„Terror hat keinen Platz im Islam“

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Mitglieder des Islamischen Zentrums lehnen Gewalt und Ausgrenzung ab      Neuer Imam wurde gestern in Rendsburg erwartet

shz.de von
23. Januar 2015, 12:04 Uhr

Schlechtes Timing: Als die Muslime um 12.44 Uhr zum Freitagsgebet gerufen werden, rattert wenige Meter nebenan die Regionalbahn nach Husum an der Moschee vorbei. Der durch Lautsprecher verstärkte Ruf des Muezzin ist dadurch an der Eckernförder Straße kaum zu vernehmen. Kein Wunder, er darf eine Dezibelzahl von 42 nicht übertreffen. Jeder Fön ist lauter.

Beschwerden wegen des Gebetsrufs, der vor fünf Jahren für Wirbel weit über Rendsburg hinaus sorgte, gebe es nicht mehr, sagt Selim Özdemir aus dem Vorstand des Islamischen Zentrums Rendsburg. „Die Akzeptanz hier in der Umgebung ist groß“, versichert der 24-jährige BWL-Student – und Niklas Leinkenjost (22) neben ihm nickt. Auch er ist muslimischen Glaubens und engagiert sich im Islamischen Zentrum Rendsburg, das in der 2009 eröffneten Moschee sein Zuhause hat. In diesen Wochen ist es eher die Diskussion um Terror und Pegida, die beiden Kummer bereitet. Özdemir und Leinkenjost haben eine klare Haltung zu den Entwicklungen des Winters. Man distanziere sich entschieden von Gewalt und Terrorismus, sagen sie. „Jeder vernünftige Mensch hat denselben Standpunkt. Terrorismus hat keinen Platz in unserer Religion. Er hat mit dem Islam nichts zu tun“, betont Özdemir. Man sei immer offen für Menschen anderer Religionen, bekräftigt der Rendsburger, dessen Großvater Anfang der 1960-er Jahre nach Deutschland kam. Özdemir hat inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. „Unsere Moschee ist offen für alle, die das Gespräch suchen“, fährt er fort. „Egal, ob es sich um Kurden oder Araber handelt: Wir müssen viel mehr miteinander reden – das ist das Problem.“

In Rendsburg wird auf diesem Gebiet bereits viel geleistet. Etwa 1000 Menschen gehen in dem Gebäude aus gelbem und weißem Backstein jede Woche ein und aus. Immer wieder sind auch Besucher darunter, die gar nicht zum Islamischen Zentrum gehören. Urlauber, Schulklassen oder Neugierige, die sich über den Islam informieren oder einfach nur die markante Moschee besichtigen wollen. „Die einzige im Land, die wie eine Moschee aussieht“, sagt Özdemir, einer von 130 Mitgliedern der Islamischen Gemeinde in Rendsburg. Durch die Ereignisse in Paris habe sich sein Verhältnis zu den Mitmenschen in Rendsburg nicht verändert. Özdemir, der in Flensburg BWL studiert und perfekt Deutsch spricht, formuliert es druckreif: „Ein solcher Anschlag bewegt die Menschen in Rendsburg nicht dazu, uns mit anderen Augen zu sehen.“ Nach seiner Einschätzung ist es ohnehin nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, der Vorurteile gegen Muslime pflegt und sie pauschal mit Terroristen gleichsetzt. Sein Eindruck ist, berichtet der Student, dass die Integration im Stadtgebiet besser funktioniert als in manchen ländlichen Regionen. Auf dem Dorf seien die Vorbehalte oft größer, das berichteten ihm immer wieder Jugendliche.

Für die Mitglieder des Islamischen Zentrums stand der gestrige Freitag im Zeichen eines erfreulichen Ereignisses. Am Nachmittag wurde der neue Imam (Vorbeter) in der Moschee erwartet. Isa Dumangöz kam mit dem Flugzeug direkt aus der Türkei und wird voraussichtlich ein bis zwei Jahre in Rendsburg bleiben.

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