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Landeszeitung

22. Oktober 2017 | 18:19 Uhr

Nortorf : Therapie mit dem besten Freund

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ergotherapeutin Heike Lange schaut wöchentlich mit ihren Hunden im Seniorenheim vorbei – und die Bewohner sind begeistert.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Mit wedelndem Schwanz kommt Bijou in den Gemeinschaftsraum gerannt, begrüßt den ein oder anderen Bewohner mit seiner kalten Schnauze und legt sich danach entspannt auf den Boden. Kurze Zeit später kommen auch Seymo und Riley um die Ecke und legen sich dazu. Die drei tierischen Freunde gehören Heike Lange, die im Imland-Seniorenhaus tiergestützte Ergotherapiestunden anbietet.

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet die Ergotherapeutin mit Hunden zusammen. Im wöchentlichen Wechsel besucht sie nicht nur die Bewohner im Gemeinschaftsraum, auch diejenigen, die im Bett bleiben müssen, werden besucht. „Mittlerweile kennen die Hunde die Leute hier schon. Das bringt echt Spaß“, freut sich Heike Lange über ihre Arbeit. Der Reihe nach werden die Teilnehmer von den Rüden begrüßt, anschließend wird gespielt. Wer mag, kann Bälle werfen und die Freude ist groß, wenn die Hunde diesen wieder zurückbringen. Zwischendurch holen sich sowohl die Bewohner, als auch die Hunde eine extra Portion Kuscheleinheiten ab. Anschließend zeigt Heike Lange verschiedene Kunststücke der Vierbeiner. Der kleine Terrier-Mischling Seymo lenkt dabei schon mal den Gehwagen eines Bewohners, fährt mit dem Skateboard durch den Gemeinschaftsraum, macht Rolle, stellt sich tot oder springt durch den Hula-Hoop-Reifen und auf und um sein Frauchen herum. Ganz zur Freude der Teilnehmer, die die Vorführungen mit lachenden Gesichtern und kräftigem Beifall würdigen.

Riley ist mit seinen elf Monaten der jüngste Hund. Der altdeutsche Hütehund gehört zu einer aussterbenden Nutztierrasse. „Eigentlich sollte man für die Therapie keine schwarzen Hunde nehmen“, berichtet Heike Lange. „Aber der hier ist einfach was besonderes.“ Angst haben die Bewohner vor den großen Hunden nicht. Auch Bijou, der kräftige Labrador-Schäferhund-Mischling, kuschelt sich genügsam an die Bewohner und holt sich zahlreiche Streicheleinheiten ab.

Dass die Therapeutin drei Hunde hat, habe seinen Grund. „Ein Hund alleine schafft es nicht, die Aufmerksamkeit über die Zeit aufrecht zu erhalten“, erklärt Heike Lange. Regelmäßig trainiert sie mit Seymo, Riley und Bijou, „aber es kommt nicht darauf an, wie oft und wie lange man trainiert, sondern darauf, dass man am Ball bleibt“, erklärt die Emkendorferin und fügt hinzu: „Die Kunststücke kommen meist von alleine und dienen mehr als Kommunikationsmittel, die man einsetzen kann.“ Nicht nur in der Hundearbeit bildet sich die Therapeutin stetig fort, auch die Arbeit mit den Menschen müsse gelernt sein. In den Therapiestunden werden die Bewohner in den Bewegungsablauf mit einbezogen, es wird beispielsweise Gedächtnistraining mit den Bewohnern gemacht. Therapiebegleithunde eignen sich wegen ihrer Sozialkompetenz im Besonderen zum Einsatz in der tiergestützten Ergotherapie. „Es heißt ja auch nicht umsonst, der Hund ist der beste Freund des Menschen“, sagt Heike Lange.

Nach gut einer Stunde kommt der krönende Abschluss der Therapiezeit. Der Reihe nach dürfen die Bewohner die Hunde füttern. Normalerweise habe sie immer selbst ein paar Leckerlis dabei, berichtet Heimbewohnerin Hildegard Jarbs. „Früher hatten wir selbst nämlich auch immer Hunde. Zwei hintereinander. Deshalb freue ich mich immer, wenn Heike Lange vorbeikommt.“ Zum ersten Mal dabei ist Erika Tosche. Die Seniorin hat viele Jahre in der Türkei gewohnt und selbst Hunde gehalten. Zur nächsten Sitzung wolle sie auf jeden Fall wiederkommen. „Das war nämlich wirklich interessant und hat mir sehr viel Spaß gemacht.“

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