Organspende : Tiefe Atemzüge mit der neuen Lunge

Dem Tod mehrmals von der Schippe gesprungen: Gunda Hesse hat trotz schwerer Krankheit nie ihren Optimismus verloren und ist heute so glücklich wie noch nie. Foto: Röhrs
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Dem Tod mehrmals von der Schippe gesprungen: Gunda Hesse hat trotz schwerer Krankheit nie ihren Optimismus verloren und ist heute so glücklich wie noch nie. Foto: Röhrs

Sie hat die tödliche Krankheit besiegt und ist heute so fit wie nie: Vor einem Jahr wurde Gunda Heese eine neue Lunge transplantiert. Der Spenderlunge verdankt sie ihr zweites Leben.

shz.de von
19. November 2012, 10:40 Uhr

Hohenaspe/Oldenbüttel | Fast 20 Jahre schlummerte in Gunda Heeses Körper eine tödliche Krankheit, ohne dass sie davon wusste. "Lungenhochdruck bedeutete damals noch ein Todesurteil, weil es kaum Medikamente gab", erklärt die gebürtige Oldenbüttelerin, die heute in Hohenaspe lebt. Mittlerweile ist sie 32 und so fit wie nie zuvor. Zu verdanken hat sie das ihrer neuen Lunge. Heute vor genau einem Jahr wurde ihr das Organ eingepflanzt.
Gunda Heese sprang dem Tod mehrfach von der Schippe. Als sie 1999 die Diagnose Lungenhochdruck erhielt und der Arzt ihr sagte, sie habe nur noch ein halbes Jahr zu leben, lief sie dem Tod einfach davon. "Ich wollte davon nichts wissen. Ich hatte diese Krankheit ein Leben lang und keine Probleme." Gunda Heese schob den Befund beiseite und lebte ihr Leben wie viele andere Frauen auch. Sie verliebte sich und bekam zwei Kinder (heute fünf und sechs Jahre alt). "Den Ärzten erzählte ich in der Schwangerschaft nichts von meinem Lungenhochdruck."

Wenn Angst und Zuversicht sich vermischen

Zehn Jahre lang ging alles gut. Doch dann holte sie die Vergangenheit ein. 2009 war die junge Familie im Urlaub auf Rhodos. "Ich hatte schon kurz vor der Reise Schwierigkeiten Luft zu bekommen, der Flug verschlimmerte meinen Zustand noch." Die junge Mutter brach zusammen. Zurück in Deutschland wurde sie auf die Transplantationsliste gesetzt. Zwar durfte sie wieder nach Hause, aber ein Sauerstoffschlauch war von nun an ihr alltäglicher Begleiter. "Ich konnte keine vier Stunden das Haus verlassen, weil der Sauerstoff nicht länger reichte." Mit Medikamenten gelang es, ihren Zustand zu stabilisieren. Aber im März und September 2011 war Gunda Heese nach zwei Infekten in Lebensgefahr. "Das Herz hatte so gelitten, dass ich fast zu schwach war für eine Transplantation."
Die Zeit drängte. Gunda Heese kam auf die Hochdringlichkeitsliste, das Warten auf die einzige Option zum Weiterleben begann. "Ich wollte die Transplantation so lange wie möglich hinauszögern." Sie hatte Angst, war aber voller Zuversicht. "Ich habe beide Seiten kennen gelernt: Ich habe miterlebt, wie Patienten starben, weil nicht rechtzeitig ein Spenderorgan gefunden wurde oder sie die Operation nicht überlebten. Ich habe aber auch Patienten kennen gelernt, die seit 20 Jahren mit einer Spenderlunge leben."

Sie kann wieder mit ihren Kindern am Strand entlang rennen

Ende Oktober 2011 schien endlich ein passender Spender gefunden. "Leider war es ein Fehlalarm." Am 17. November vergangenes Jahr dann der zweite Versuch. "Ich wurde mitten in der Nacht geweckt. Es war ja nicht klar, ob ich die Transplantation überlebe." Für die Angehörigen und insbesondere ihren Lebenspartner sei es schlimm gewesen. "Ich selbst hatte keinen einzigen Moment, in dem ich dachte, dass ich nicht wieder aufwache, sondern Vertrauen in die Ärzte." Sechs Stunden später begann ihr neues Leben. "Die ersten Atemzüge waren unbeschreiblich, alles war leichter", erinnert sich Gunda Heese. Sie erholte sich schnell. "Weihnachten habe ich schon wieder zu Hause verbracht. Endlich brauchte ich den Schlauch, der lange meine Lebensschnur war, nicht mehr. Ich konnte wieder ohne Probleme duschen und Treppen steigen."
Auch heute noch geht sie lieber die Stufen als den Fahrstuhl zu nehmen und tanzt leidenschaftlich gerne Zumba. Und sie hat sich ihren Traum erfüllt: "Mit meinen Kindern am Strand entlang rennen." Ein Happy End, das nicht jedem gegönnt ist. Ausgerechnet zum Start der Organspendereform machen sinkende Spenderzahlen Ärzten und Politik Sorgen. Die 32-Jährige hofft, dass ihre Geschichte ihre Mitmenschen ermuntert, sich nicht von dem Organspendeskandal abschrecken zu lassen. Sie will zeigen, wie wichtig das Thema ist. "Der Slogan des Bundesverbands der Organtransplantierten trifft es sehr gut. Warum Organe auf Wolken betten, auf Erden können sie Leben retten".

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