siechtum erlebt, zum Beispiel bei Tumorgeschwüren, sollte das besser heute als morgen geschehen“, erklärt sie. Aber in anderen Fällen bleibe manchmal mehr Zeit. „Wenn der Hund noch munter aus seinen Augen schaut, weiterhin Appetit hat, aber Pflege benötigt, dann komme und helfe ich. Ich möchte das Leben nicht über das Maß verlängern, aber Mensch und Tier doch so viel Zeit wie möglich zusammen geben.“

Die 47-Jährige hat während ihrer täglichen Arbeit eine Lücke in der Betreuung der Patienten festgestellt: Den Haltern mangelt es oft an Unterstützung bei der Pflege – sei es bei der chronischen Erkrankung ihres Vierbeiners, nach einer Operation oder eben im hohen Alter. Sie möchte durch ihre Beratung, aber auch durch tatkräftige Unterstützung den Alltag erleichtern: „Ich komme als Pflegekraft und setze um, was der Tierarzt für den Patienten vorsieht.“ Dabei kann die praktische Hilfe sehr unterschiedlich aussehen: Jacobs verabreicht Insulin, unterstützt beim Krallenschneiden oder schert das Fell. Zwei zupackende Hände sind manchmal von Nöten, wenn besonders große Tiere zum Arzt gebracht oder übergewichtige zur Bewegung animiert werden sollen. Wenn im Alter Appetit, Gedächtnis und Beweglichkeit sowie Seh- und Hörvermögen nachlassen, versucht Jacobs, mit praktischen Alltagstipps, Ernährungsberatung oder Akupunktur zu helfen.

Die gelernte Juristin hat selbst über ihre elfjährige Golden-Retriever-Hündin „Jessie“ ihre Begeisterung für tierische Gesundheitsthemen entdeckt. Nach einer Umschulung eröffnete sie 2010 ihre eigene Praxis in Osterrönfeld, war aber von Anfang an viel mit ihrer Fahrpraxis unterwegs, um vor Ort helfen zu können. Dass sie nun auch Sterbebegleitung übernimmt, ist einmalig. „Mir sind vergleichbare Angebote aus den USA bekannt, aber hier in Deutschland wüsste ich nicht davon“, sagt die Juristin. Der Hospizdienst sei eine zeitlich begrenzte Unterstützung, mal für eine Woche, mal für mehrere Monate. „Haustiere sind heutzutage Familienmitglieder, da haben viele Halter einen Tunnelblick. Ich als Außenstehende kann in bestimmten Situationen die Augen öffnen.“ So berichtet die Heilpraktikerin von einem Meerschweinchen mit Arthrose, das nicht mehr laufen konnte. „Da habe ich der Besitzerin gesagt, dass es so nicht weitergeht.“ Häufig sei viel Geduld und Zeit nötig, um den Besitzern gerecht zu werden. „Bestenfalls tut meine Arbeit nicht nur dem Tier gut, sondern auch den Menschen.“

> Infos auf www.tierisch-gesund.info.

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